Zu wenig Begeisterung für den Klimaschutz?

SCHWÄBISCH GMÜND (nb). Die Sorge Jugendlicher, die aktuell bei den „Fridays for Future“-Demos auf die Straße gehen und gegen den Klimawandel demonstrieren, ist in aller Munde. Dass sich aber auch einige Erwachsene große Sorgen um die Zukunft machen, das zeigte sich gestern im Rathaus. Zur Information, nicht zum Beschluss lag den Gemeinderäten eine Vorlage vor, die einen Antrag der Grünen-Fraktion von Januar zum Inhalt hat. Hierin bittet die Fraktion darum, das Pariser Weltklimaabkommen und die Kattowitzer Umsetzungsbeschlüsse zu unterstützen. Als Hauptziele des Übereinkommens wird die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit und die Förderung der Klimaresistenz genannt. Unter anderem heißt es in dem Antrag vom 28. Januar: „Gmünd strebt wie Bund und Land an, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2050 in allen beeinflussbaren Bereichen (vorrangig Energie- und Wärmeversorgung, Verkehr) auf möglichst nahe null Tonnen pro Einwohner und Jahr zu reduzieren.“ „Wir haben unseren Teil dazu beigetragen“ Bürgermeister Dr. Joachim Bläse
Die Verwaltung nahm dies zum Anlass, indem sie den Gemeinderat über den aktuellen Sachstand informierte. Verwiesen wurde in der Vorlage darauf, dass sich der Gemeinderat bereits 2010 intensiv mit einem umfangreichen Umsetzungskonzept für eine nergieeffiziente Stadt Gmünd 2020 auseinandergesetzt hat und 2011 ein 10-Punkte-Programm zum Energie- und Klimaschutzkonzept beschlossen hat.
Auch auf den Beitritt zur Resolution „2030 – Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ wurde verwiesen.
„Wir haben unseren Teil dazu beigetragen“, so Bürgermeister Bläse; auch mit
Verweis auf die weiteren Klimaschutzmaßnahmen. Und: „Wir sehen die Umsetzung des Weltklimaabkommens auf kommunaler Ebene als selbstverständlich an.“
Grünen-Stadtrat Elmar Hägele erklärte, dass seine Fraktion den Antrag nicht zur Abstimmung bringen wolle, man aber mit dem Antrag wieder kommen werde;
„aber erst dann, wenn wir genaue Anhaltspunkte dafür haben, was sich getan
hat“. Die Stadt, so Hägele, müsse sich nicht verstecken, aber bis 2030 sei es noch
ein harter und steiniger Weg, den man gehen müsse. Hägele: „Es geht uns um eine
verbindliche Leitlinie.“
Mit Blick auf Bläses euphorische Vorstellung der einzelnen Gartenschau-Attraktivitäten wenige Minuten zuvor meinte SPD-Stadtrat Hans-Jürgen Westhauser: „Ich habe den Traum, dass diese Begeisterung auch für den Klimaschutz eintrifft.“ Es sei einiges in der Stadt umgesetzt worden, ihm fehle aber der Blick dafür, wer von der Stadtspitze sich hier
den Hut aufsetze; „wer dafür brennt“. Das Potential für die Photovoltaikanlagen sieht er in der Stadt nicht vollständig ausgeschöpft. Auch die Bürger, so findet Westhauser, müssten mehr dafür begeistert werden. Hier fehle ihm der Ansatz.
Auch wünsche er sich, dass positiv über die Elektromobilität gesprochen werde und auch im Bereich der Nahwärme an einem Strang gezogen werde. Teile der Bürgerliste und der CDU sorgten durch private Diskussionen im Sitzungssaal zeitweise für eine Geräuschkulisse, die es kaum möglich machte, Westhausers Ausführungen zu folgen.
Den anschließenden Worten von Bürgermeister Dr. Joachim Bläse wurde dann
wieder ein Ohr geschenkt. „Wir haben Prioritäten im Haushalt gesetzt“, sagte dieser und lobte zugleich die Gemeinderäte für deren Mut, Dinge wie das Weltklimaabkommen anzusprechen. „Das, was Herr Hägele gesagt hat, ist schon richtig“, so Bläse. Man müsse Schritt für Schritt gehen. „Auch wir sehen die Umsetzung der Ziele des Klimaschutzabkommens als selbstverständlich an“, so Brigitte Abele von der Bürgerliste, die zu bedenken gab, dass 2018 das wärmste Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten gewesen sei. Alle seien gefordert, die Probleme anzugehen. Abele sprach sich klar dagegen aus, mit dem Flugzeug oder dem Kreuzfahrtschiff jeden Flecken der Welt zu erkunden. Auch auf die Haushaltsrede ihrer Fraktionskollegin Susanne Lutz verwies Abele in diesem Zusammenhang. Diese hatte für die Bürgerliste kürzlich den Vorschlag
einer Autofreien Innenstadt ins Spiel gebracht und Zone 30 für einen bestimmten
Bereich gefordert. Diese Zone 30, so Abele gestern, könne doch mal als Probezone
eingerichtet werden.
Linke-Stadtrat Sebastian Fritz sieht gespannt dem Zusammentreffen mit der Gmünder Schülerbewegung „Fridays for Future“ entgegen. Wie die Rems-Zeitung am Mittwoch berichtet hat, hatten SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam den Antrag gestellt, dass die Schülerbewegung auch im Gmünder Rathaus ein Rederecht bekommt. Voraussichtlich am 10. April wird dies der Fall sein. In Sachen Mobilität sei es wichtig, so Fritz, mit Partnern wie dem ÖPNV zusammenzuarbeiten.