Wo klemmt’s bei den Fahrradwegen?

06. September 2018  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Schwäbisch Gmünd Wie steht es um den Radverkehr in Schwäbisch Gmünd? „Nicht gut“, nach Meinung von Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Schwäbisch Gmünd (ADFC) und Gmünder Stadträten der überfraktionellen „Fahrradgruppe“. Sie trafen sich am Mittwoch an der Kreuzung Lorcher Straße und Marie-Curie-Straße. Dort warben sie für die Teilnahme am ADFC-Fahrradklimatest 2018. Bei der Online-Umfrage können 32 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit der Heimatstadt beantwortet werden. Beim Test 2016 landete Schwäbisch Gmünd auf Platz 96 von 98 Städten.

Gmünd hat Nachholbedarf

Warum das Treffen an der Kreuzung Lorcher Straße und Marie-Curie-Straße? Weil es eine der wenigen Stellen ist, an der in den vergangen zwei Jahren fahrradtechnisch etwas passiert sei, sagte Erwin Maas, Mitglied des Vorstands vom ADFC Gmünd. Einerseits sei es gut, dass dort für Radfahrer eine Route eingezeichnet worden sei, sind sich die anwesenden Stadträte Thomas Kaiser (CDU), Sebastian Fritz (Linke) und Karl Miller (Grüne) einig. Doch sei die Ausführung ungenügend. Zur Erklärung: Auf der Lorcher Straße führt Richtung Lorch ein Radweg auf der rechten Seite. An der Einmündung der Marie-Curie-Straße ist geradeaus eine Fußgängerinsel, die auch Radfahrer benutzen können. Wollen Radler in die Marie-Curie-Straße abbiegen, fahren sie rechts auf einem eingezeichneten Schutzstreifen in Richtung Lorch. Den müssen sie sich mit Autofahrern teilen. Kommt ein Radler aus Richtung Lorch auf der Marie-Curie-Straße, kann er entweder auf der Straße fahren oder auf dem Gehweg.

Doch für sie sei auf ihrer Seite kein Schutzstreifen eingezeichnet, moniert Erwin Maas. Während des Treffens zeigt sich das Resultat: Radler sind verwirrt und benutzen illegalerweise den Schutzstreifen auf der gegenüberliegenden Straßenseite – entgegen der Fahrtrichtung. Kommen sie an der Kreuzung an, geht das Problem weiter. Einige biegen noch vor der Insel nach links auf die Lorch Straße ab oder von der Straße direkt auf die Insel. Alles illegal. Sie müssten erst auf den Gehweg und dann über die Insel.

Unpraktisch gelöst und nicht eindeutig eingezeichnet, sind sich die Anwesenden einig. „Wir brauchen an der Kreuzung auch ein Vorfahrt-achten-Schild für Autofahrer, damit diese die Radler durchlassen“ sagt Kaiser. Sonst werde der Fahrradverkehr unnötig gebremst.

„Es fehlt an einem einheitlichen Konzept“, erläutert Miller. Es gebe viele Beispiele aus anderen Städten, wie Radler gut in den Straßenverkehr integriert werden können, fügt Kaiser hinzu. Aber diese Ideen werden bei der Planung von Straßen in Gmünd nicht mit einbezogen. „Die Fahrradkonzepte in Gmünd entsprechen den gesetzlichen Vorschriften. Aber es gibt mittlerweile viel bessere Lösungen.“ Das liege daran, dass die Vorschriften für den Fahrradverkehr aus den 70er Jahren stammen, sagt Fritz. Aus einer Zeit, als Autos immer Vorrang hatten. Heutzutage müsse das Ziel sein, Fahrradfahrer auf den Straßen der Autos zu integrieren. „Wenn die Leute wissen, dass sie mit dem Fahrrad schnell ihre Ziele erreichen, dann wechseln sie vom Auto auf das Rad“, sagt Miller. Das entlaste den Verkehr und mindere Staus und den Schadstoffausstoß. Da sei es hinzunehmen, dass der Radfahrer in Einzelfällen ein Auto ausbremst.

Die Fahrradklima-Umfrage läuft vom 1. September bis zum 30. November. Auf www.fahrradklima-test.de findet sich ein Online-Fragebogen.

© Gmünder Tagespost 05.09.2018 16:02