Wohnungslosen eine Chance geben

Sebastian FritzWenn Dirk Holzmann eines in seiner Arbeit gelernt hat, dann das: alle Möglichkeiten ausnutzen. Und so hat er in die Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses nicht nur Informationen über das Thema „Wohnungslosigkeit“ mitgebracht, sondern gleich Mitgliedsanträge für den Förderverein „Haus St. Elisabeth“.

Marie Lisa Schulz

Schwäbisch Gmünd. Die Zahlen, die Sozialpädagoge Dirk Holzmann am Mittwochabend im Sozialausschuss vorlegte, sind alarmierend.

153 Personen nahmen im Jahr 2014 das Angebot der Wohnungslosenhilfe Gmünd an. 81 Prozent davon Männer, 19 Prozent Frauen. Jeder fünfte Hilfesuchende war jünger als 25 Jahre. Das Aufnahmehaus sei durchschnittlich mit 6,6 Plätzen belegt gewesen. Fünf Plätze seien vorgesehen. Ziel seiner Arbeit für die Wohnungslosenhilfe der Caritas Ost-Württemberg sei es, kurzfristig die Versorgung sicherzustellen. Eine Essensausgabe, Übernachtungsmöglichkeiten oder die Auszahlung von Leistungen umfasse nur ein kleines Spektrum der angebotenen Unterstützung. Langfristig müsse das Ziel sein, den Menschen durch einen festen Wohnsitz wieder Perspektive und Sicherheit zu bieten.
Große Sorge, so Holzmann, mache ihm die steigende Zahl junger Erwachsener, die die Angebote der Wohnungslosenhilfe trotzdem nur sporadisch nutzen. „Wir schaffen es nicht, dass wir für sie zur Anlaufstelle werden. Grund sind die Regeln, an die sie sich auch bei uns halten müssen.“ 21 Uhr müssen sie „drin“ sein. Alkohol ist verboten. Sein Appell: „Wir müssen die Präventionsarbeit ausbauen.“ Nur wenn frühzeitig Kontakt zu den Personen bestehe, denen der Verlust der Wohnung drohe, könne gehandelt werden. „Dafür braucht es Menschen, die bereit sind, eine zweite Chance zu geben“, weiß auch Bürgermeister Bläse. Menschen wie Clemens Beil. Er ist Vorsitzender des Fördervereins „Begegnungsstätte St. Elisabeth“. Mit Spendengeldern konnte der Verein 2012 unter anderem das Haus St. Michael errichten, in dem Wohnungslose in Wohngemeinschaften leben können.
„Die Zahlen sind ein Indikator dafür, dass wir große Defizite haben“, meinte Linke-Stadtrat Sebastian Fitz, der die Arbeit des Einrichtungen lobte. „Ich habe mich gefragt, warum ich nicht Mitglied im Förderverein bin“, sagte Gremienmitglied Brigitte Schoder am Ende des Vortrages. Zumindest dieses Problem konnte schnell gelöst werden.

 

© Gmünder Tagespost 08.07.2015 22:05:09