Wie viel Gewerbe erträgt Gmünd?

Der Gemeinderat wird dem Entwurf für die Erweiterung des Gewerbeschwerpunkts Gügling nach Norden voraussichtlich zustimmen. Dennoch wurde die Vorberatung in den zuständigen Ausschüssen am Mittwoch ein Stück weit zur Grundsatzdiskussion darüber, wie viel Gewerbe- und Industriebetriebe dort noch Platz haben. Diese Frage betrifft ganz Gmünd, denn nach Einschätzung der Stadtverwaltung ist der Gügling der einzige Ort, der eine solche zusammenhängende Fläche bietet.

Die CDU-Stadträtin und Bettringer Ortsvorsteherin Brigitte Weiß sagte, dass der Teilort den Gügling zwar akzeptiert habe, aber die rasante Entwicklung des Gebiets nicht vorhersehen konnte. Für eine erneute Erweiterung sei es dringend notwendig, über die Verkehrslenkung nachzudenken. Vor allem sollten Lastwagen zum und vom Gügling nicht über den Schmiedeberg rollen.

Konrad Sorg (SPD) ging noch tiefer: In den ersten sechs Jahren nach Ausweisung seien nur drei Unternehmen auf den Gügling gezogen. Seitdem aber sei die gesamte Fläche „vervespert“ worden. Nach dem nun zur Debatte stehenden „Gügling Nord III“ gäbe es noch eine kleine Erweiterungsmöglichkeit in Richtung Zimmern, aber dann sei Schluss. Einer Ausweitung Richtung Bargau würde er nicht zustimmen. Als sinnvoll sah er eine Straßenanbindung an die Umgehung Bargau an, auch mehr Busse sollten den Gügling anfahren.

Er sehe die wachsenden Bedenken in Bettringen gegen das Gewerbe- und Industriegebiet, sagte OB Richard Arnold. Zweifelsohne sei ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept für Bettringen notwendig. Dabei möchte er auch die Firmen auf dem Gügling in die Pflicht nehmen: Die sollten Bus-Tickets für ihre Beschäftigten bezuschussen. Arnold dankte Bettringen, dass Gmünd durch den Gügling vom Wirtschaftswachstum profitieren konnte. Aber das Gewerbegebiet sei regional bedeutsam: Ohne die Erweiterungsmöglichkeit auf dem Gügling würde der Küchenbauer Leicht aus Waldstetten abwandern, davon war der OB überzeugt.

Karl Miller (Grüne) wandte sich dagegen, dass den Firmen im neuen Gebiet nur eine Dachbegrünung von 75 Prozent vorgeschrieben werden soll. Er möchte auch einen Überblick, welche ökologischen Ausgleichsmaßnahmen die Stadt für die Bebauung solcher Gebiete ergreift. Sein Fraktionskollege Elmar Hägele meinte, dass die bessere Anbindung des Gügling ans Omnibusnetz überfällig sei. Bislang bezuschussten gerade mal vier Firmen im Kreisgebiet Bus-Tickets ihrer Mitarbeiter – darunter die Stadt Gmünd.

Auch Susanne Lutz (BL) sah eine „gigantische Weiterentwicklung“ des Gügling, die aber abzusehen gewesen sei. Sie plädierte für ein Gesamtverkehrskonzept für Gmünd. Karin Rauscher (FWF) sah ebenfalls das Verkehrsaufkommen als Problem, außerdem die Lärmbelastung und die Parkplätze. Keine grundsätzlichen Bedenken der Linke-Fraktion signalisierte Sebastian Fritz. Allerdings solle die Stadt bereits jetzt mit den Unternehmen über Firmen-Tickets reden. Der Ortsvorsteher von Hussenhofen, Thomas Kaiser (CDU), merkte an, dass aus seinem Ort vermehrt Klagen über Lärmbelästigung vom Gügling her kommen.

Gügling Nord III soll eine Fläche von 15,47 Hektar umfassen, davon 13,28 Hektar als Industriegebiet. Zwei der drei Teilflächen sind für die Firma Leicht und die Aussiedlung der Firma Gatter vorgesehen. Flächen auf dem Gügling sind laut Stadtverwaltung begehrt.

© Gmünder Tagespost 07.03.2018 19:54