Wohl Mehrheit für Erhalt der Straßennamen

Sebastian FritzAm Ende stand des Oberbürgermeisters Dank für die sachliche Debatte: Die Stadträte hatten am Mittwoch ihre Positionen zu Hindenburgplatz, Franz-Konrad-Straße und Richard-Bullinger-Straße formuliert. CDU und FW / FDP signalisierten Unterstützung für die Verwaltung, SPD, Grüne und Linke wollen die Straßen umbenennen.

michael länge

Schwäbisch Gmünd. Das erste Wort, nachdem der Oberbürgermeister die Position der Verwaltung erläutert hatte (lesen Sie dazu „Was die Stadtverwaltung will“), hatten im Verwaltungsausschuss die Antragsteller: SPD und Linke. Deren Anträge, die zwei Straßen und den Platz umzubenennen, reichen bis 2013 oder weiter zurück. „Wir ziehen den Hut vor Ihnen, wie Sie den Erinnerungsprozess begleiten“, sagte zunächst Hans-Jürgen Westhauser (SPD) OB Richard Arnold und Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Die SPD und die Stadtverwaltung seien nicht weit auseinander. „Wir wollen, wie Sie, die ständige Auseinandersetzung und alles tun, um Erinnerung wach zu halten“, sagte Westhauser. Die Verwaltung aber bleibe bei den Straßennamen auf halbem Weg stehen. Für ihn sei es „unerträglich, wenn heute eine Mehrheit im Gemeinderat eine führende Person verklärt“, sagte Westhauser in Bezug auf Franz Konrad, der von 1934 bis 1945 Gmünds OB war und nach dem 1963 eine Straße durch Ratsbeschluss benannt worden war. Hindenburg sei „Totengräber der Weimarer Republik“ gewesen, er könne nicht nachvollziehen, weshalb Gmünd heute einen Hindenburgplatz wolle. Richard Bullinger, sagte Westhauser, sei „ein grandioser Kriegstreiber“ gewesen. Sollten die Straßennamen bleiben und durch Texte erläutert werden, wolle die SPD-Fraktion diese Texte vor einer Entscheidung.
Bullinger sei ein „wichtiger Bestandteil der Rüstungsindustrie“ gewesen, Konrad „nicht gewählt“ und Hindenburg ein „wichtiger Wegbereiter der NS-Diktatur“, sagte Sebastian Fritz (Die Linke). Eine Ehrung durch Straßennamen sei eine hohe Auszeichnung, sagte Fritz. Bei den drei Namen müsse die „unverdiente Ehrung“ beendet werden.
Die CDU-Fraktion folgte dem Vorschlag der Verwaltung. Wobei Christian Baron betonte, grundsätzlich müsse man umbenennen können, denn es gebe „eine Zumutbarkeitsschwelle“. Baron nannte die Frage, um die es geht: Dienen Straßennamen der Ehrung oder sind sie Erinnerung, die Zeit der Namensgebung reflektierend? Barbarossa sei kein Demokrat gewesen, Richard Wagner ein Antisemit, sagte Baron und warf damit die Frage auf, wie die Stadt mit anderen Namen umgehen muss. Es sei richtig, zu erklären und differenziert zu betrachten, sagte Baron. Dazu brauche der Gemeinderat mehr Infos. Die CDU unterstütze den „schweren, nicht einfachen Weg“ der Verwaltung. Beim Petersweg forderte Baron, den Ortschaftsrat Wetzgau einzubeziehen.
Auch Alexander Schenk (B 90 / Grüne) sah seine Fraktion „nicht weit von der Verwaltung entfernt“: „Wir wollen Geschichte nicht tilgen, wir setzen uns mit ihr auseinander.“ Die Grünen wollen die Straßennamen ändern und mit einer Tafel ergänzen, die den Weg hin zur Änderung erklärt. Die Fraktion FW / FDP unterstützt den Vorschlag der Verwaltung. Ihn störe, dass eine Entscheidung des Gemeinderates 1963, die zur Namensgebung Franz-Konrad-Straße geführt hatte, heute in Frage gestellt werde, sagte Werner Nußbaum (FW / FDP). Endgültig entscheidet der Gemeinderat.

Was die Stadtverwaltung will

Gmünds Stadtverwaltung will die Franz-Konrad-Straße, die Richard-Bullinger-Straße und den Hindenburgplatz nicht umbenennen. Stattdessen will sie durch Zusatzinformationen die historische Einordnung und den Bezug zur Gegenwart herstellen, dies womöglich durch eine „künstlerische und grafische Brechung“. Dafür will die Verwaltung Studenten der Gmünder Hochschule für Gestaltung gewinnen. Zudem will die Verwaltung am Petersweg auf dem Rehnenhof ein Zusatzschild anbringen, das über den früheren Namensgeber, den Unterdrücker Carl Peters, informiert. Erläutert werden soll dabei auch die Umwidmung 2012 zum schlesischen Maler Hans Peters als neuem Namensgeber. Schließlich will die Verwaltung einen Wissenschaftler für eine Studie zum Thema „Verwaltung im Nationalsozialismus am Beispiel der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd“ gewinnen. mil

© Gmünder Tagespost 17.06.2015 21:39:49