„Wenn’s bessere Wege gibt, steigen mehr um aufs Rad“

Helles Fahrradglockenklingeln, neugierige Passanten, interessierte Cafésitzer – und rund 80 Radfahrer, die entspannt über den Gmünder Marktplatz fahren. Nach vier Monaten Corona-Pause haben auch die engagierten Fahrradfahrer wieder damit angefangen, sich zu zeigen und auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.Die Rundfahrt um die Altstadt steht in der Tradition der „Critical Mass“, war aber diesmal aus organisatorischen Gründen ordnungsgemäß als Demonstration angemeldet.

Das Anliegen ist dasselbe: Die Radler wünschen für ihresgleichen eine „bessere und sicherere Verkehrsführung“, wie es Andreas Mooslehner, BUND-Regionalgeschäftsführer, formulierte. „Es gibt im Moment keine einheitlichen Wege fürs Rad, wir teilen uns den Platz oft mit Fußgängern, es geht Gehweg hoch, Gehweg runter“, sagt Benjamin Hammerl, einer der Mitradler. Eine Verkehrsführung, die fürs Rad so durchgängig ist wie fürs Auto, das sollte das Ziel sein, findet er. Und Stefanie Michel fügt hinzu: „Die Stadt ist fürs Auto gemacht; ich wünsche mir, dass Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt sind.“

Eltern, Kinder, Jugendliche

Man ist oft im Zickzack unterwegs.

Ein Teilnehmer über die Radwege in Gmünd

Stadtrat Sebastian Fritz und Andreas Mooslehner erinnerten beide an einen Beschluss des Gmünder Gemeinderats von dieser Woche, der die Altstadt lebenswerter machen soll. Autofreiheit und mehr Wege für Radler gehören auf jeden Fall dazu, finden die Aktivisten.

Nach dem Zusammentreffen auf dem Johannisplatz fuhren die Radfahrer über Marktplatz und Ledergasse in die Remsstraße, um dann die Altstadt einmal zu umrunden. Es war eine bunt gemischte Gruppe: Eltern mit Kindern, mal im Kindersitzle, mal schon auf dem eigenen Rad, Lastenräder, E-Bikes, Jugendliche auf Downhillrädern und viele andere Radler. Allen gemeinsam war eine entspannte Grundhaltung bei ihrer Runde in gemütlichem Tempo, die von Polizisten auf Motorrädern eskortiert wurde.

Es gibt natürlich schon Radwege in Gmünd, aber die Situation ist sehr ausbaufähig, da waren sich die Zweirad-Demonstranten einig. „Man ist oft im Zickzack unterwegs, die Radwege sind nicht durchgehend, da braucht es ein Verkehrswegekonzept“, meinte Nuri Kurt, einer der Radfahrer. Andreas Mooslehner hielt den Verantwortlichen der Stadt Gmünd vor, in dieser Beziehung der Stadt Aalen hinterherzuhinken – die Kreis-Nachbarstadt wolle in den nächsten Jahren die Bedingungen für den Radverkehr in der Stadt mit Millioneninvestitionen verbessern.

Jeden dritten Freitag im Monat

Wir sind fürs Fahrrad, nicht gegen … – für!

Eine Radlerin

Sebastian Fritz verwies auf Erfahrungen anderer Städte, die ebendies schon gemacht haben: die Radwege massiv ausgebaut. „Wenn es bessere Wege gibt, dann steigen auch mehr Menschen um aufs Rad.“

Von nun an soll der frühere Critical-Mass-Turnus wieder gelten, jeden dritten Freitag im Monat wollen sich die Radfahrer des Aktionsbündnisses treffen, der nächste Termin ist der 17. Juli. Und zwar friedlich-partnerschaftlich, nicht konfrontativ, wie eine Radlerin auf dem Marktplatz im Vorbeifahren betonte: „Wir sind fürs Fahrrad,
nicht gegen … – für!“

© Gmünder Tagespost 19.06.2020 21:31