Weil die reine Schule nicht mehr reicht

08. November 2017  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Schule ist längst mehr als bloßer Unterricht und Aufgabe des Landes. Die Stadt Gmünd bietet zusätzlich viele Angebote für Kinder und Jugendliche an. Warum dies nötig ist, zeigte Sema Toykan vom kommunalen Bildungsbüro am Mittwochabend im Verwaltungsausschuss auf – anhand von Beispielen und gegliedert in Themenfelder:

Sprache ist wichtig, wenn es um Teilhabe und Bildung geht, erklärte Sema Toykan, warum Schüler aus anderen Ländern in Vorbereitungsklassen Deutsch lernen können. Zudem biete die Stadt Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfen für Schüler mit Sprachschwierigkeiten an. Neben einigen weiteren Angeboten gibt es muttersprachlichen Ergänzungsunterricht. In Griechisch und Türkisch bestimmt die Botschaft des Herkunftslandes dessen Inhalte. Für weitere Sprachen gebe es Arbeitsgruppen. Denn „viele Kinder leiden an der doppelten Halbsprachigkeit“, sagte Toykan. Wer in der Muttersprache nur ein brüchiges Sprachfundament habe, tue sich schwer, eine weitere Sprache zu lernen.

Bewegung, Sport, Gesundheit sei ein weiterer Bereich, in dem die Stadt viele Zusatzangebote leiste. Etwa indem sie Sportlehrer für Projekte in der Kletterhalle ausbildet. Weil sich Schüler beim Klettern und Sichern vertrauen müssen, fördere dies auch die Sozialkompetenz. „Ist Schwimmen nicht viel wichtiger?“, wollte FWF-Stadträtin Karin Rauscher wissen. Jeder Schüler müsse in der Schule schwimmen lernen, antwortete Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung und Sport. Doch es gebe erste Klassen „mit nahezu 100 Prozent Schwimmunfähigkeit“. Es sei nicht möglich, allen Kindern Schwimmen von Grund auf im Schulunterricht beizubringen. Deshalb biete die Stadt mit dem Schwimmverein Kurse an.

Bürgerliste-Stadträtin Susanne Lutz betonte, wie wichtig auch das Thema Ernährung sei, da es heute Kinder gebe, „die mit der Fünf-Minuten-Terrine zur Schule kommen“. Der Suppenstern bei Wetzgau, in dem Kinder Gemüse pflanzen, pflegen, ernten und zubereiten können, sei hierfür ein tolles Angebot.

Kulturelle Bildung zählte Sema Toykan als weiteres Feld für außerschulische Angebote auf. Sie nannte die Jugendkunstschule, die die Stadt seit 2017 mit 20 000 Euro jährlich bezuschusst. Oder auch das Programm Kulturagenten, das in Zusammenarbeit mit Lehrern und Künstlern an Schulen laufe. Unterstützt wird dieses vom Land.

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT) und digitale Bildung sei ein weiterer Schwerpunkt. Hier leiste die Wissenswerkstatt Eule einen großen Beitrag, sagte Sema Toykan. Für die Medienbildung seien viele Schulen mit Tablets ausgestattet. Doch nun fehle Personal, das sich darum kümmere, ergänzte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse.

Vertreter aller Fraktion lobten das „super Angebot“, wie es Sebastian Fritz (Linke) formulierte. CDU-Fraktionssprecher Alfred Baumhauer fragte, wie viel Personal die Stadt dafür einsetze. Schwer zu sagen, meinte Arnholdt, allein in der Schulbetreuung arbeiteten beinahe 100 Mitarbeiter. SPD-Sprecherin Sigrid Heusel wünschte sich Zahlen, wie die Angebote angenommen werden. Bläse versprach, diese nachzuliefern. Es würden sicher jedem weitere sinnvolle Angebote einfallen, sagte Grünen-Sprecher Gabriel Baum. Doch dann müsste man woanders etwas streichen – und das sei schwierig. Die Stadt müsse die Angebote ständig anpassen, sagte Bläse und kündigte an: „Kommendes Jahr werden wir über Schulsozialarbeit für Gymnasien diskutieren.“

© Gmünder Tagespost 08.11.2017 20:24