Zäune und Verkehr sind Sorgen

095d414b-986d-451e-8ebf-aebecfd95721Die Zäune der Gartenschau und der Verkehr bereiten den Menschen in Wetzgau Sorgen. Dies ist das Ergebnis einer Diskussion am Donnerstag in der Wetzgauer „Krone“, zu der Naturschutzorganisationen und Stadträte eingeladen hatten. Gut 100 Bürger waren dieser Einladung gefolgt.

MICHAEL LÄNGE

Schwäbisch Gmünd. Sebastian Fritz (Die Linke) war überrascht von dieser Resonanz. Um zwei Themen gehe es, sagte der Moderator des Abends: der Taubentalwald und der Landschaftspark. Es gebe einige Formulierungen, die in jüngster Zeit „aufgestoßen“ seien, sagte er und zählte auf: „touristischer Mehrwert“, „nachhaltige Entwicklung“ oder „Werbung in Richtung Großraum Stuttgart“. Dies bereite Sorgen, auch weil das Taubental vielen am Herzen liege. Deshalb gehe es darum, frühzeitig davor zu warnen, die Frequenz zu erhöhen.
Der Taubentalwald sei ein „Schatz, mit dem man achtsam umgehen muss“, sagte Andreas Mooslehner vom BUND Ostwürttemberg. Es sei sinnvoll, Jugendliche dort an den Wald heranzuführen. Dafür brauche es aber Lenkung, damit es im Taubentalwald auch künftig unberührte Räume gebe. Den Waldentdeckersteg zu erhalten, die Zäune im Wald zu entfernen und keine weiteren Attraktionen zu schaffen, dafür sprach sich Professor Dr. Dieter Rodi vom Naturkundeverein aus. Die Zäune im Wald entfernen will auch Walter Beck vom Naturschutzbund Nabu. Er will außerdem „hier und dort etwas zurückführen“. Alle Sprecher jedoch zollten der Stadt Lob für die Gartenschau.
Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann sah bis dahin keine Unstimmigkeiten. Eher eine „Riesenübereinstimmung“. Die Zäune im Wald kämen weg, würden an die Hangkante oberhalb der Verbindung vom Schönblick in Richtung Wetzgau verlegt. Erstaunt sei er, sagte Herrmann, dass das Thema Rodelbahn erneut aufgetaucht sei. Die Stadt plane keine Rodelbahn, und sie habe auch keinen Investor. Die spannende Frage dagegen sei, ob Landschaftspark und Waldentdeckersteg erhalten werden sollen, und, wenn ja, ob sich dafür Leute finden, die sich hier engagieren.
Die Stimmen der Bürger waren unterschiedlich: Andrea Stegmaier hinterfragte, ob eine Verbindung von unten nach oben wirklich vom Tisch sei? Brigitte Maier wollte „keine bunten Türen“ und auch „keine Spiegel“ und meinte damit den Lebensweg. Sie forderte, den Wald sich selbst zu überlassen. Und erhielt dafür viel Zustimmung.

166 Tage Lärm, Gestank und Verkehr ertragen
„Mehr oder weniger alles bleibt“, fasste Fritz erste Ideen der Stadt zum Landschaftspark zusammen. Daran reiben sich viele Wetzgauer. Sie kritisierten, dass Zäune bleiben. Sie kritisierten, dass unklar ist, ob der Weg von Wustenriet beim Weleda-Erlebniszentrum vorbei zum Friedhof wieder geöffnet wird. Dies sei eine Zusage vor der Gartenschau gewesen, sagte Fritz. Mehrere Wetzgauer wiesen auf die Belastung durch Lärm, Gestank und Verkehr hin, die sie 166 Tage lang ohne Murren ertragen hätten.
Doch es gab auch andere Stimmen. Zum Beispiel die von Siegfried Lautner vom Förderverein Himmelsstürmer: „Wenn wir den Park nicht wollen, ist unsere Arbeit für die Katz“, sagte er. Es gehe um die Fragen: Wollen wir den Park behalten? Wollen wir den Park bespielen? Viele Vereine, die bei der Gartenschau dabei waren, würden dies unterstützen, sprach er sich dafür aus, „etwas zu erhalten, was uns durch die Gartenschau geschenkt wurde“.
Das Parken wird ein großes Thema sein, sagte Herrmann zur Verkehrsfrage. Vorgesehen sind aktuell etwa 200 Parkplätze beim Bereich der Sparkassenbühne. Einen enormen Pflegeaufwand und Kosten bedeute es, den „hochwertigen Landschaftspark zu erhalten“. Dies gehe so Herrmann, ohne Zäune nicht. Nicht entschieden sei die Frage des Weges bei Weleda. Das Unternehmen habe von der Gartenschau profitiert und denke über weiteres Engagement nach. So sei dies auch beim Schönblick. Man könne sagen, alles solle zurückgebaut werden, sagte Herrmann. Dies sei eine legitime Haltung. Man könne aber auch sagen, Gmünd werde nach der Gartenschau anders wahrgenommen. Als Stadt, „in der es sich zu leben lohnt“. Dies zu nutzen ist für den Stadtsprecher eine „Chance“, die er „nicht aufgeben“ will.
© Gmünder Tagespost 30.10.2014 22:15:26