Weiter Ärger am Zeiselberg

Dass Oberbürgermeister Richard Arnold in der jüngsten Gemeinderatssitzung Pläne zur Zeiselberg-Gastronomie vorgestellt hat, wird von der neu gegründeten Bürgerinitiative begrüßt. Dass das Gebäude seit der Bauvoran- frage von August aber gewachsen ist, wird kritisch gesehen. Verärgert

zeigen sich mit Blick auf die Abholzungen auch die Fraktionen von Grüne und Linke im Gemeinderat.

SCHWÄBISCH GMÜND. „Das Gebäude ist so riesig wie von der Initiative vorgestellt“, so Stanislaus Müller-Härlin zu der im aktuellen Entwurf dargestellten Gebäudehöhe von circa 6,60 Meter sowie den weiteren Größen. Das Gebäude sei seit der Bauvoranfrage von August, die der Initiative vorliege, immens gewach- sen. „Ob diese Informationen dem Ge- meinderat umfänglich vorliegen, scheint zweifelhaft, denn schon damals war das Gebäude nur sieben Meter hoch geplant.“

Die Initiative bedauere, dass Stadt und Investor immer noch nicht mit offenen Karten spielen wollen, so Müller-Härlin. Die Initiative sehe ihre schlimmsten Be- fürchtungen eingetreten.

Dass in dem aktuellen Entwufsplan von 17,35 Metern Gebäudelänge die Rede ist, über die Breite aber kein Wort verloren wird, wird ebenso kritisch gesehen. Der Plan zeige aber deutlich, dass das Gebäu- de über 21 Meter lang und in der größten Ausdehnung 18 Meter breit werde; „und damit genauso groß wie befürchtet“. Der OB, so ein weiterer Vorwurf, habe bei der Vorstellung weder den überdachten Win- tergarten, noch das Treppenhaus und den Balkon mitberechnet, was rechtlich viel- leicht nicht zu beanstanden sei, jedoch bewusst in die Irre führe; „worüber sich jeder anhand der Pläne selbst überzeugen kann“. Denn für die Wirkung eines Ge- bäudes, so die Bürgerinitiative, sei die op- tische Größe entscheidend und nicht bau- rechtliche Pflichtangaben. Müller-Här- lin: „Auch wenn das Gebäude nicht durchgehend zweistöckig sein sollte – diesbezüglich werden wieder einmal kei- ne Pläne gezeigt – so wird völlig ignoriert, dass es rund zehn Meter über die aktuelle Hangkante ragen wird und hier eine mas- sive und viel höhere Wirkung entfalten wird.“ Nach wie vor kenne die Öffentlich- keit kein Modell oder dreidimensionale Ansicht des Baukörpers. Das Aufsteigen von bis zu 15 Metern über dem eigentli- chen Hangniveau, das durch die Länge von 21 Metern entstehe, werde ebenso wenig gezeigt wie die Wirkung des Ge- bäudes von allen Seiten.

Der OB spreche davon, den Anwohnern entgegengekommen zu sein und beziehe sich auf einen Plan, auf dem Prof. Jörg Stötzer ursprünglich ein 13 Meter hohes Gebäude vorgesehen habe. Eine erste flüchtige Ideenskizze als Plan zu bezeich- nen, sei völlig absurd, so Stanislaus Mül- ler-Härlin. Zudem zeige die Skizze ein Gebäude, das abgesehen von einem ganz kleinen Teil, durchgehend einstöckig und damit nur halb so hoch sei wie heute.

Das Vorgehen von Stadt und Investor wird von der Bürgerinitiative als Hau- ruck-Aktion bezeichnet. Das Gebäude um zwei Meter zu kürzen, um es im An- schluss mit einem drei Meter breiten Bal- kon zu verlängern, sei kein Entgegen- kommen, sondern eine baurechtliche Fin- te. Seit der Einleitung des vorhabenbezo- genen Bebauungsplans im Dezember habe es zwischen Stadt, Investor und An- wohnern kein einziges Gespräch zur Gas- tronomie gegeben. Der OB, so die Vermu- tung, wolle offensichtlich mit gefilterten Daten den Gemeinderat auf Linie halten und die Veränderung der Dimensionen verschleiern.

Grüne und Linke gegen weitere Abholzungen am Zeiselberg

Alles andere als glücklich mit den aktu- ellen Arbeiten sind auch die Fraktionen von Grünen und Linken im Gemeinderat.

Bei den massiven Geländearbeiten am Zeiselberg seien auch Bäume beschädigt worden, die nach den Plänen der Garten- schau erhalten bleiben sollen. „Grüne und Linke im Gmünder Gemeinderat be- stehen darauf, dass alles für die Rettung der Bäume getan wird“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Für die technische Abwicklung von Baustellen gibt es Vorgaben für den Baumschutz. Die ausführende Firma hat offensichtlich da- gegen verstoßen“, so Sebastian Fritz, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Ge- meinderat. Anders sei es nicht zu erklä- ren, dass die Wurzeln von drei Rosskasta- nien erheblich beschädigt wurden. „Die Kastanien gehören zu den sieben alten Bäumen am Zeiselberg, die für die Zu- kunft und die Gartenschau erhalten wer- den sollen.“ Durch die Wurzelschädigung stehe nun die Standfestigkeit der Bäume in Frage. Die Baumkommission der Stadt habe bei einem kurzfristig einberufenen Vor-Ort-Termin die Bäume besichtigt. Auch einen Gutachter hat die Stadt schon mit einer Bewertung beauftragt. Das Er- gebnis: Eine Erhaltung der ungefähr 60 Jahre alten Kastanien erscheint nur unter hohem Aufwand möglich. „Da kommt die Haftungsfrage ins Spiel“, meint Gabriel Baum, Fraktionsvorsitzender der Grünen Gemeinderatsfraktion. Die Stadt müsse nun prüfen, ob die Firma nicht für die Kosten der Rettung der Bäume aufkom- men müsse. Einer Fällung der Kastanien wollen Baum und Fritz nicht zustimmen.

Sorgen machen sie sich auch um die Zeiselberg-Linden. Der Bauverkehr laufe mit schwerem Gerät über den Wurzel- raum der majestätischen Bäume. „Der Bodendruck führt zu Verdichtungen im Wurzelraum, die Wurzeln erhalten nicht mehr genügend Sauerstoff.“ Es müsse mit kränkelnden Linden und einem erhöhten Pflegeaufwand gerechnet werden.

Stadt versichert, die Bäume auf jeden Fall erhalten zu wollen

Karl-Eugen Ebertshäuser von der Ge- schäftsstelle der Remstal Gartenschau GmbH erklärte im Gespräch mit der Rems-Zeitung, dass die Standfestigkeit der Kastanien problematisch sei, man die Bäume aber auf jeden Fall erhalten wolle. Der Gutachter habe eine starke Einkür- zung der Bäume empfohlen. Derzeit wer- de zudem geprüft, wie die Bäume mit Hil- fe von Stahlseilen verspannt werden könnten. Ob die Bäume im Zuge der Ge- ländearbeiten beschädigt worden sind, will Ebertshäuser nicht bestätigen, da auch jener Kastanienbaum beschädigt sei, der sich außerhalb der Bauarbeiten befindet. Desweiteren seien die Kasta- nien im August regelmäßig von der Mini- motte befallen. Die Linden sieht Eberts- häuser nicht in Gefahr. In deren Bereich sei Schotter aufgefüllt worden, damit kein Druck auf die Wurzeln entstehe.

Rems Zeitung, 24.03.2018