Zu weit vom Bürger entfernt

13. August 2016  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Dies ist ein Blick zurück. Weniger auf die Verwaltung. Mehr auf die Stadträte und ihre Arbeit in den vergangenen Monaten. Sind sie noch bei den Bürgern, die sie gewählt haben? Diese Frage drängt sich auf, beobachtet man Diskussionen unter Stadträten in den und außerhalb der Sitzungen. Drei Beispiele.
Erstens: Es gibt Stadträte, die wissen, dass es in Gmünd dringendere Dinge als Kronleuchter im Predigersaal gibt. Die hören und wissen, wo der Schuh drückt. In Schulen, Kindergärten, Feuerwehrhäusern. Dennoch stimmen die Stadträte – aus parteipolitischen Gründen – für überflüssige Kronleuchter.
Zweitens: Vor wenigen Tagen begann der bisherige CDU-Stadtrat und Ortsvorsteher Herlikofens, Celestino Piazza, sein neues Amt als Chef der Gmünder Wohnungsbaugesellschaft VGW. Piazza ist von Stadträten verschiedener Fraktionen gewählt worden. Nachdem er sich beworben hatte, meldeten sich Bürger zu Wort, wurden kritische Stimmen laut, in Leserbriefen, auf der Straße. Vom Gschmäckle war die Rede. Die Stadträte, die ihn gewählt haben, hat das nicht interessiert.
Drittens: Die drei Ausschuss- und Ratssitzungen vor der Sommerpause waren überfrachtet mit Themen. Sie nahmen die Stadträte über fünf, sechs, sieben Stunden in Beschlag. Den Beratungen in den Wochen zuvor hingegen fehlte es an Substanz. Wohl weil der Staufersaga-Schwörspiele-Mega-Event keinen Raum gelassen hat. Das Erstaunliche: Gmünds Stadträte nehmen dies hin – mit großer Gelassenheit.
Warum, fragt sich der Beobachter, lassen sich Gmünds Stadträte dies gefallen? Wie weit, fragt sich der Beobachter, sind sie, vor allem bei den Kronleuchtern, von den Bürgern eigentlich schon entfernt? Manchen Stadträten, nicht allen, muss in Erinnerung gerufen werden: Sie sind gewählt worden, um die Verwaltung zu kontrollieren. Nicht um ihr nach dem Mund zu reden. Deshalb ist dieser Blick nicht nur ein Blick zurück. Sondern, viel mehr noch, ein Blick nach vorn. Michael Länge
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© Gmünder Tagespost 12.08.2016 19:52