Warum ein Null-Euro-Busticket richtig teuer werden könnte

In Schwäbisch Gmünd sowie im gesamten Ostalbkreis wird es in absehbarer Zeit keinen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) geben. Darin sind sich alle Verantwortlichen einig – der Landkreis, die Stadt Schwäbisch Gmünd und die hiesigen Busunternehmen. Auch ein Gratis-Angebot an Samstagen wie es die Stadt Reutlingen ab Januar 2019 anbieten wird, ist nicht vorgesehen.

Vom Grundsatz her wäre ein Null-Euro-Ticket zwar „eine tolle Geschichte“, sagt Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann, aber „wir können uns das nicht leisten“. Im Gegensatz zu Reutlingen verfüge die Stadt Gmünd derzeit nicht über die nötigen finanziellen Mittel, um den Bürgern ein solches Angebot machen zu können.

Personal und Sprit kosten Geld

Ohne zusätzliche Gelder aus öffentlicher Hand wäre für die hiesigen Busunternehmen ein Null-Euro-Ticket nämlich nicht umsetzbar. „Für null Euro können wir einfach niemanden befördern“, erklärt Reiner Maria Scheiger, Vorstandsmitglied im Busunternehmen OK.go. Schließlich müssten unter anderem das Personal, der Sprit und die Instandhaltung der Busse „irgendwie bezahlt werden“.

Bislang haben die Busunternehmer ihre Kostensteigerungen stets gegenüber dem Landkreis geltend gemacht. Dieser ist für die Regelungen, die Organisation und die Finanzierung des ÖPNV im Ostalbkreis zuständig. Da allerdings auch das Landratsamt die Einführung eines Null-Euro-Tickets mit steigenden Kosten aufgrund zusätzlicher Ausgleichszahlungen verbindet, sei es derzeit nicht vorstellbar, den ÖPNV „massiv zu verbilligen“, teilt Susanne Dietterle, Pressesprecherin im Landratsamt, auf GT-Nachfrage mit. Die Einführung eines Null-Euro-Tickets hätte möglicherweise zusätzliche Kosten in Millionenhöhe für den Landkreis zur Folge.

Der ÖPNV sollte so gestaltet werden, dass es sexy ist, ihn zu nutzen.

Reiner Maria Scheiger,
Geschäftsführer ok.go

„Grundsätzlich stehen wir allem positiv gegenüber, was den ÖPNV stärkt“, sagt Scheiger von OK.go. Das kostenlose Busfahren zähle seiner Meinung nach aus Kostengründen nicht dazu. Vorteile in einem kostenlosen ÖPNV sieht auch Dirk Massanetz von Stadtbus Schwäbisch Gmünd nicht. Bereits Anfang diesen Jahres machte er deutlich, dass sich dadurch kaum die Zahl der Fahrgäste erhöhen werde. Ein solches Angebot locke „den überzeugten Autofahrer nicht“. Deshalb würden auch kostenlose Tickets nicht zu spürbar weniger Verkehr in der Stadt führen.

ÖPNV attraktiver gestalten

Statt eines Null-Euro-Tickets sollte der ÖPNV daher „so gestaltet werden, dass es sexy ist, ihn zu nutzen“, sagt Scheiger. Ihm schweben zum Beispiel eine bessere Taktung, ein Sozialticket oder weitere Preissenkungen wie das Ein-Euro-Ticket in Schwäbisch Gmünd vor. „Wir müssen einfach Angebote schaffen, damit die Leute ihre Autos zuhause stehen lassen“, sagt das OK.go-Vorstandsmitglied.

Ein ähnliches Ziel verfolgt die Gmünder Stadtverwaltung: Zum einen ist sie auf der Suche nach Lösungen, um die Verkehrssituation und gleichzeitig die Umweltbelastung zu verbessern. Zum andern müsse „Busfahren für sozial Schwächere bezahlbar sein“, betont Herrmann. Daher wäre die Stadtspitze „schon zufrieden, wenn die Ticketpreise den Familien entgegenkommen, die nicht so viel Geld haben“. Daher werde sich die Gmünder Stadtverwaltung im Kreistag weiterhin für ÖPNV-Vergünstigungen wie dem von der Linke-Fraktion beantragten Sozialticket stark machen. Wie ein solches jedoch finanziert werden könnte, sei aktuell noch nicht geklärt, sagt Herrmann. „Da wird es auch keine einfache Antwort geben.“ Fakt sei, so der Stadtsprecher weiter, dass für die Stadt Gmünd alleine ein Sozialticket oder ein Null-Euro-Ticket „nicht zu stemmen“ wäre. So etwas ginge nur in Kooperation mit dem Landkreis.

© Gmünder Tagespost 13.12.2018 21:46