Wütende Frauen quer durch die Parteien

Cynthia Schneider,
Stadträtin in Schwäbisch Gmünd, Die Linke

Eine große Geburtstagsparty im Länd- le, denn 2018 wird das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt und diese Reform hätte zum Geburtstag einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht. Am 30. No- vember 1918 trat das Reichswahlgesetz in Deutschland mit dem aktiven und passi- ven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Im Jahre 2018 eine Wahlrechtsreform zu schaffen, die die Möglichkeit bietet, mehr Frauen in die politischen Gremien zu bringen wäre endlich der Durchbruch in der heutigen Zeit.

Durch die „männergeführte“ Diskussi- on und der dahinter liegenden Angst ein- zelner Fraktionen, das diese eventuell „ Männersitze“ verlieren könnten, fühlen wir uns als Frauen in der heutigen Zeit ins 1900 Jahrhundert zurück versetzt. Zeitgleich entsteht ein weiteres Gefühl, dass in den Köpfen immer noch das „Pa- triarchat“ vorherrscht. Der Kampf um die Gleichstellung der Frau hat auch da- mit was zu tun, mutig neue Dinge einzu- führen. Veränderung beginnt in den Köp- fen der Menschen und kann sich nur dann verstetigen, wenn man Entscheidungen und Prozesse ansteuert, die die Frauen- rechte stärken. Selbstverständlich ist die- se Reform richtig und wichtig, um eine gezielte Frauenförderung und Frauent- wicklung auf den Weg zu bringen. Es muss definitiv ein modernes Wahlrecht eingeführt werden, denn somit kommen mehr Frauen in das Parlament. Wir brau- chen endlich die Gleichberechtigung. Es ist an der Zeit, das Wahlrecht zu moder- nisieren. Sämtliche Quotenregelungen in allen Bereichen haben gezeigt, dass Frau- en immer stärker vertreten sind. Auch wenn das Wort „Quotenfrau“ eher be- schimpft und lächerlich gemacht wird.

Die Partei Die Linke in Baden-Würt- temberg, sowie ich persönlich, fordern ein Zwei-Stimmen Wahlrecht, welches den Wählern und Wählerinnen ermöglicht, neben Wahlkreiskandidaten und -kandi-

Cynthia Schneider, Die Linke

datinnen zusätzlich mit der Zweitstimme eine Partei zu wählen. Mit dem derzeitig bestehenden Wahlrecht werden auch Par- teien, die noch nicht im Landtag vertre- ten sind, benachteiligt. Zusätzlich fordere ich ein, dass das Thema nicht einfach als abgeschlossen in den Papierkorb gelegt wird, oder besser ausgedrückt, es unter den Tisch gekehrt wird. Deshalb finde ich, sich in einer weiteren Runde mit dem Thema, der Reform des Wahlrechtes aus- einander zu setzen, denn es ist wichtiger und aktueller denn je.

Ich möchte an dieser Stelle „Clara Zet- kin“ zitieren, die damals im Jahre 1907 auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz das Frauenwahlrecht forderte: „Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Jetzt erst recht!!!

Mit diesem Zitat will ich allen Frauen und Befürworterinnen Mut machen, sich wegen der Ablehnung nicht als geschla- gen zu sehen sondern Jetzt erst recht die die Kampagne weiter zu verfolgen.

Rems Zeitung, 08.03.2018