Stadt Gmünd sagt Termin mit Kardinal Koch ab

Kardinal schockte mit Nazi-Vergleich.

Schwäbisch Gmünd. Die Stadtverwaltung  hat  den für Samstag geplanten Termin, bei dem sich Kurienkardinal Kurt Koch ins Goldene Buch der Stadt eintragen sollte,  am Freitagvormittag abgesagt. „Im Rahmen der Äußerungen  des kirchlichen Würdenträgers und die Diskussionen dazu ist eine solche Veranstaltung  derzeit  aus Sicht der Stadt nicht durchführbar“, lässt die Stadtverwaltung verlauten.   Sie wolle sich nicht in eine innerkirchliche Diskussion einmischen, konkretisierte der Erste Bürgermeister Christian Baron auf Anfrage.

Die Entscheidung sei bereits am Donnerstagabend getroffen worden, noch bevor die Verwaltung Kenntnis erhielt von einer Pressemitteilung der Linke-Fraktion im Gemeinderat. Die äußerte sich darin „entsetzt über den Nazi-Vergleich des Schweizer Kurienkardinals“. Nach dessen „Entgleisung“ müsse die Stadt den Termin mit Koch absagen.

Der Kardinal hatte  die Reform-Diskussionen der Deutschen Bischofskonferenz und der katholischen Laien, den Synodalen Weg, mit dem Verhalten der sogenannten „Deutschen Christen“ im Nationalsozialismus“ in Verbindung gebracht. Die Linke-Fraktion hatte daraufhin gefordert, dass die Stadt den Termin mit Koch ebenso absagt wie das Christliche  Gästezentrum Schönblick. Auch die Fraueninitiative Gmünd kritisiert, dass der Schönblick am Koch-Vortrag festhält. Sie sieht in diesem Vortrag eine Parallele zu dem im Oktober  im Schönblick anstehenden umstrittenen Kongress „Leben.Würde“. Auch dort seien  unter anderem Kritiker des Synodalen Wegs eingeladen.

Klarstellung erwartet

Der Kardinal war vom Schönblick zusammen mit dem in Gmünd beheimateten Verein „Fundatio Christiana Virtus“ eingeladen worden. Im Schönblick soll Koch am Sonntagabend einen Vortrag zum Thema „Warum es sich gerade heute lohnt, Christ zu sein“ halten. Schönblick-Geschäftsführer Martin Scheuermann sagte dazu,  der Vortrag werde „Stand jetzt“ stattfinden. Er setze aber darauf, dass Koch einleitend eine Erklärung zu seinen Äußerungen abgibt.  Der Kardinal selbst hatte am Tag nach dem Bekanntwerden der Äußerungen gesagt, er habe den Synodalen Weg nie mit einer Nazi-Ideologie verglichen. Martin Scheuermann wertet Kochs Äußerung als Entschuldigung. Ein solcher Nazi-Vergleich wäre seiner Ansicht nach auch „ganz schwierig“, davon würde sich der Schönblick distanzieren. Daneben jedoch sei der Schönblick „ein evangelischer Ort“ und wolle sich nicht in Diskussionen der katholischen Kirche einmischen.

Ähnlich ist die Situation im katholischen Heilig-Kreuz-Münster, wo Kurt Koch am Sonntagvormittag einen Gottesdienst halten soll. Er sei vom Verein Fundatio Christiana Vergis gefragt werden, ob dies möglich sei, und er habe keine Bedenken gesehen, sagt Münsterpfarrer und Ostalb-Dekan Robert Kloker. Er distanziere sich klar von Kochs „unsäglichem“ Vergleich und gehe davon aus, dass der Kardinal in seiner Predigt am Sonntag eine Klarstellung abgibt. Außerdem, das betont der Ostalb-Dekan, distanziere er sich klar von der Kritik des Kardinals am Synodalen Weg, der in der katholischen Kirche in Deutschland diskutiert wird. ⋌Wolfgang Fischer

Copyright Gmünder Tagespost, 30.09.2022