Drei Mittel gegen den Verkehrslärm?

Bauausschuss Kontroverse Diskussion über den Entwurf des Lärmaktionsplans.

Schwäbisch Gmünd. Rund 13 500 Menschen in Gmünd leiden unter übermäßigem Verkehrslärm. Um dem entgegenzuwirken, hat die Stadt auf Aufforderung der Europäischen Union und des Bundes in jahrelanger Arbeit einen Lärmaktionsplan erstellt. Das Ergebnis, das am Mittwoch im Bauausschuss vorgestellt wurde: Im wesentlichen kann der Geräuschpegel nur durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen erreicht werden. Zum Beispiel reicht eine Sanierung des Straßenbelags oft nicht aus, an vielen Stellen müsste zudem die Höchstgeschwindigkeit reduziert werden. Ein drittes Mittel, das in Gmünd oft vorgeschlagen wird: Sanierung oder Einbau von Lärmschutzfenstern. Die Maßnahmen, die im Lärmaktionsplan genannt haben werden, haben in der Zukunft weitreichende Auswirkungen auf die Stadtentwicklung, erläuterte Bernd Raubal, stellvertretender Leiter des städtischen Tiefbauamts.

Der Schutz vor Verkehrslärm sei in früheren Jahren zu wenig berücksichtigt worden, sagte Baubürgermeister Julius Mihm. In anstehenden Projekten könnten lärmmindernde Maßnahmen sofort einfließen, zum Beispiel durch ein Tempolimit auf 30 km/h in der Weststadt.

„Sehr viel Stückwerk“

38 Lärmschwerpunkte hat die Verwaltung ausgemacht und in Prioritäten eingestellt. Diese Einteilung passe, meinte Martin Bläse (CDU), der den Plan eher als langfristige Strategie sah. Ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer könne stellenweise sinnvoll sein. Bläse warnte allerdings davor, Tempo 30 nur aus politischen Gründen zu fordern. Nötig sei vielmehr als umfassendes Verkehrskonzept statt „sehr viel Stückwerk“.

Karl Miller (Grüne) dagegen sah es als Verpflichtung zum Handeln an, wenn mehr als ein Fünftel der Bürger unter Verkehrslärm leiden. Tempo 30 sei da die kostengünstigste Maßnahme, das Limit verflüssige auch den Verkehr. „Lärmschutzfenster sind teuer“ und könnten schon daher nur in Einzelfällen eine Lösung sein, so Miller. Er wies darauf hin, dass der Lärmaktionsplan in allen Stadtteilgremien diskutiert worden sei – außer in der Innenstadt. Und er forderte die Verwaltung auf, deutlich mehr Maßnahmen als bislang schon im nächsten Haushaltsplan einzustellen.

Johannes Zengerle (SPD) wies darauf hin, dass der Lärmaktionsplan noch präzisiert werden müsse. Zum Beispiel sei zu berücksichtigen, dass Flüsterasphalt nicht auf Straßen verwendet werden könne, auf denen Tempo 30 vorgeschrieben ist.

Lärm macht krank und verschärfe die soziale Ungerechtigkeit, kritisierte Andreas Benk (Linke). Die einzige umfassende Gegenmaßnahme wäre es, den Autoverkehr drastisch zu reduzieren. Der Gemeinderat solle die Verwaltung beauftragen, mit der Umsetzung des Aktionsplans sofort zu beginnen. Erster Bürgermeister Christian Baron hielt dagegen, dass Lärm nicht automatisch krank mache.

„Erschreckend“

Constance Schwarzkopf-Streit begrüßte, dass der Planentwurf nun vorliegt. Der Gemeinderat müsse dessen Gesamtwirkung diskutieren. Einschränkungen wie Tempo 30 seien nur sinnvoll, wenn deren Einhaltung auch kontrolliert wird.

13 500 von Lärm betroffene Bürger seien eine erschreckende Zahl, sagte Ullrich Dombrowski (BL). Aber er sei sehr skeptisch, ob die Mehrheit der Bürger bei der Reduzierung von Autoverkehr und Tempolimits mitmacht. Seiner Ansicht nach ist Verkehrsführung die einzige Möglichkeit, die die Stadt habe.

Peter Vatheuer (FDP/FW) mahnte, die Wirtschaftlichkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen besonders zu berücksichtigen. 

Copyright Gmünder Tagespost, 03.02.2022 Wolfgang Fischer