Zeiselberg ist am Ostermontag Ausflugsziel vieler Kritiker

Schwäbisch Gmünd. Vor dem Haus der Familie Eißmann gibt es Kaffee und Hefezopf. Auf dem angrenzenden Zeiselberg-Plateau versammeln sich viele besorgte Bürger, auch Stadträte. Hunderte Anlieger und Bürger aus dem ganzen Stadtgebiet folgen am sonnigen Ostermontag der Einladung der Bürgerinitiative Zeiselberg, machen sich ein Bild von der geplanten Bebauung, sprechen auch über die Kastanienbäume, deren Wurzelwerk wohl geschädigt ist. Gekommen sind „viel mehr Interessierte, als wir erwartet haben“, sagt BI-Sprecher Stanislaus Müller-Härlin.

Er hält wie die weiteren Mitglieder der Bürgerinitiative die Bebauung für zu massiv. Das gelte für die Ausdehnung wie für die Höhe. Säßen er oder sein Nachbar im Garten, müssten sie auf eine 15 Meter hoch ansteigende Wand blicken. Der Wunsch der Anlieger, die Gebäudefläche zu verringern, sei ins Gegenteil verkehrt worden. Die erste Planung habe eine Fläche von 180 Quadratmetern vorgesehen. Die Stadt spricht nun von 200 Quadratmetern, jedoch ohne Wintergarten und Terrasse. Müller-Härlin rechnet das jedoch dazu, „weil es ja optisch in Erscheinung treten wird“. So komme man nun auf 265 Quadratmeter. Leider gebe es derzeit keinen Dialog mit der Stadtverwaltung. Nach einem Gespräch im Oktober habe Oberbürgermeister Richard Arnold versichert, auf die Bürger zuzukommen, falls das nötig sei. Passiert sei nichts.

Deshalb habe die BI diesen Infotag inszeniert, zur Veranschaulichung auch die Gebäudehöhen und Gebäudelänge mit Stangen und Bändern markiert. Besucher diskutieren vor Ort miteinander, kommen auch mit den Anwohnern ins Gespräch. Unter ihnen ist Manfred Weller aus Straßdorf, der planerische Erfahrungen im Straßenbau hat. Dort würden Vorhaben markiert, um sich ein Bild machen zu können. Auch BUND-Sprecher Andreas Mooslehner zeigt sich. Der Umgang mit den Kastanienbäumen sei inakzeptabel, sagt er. Dort habe man unter Zeitdruck gearbeitet, die Wurzeln nicht entsprechend geschützt. Eine Kritik, die Stadtrat Sebastian Fritz (Linke), Mitglied der Baumkommission, unterstreicht. Man könne nicht einfach hinnehmen, dass ein Bauunternehmen die dafür geltenden DIN-Vorschriften nicht einhalte. Was ihn nicht weniger ärgert: „Der Umgang der Stadtverwaltung mit den Anwohnern.“ Die Stadt müsse gesprächsbereit sein, dürfe Bürgerinitiativen nicht diffamieren. Auch Stadtrat Karl Miller (Grüne) ist unter den Besuchern, findet den Umgang mit den Kastanienbäumen nicht in Ordnung.

Es sind viel mehr Interessierte, als wir erwartet haben.

Stanislaus Müller-Härlin,
Bürgerinitiative Zeiselberg

Viele Bürger tragen sich in eine Unterschriftenliste ein. Manche halten sich auch zurück. „Das erinnert mich an die Baustellen im Vorfeld der Landesgartenschau“, sagt ein Gmünder. Rund um den Josefsbach habe es während der Bauphase viel Kritik gegeben. „Am Ende waren aber alle zufrieden.

© Gmünder Tagespost 02.04.2018 17:12