Ziel: Das Fahrrad zum Verkehrsmittel für den Alltag machen

08. April 2018  Gemeinderat, Presse, Redaktion
Darin sind sich alle Ratsfraktionen einig: Mehr Menschen in Gmünd sollen im Alltag das Fahrrad verwenden. Dies beantragten alle Fraktionen des Stadtparlaments in einem gemeinsamen Antrag. Und nennen ein Bündel an Maßnahmen, die die Stadtverwaltung in ein Konzept aufnehmen und umsetzen soll. Auf diesem Weg wollen die Stadträte erreichen, dass
  • der Lärm in Gmünd abnimmt,
  • Feinstaub und Abgase abnehmen,
  • die beengte Fläche in der Innenstadt besser genutzt werden kann und
  • Stau abnimmt und mehr Platz für die ist, die mit dem Auto in die Stadt fahren müssen.

Die Stadtverwaltung nimmt den Antrag auf und hat ein erstes Treffen mit der „Arbeitsgruppe Radverkehr“ für Mittwoch, 25. April angesetzt. Zu dieser „Arbeitsgruppe Radverkehr“ gehören Vertreter aller Fraktionen.

Radeln soll vor allem in der Innenstadt attraktiver werden. Den Stadträten sind sieben Punkte wichtig:

  • Radwegeverbindungen in Gmünd sollen schneller und sicherer werden.
  • An allen Kreuzungen sollen sogenannte Aufstellflächen geschaffen werden. Aufstellflächen sind Räume, in denen sich Radler aufstellen, damit sie von Autofahrern besser gesehen werden. Eine solche Aufstellfläche gibt es in Gmünd an der Kreuzung Uferstraße / Karl-Olga-Brücke.

Der Stau in der Innenstadt hat eher zugenommen.

Fraktionen im Gemeinderat
  • Radwege / Schutzstreifen soll es an allen größeren Straßen geben. Oder aber alternative Wege für Radler.
  • Radwege / Schutzstreifen dürfen nicht an Kreuzungen enden, sondern müssen über diese hinweg geführt werden.
  • Einbahnstraßen sollen für Radfahrer in Gegenrichtung befahrbar sein. Die dafür erforderlichen Gestaltungen sollen vorgenommen werden.
  • Auf Nebenstraßen soll der Radverkehr sicher auf der Fahrbahn geführt werden.
  • Ein Zeitplan, wann welche dieser Maßnahmen umgesetzt sind, soll erarbeitet werden.
  • Der Radring um die Gmünder Innenstadt, den der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Scheffold angeregt hat, soll aufgegriffen werden.
  • Fahrradstraßen, in denen der Autoverkehr dem Radverkehr untergeordnet ist, sollen auf die Tagesordnung kommen. Für diese Straßen wird erwartet, dass der Radverkehr stark zunimmt. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse hatte im November Hauberweg oder alternativ Schwerzerallee, Uferstraße, Gemeindehausstraße, Wilhelmstraße, Werrenwiesenstraße und Klarenbergstraße als mögliche Fahrradstraßen genannt. Die Stadträte diskutierten dies damals kontrovers, die Idee aber wollen alle weiter verfolgen. Das will auch die Stadt. Denn „wir haben diese Straßen damals nicht unüberlegt als mögliche Fahrradstraßen genannt“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann.

Die Stadtverwaltung habe im März nicht geahnt, dass die sechs Fraktionen einen solchen gemeinsamen Antrag auf den Weg bringen, sagt Herrmann auf GT-Anfrage. „Wir sind aber deshalb nicht unzufrieden“, fügt er hinzu. Das Thema Radfahren sei ja in Gmünd immer wieder diskutiert worden. Zunächst sei es aufgrund der Topografie mit der Tallage und den Steigungen auf allen Seiten eine Herausforderung gewesen. Neue Möglichkeiten wie das E-Bike jedoch hätten zu neuen Überlegungen geführt. Dazu gehören auch Maßnahmenkataloge und Konzepte der Stadtverwaltung selbst, die Fahrradstraßen, Radring, Radschutzstreifen, Remstalradroute, Radabstellanlagen und die Beschilderung der Hauptradrouten ansprachen. Diese Maßnahmen waren auch Reaktionen auf Gmünds schlechtes Abschneiden bei einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC vom Frühjahr 2017 zur Fahrradfreundlichkeit in Deutschlands Städten. In der Kategorie 50 000 bis 100 000 Einwohner belegte Gmünd damals den 74. von 98 Rängen.

Eine weitere von der Stadtverwaltung eingeleitete Maßnahme war der Besuch des Karlsruher Bürgermeister Michael Obert im Gmünder Gemeinderat. Karlsruhe gehört zu Deutschlands fahrradfreundlichsten Städten. Der Radverkehr gehört für Obert auf die Straße, weil der rollende Verkehr zusammengehört. Dafür hat Karlsruhe reine Radstreifen eingerichtet, wo’s bergauf geht. Karlsruhe hat, wo möglich, einen Autostreifen in zwei Fahrradstreifen verwandelt. Karlsruhe hat einen Wettbewerb „Fahrradfreundlichster Arbeitgeber“ ausgerichtet. Karlsruhe hat ein Radlerforum gegründet. In diesem tauschen sich Verwaltung, Stadträte, Polizei, ADFC und ADAC aus. Und Karlsruhe hat ein Radleihsystem eingeführt: an einer Stelle ausleihen, an anderer wieder abgeben. Dies ist ein Weg, den Gmünd auch fest im Auge hat – zwischen Hardt und Bahnhof. Obert wies auch darauf hin, dass jede Stadt ihre Eigenheiten sehen und bewerten muss. Und dass sich jede Stadt ein Ziel setzen muss. Dies haben die Stadträte mit ihrem Antrag getan. Sie wollen mehr Gmünder dafür gewinnen, das Rad im Alltag in der Innenstadt zu benutzen.

© Gmünder Tagespost 08.04.2018 08:10