Warum bauen nicht alle so klimafreundlich wie Weleda?

Unternehmensvertreter stellen Stadträten ihre Pläne für ein Logistikzentrum auf dem Gügling vor und ernten ausschließlich Lob.

Ich bin begeistert.“ Den Satz hören Vertreter der Weleda AG mehrfach, als sie am Mittwoch im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats ihr auf dem Gügling geplantes Logistikzentrum vorstellen.

Das Industriegelände: Die Weleda AG hat den Bauantrag für ein Zentrum für Vertrieb, Versand und Logistik im Industriegebiet Gügling Nord IV gestellt. Dafür will das Unternehmen 72 000 Quadratmeter Fläche kaufen und davon 14 000 Quadratmeter bebauen, inklusive der Wege und Parkplätze, erklärt Professor Matthias Schuler, Geschäftsführer der Transsolar Energietechnik GmbH. Das wären rund 20 Prozent der Gesamtfläche. Die Gebäude seien in erweiterbaren Modulen aufgebaut, sagt Daniela Trah von der Weleda AG. Die weitere Bebauung würde sieben bis acht Prozent der Gesamtfläche ausmachen. Um die 80 Prozent dürften bebaut werden, wie Baubürgermeister Julius Mihm informiert. Doch so bleibt viel Platz für Wiesen und Bäume.

Die Gebäude und ihr Energiekonzept: Das Hochregallager bekommt acht Meter hohe Lehmwände, die aus gepresstem Knollenmergel bestehen, der in der Gegend im Boden zu finden ist. Das Material nehme Feuchtigkeit auf und gebe diese ab, erläutert Daniela Trah. Dadurch könne sich Weleda dort eine Klimaanlage sparen. Über dem Lehm wird eine 20 Meter hohe Holzwand gebaut. https://be80f60da3ffd36c8240240b87127e85.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Das Funktionsgebäude bekomme eine mechanische Lüftung, erklärt Alexandra von Bartschikowski von der Transsolar Energietechnik GmbH. Die Wärmeversorgung will Weleda über Geothermie lösen. Alle drei Gebäude sollen auf dem Dach und zum Teil an der Fassade mit Fotovoltaik-Modulen bestückt werden, genau wie die Dächer der Carports. Matthias Schuler kann sich vorstellen, eine Power-to-Gas-Anlage einzubauen, die den überschüssigen Strom in Gas umwandelt, das ins Gasnetz eingespeist wird.

Mit diesem Konzept kann das Unternehmen allerdings nicht die Vorgabe der Stadt einhalten, nach der Dächer zu begrünen sind, und beantragt eine Ausnahmeregelung. Ansonsten müssten auf der Wiese Solarmodule aufgestellt werden. Doch die Wiese sei letztlich wertvoller als die Dachbegrünung, betont Matthias Schuler.

Das Lob der Stadträte:Vertreter aller Fraktionen signalisieren grünes Licht für eine solche Ausnahme, wenn das Bauvorhaben im Gemeinderat zur Abstimmung steht. Denn für das Gesamtkonzept haben sie ausschließlich Lob übrig:

CDU-Stadtrat Thomas Kaiser nennt das Energiekonzept „hervorragend“. Wie er sehe, werde das Gelände so modelliert, dass die Schallwellen nicht nach außen zu umliegenden Ortschaften drängen, meint er hinsichtlich des Lärmpegels.

Grüne-Stadtrat Karl Miller nennt das Gesamtkonzept „gelungen“. Er sei „begeistert“ und lobt unter anderem den Einsatz von Lehm. „Sie setzen einen klimafreundlichen Meilenstein“, wendet sich SPD-Stadtrat Tim-Luka Schwab an die Vertreter von Weleda und Transsolar. Weleda zeige, „es ist möglich“, sagt Linke-Stadtrat Professor Dr. Andreas Benk und will wissen, warum nicht alle so bauen. Wohl wegen des Mythos, nach dem eine solche Bauweise teurer sei, antwortet Matthias Schuler. Das gelte vielleicht auf sechs Jahre gedacht, aber nicht auf 30 bis 50 Jahre. In einer so langen Zeitspanne amortisiere sich vieles, ergänzt Karl-Heinz Türk, Infrastruktur-Bereichsleiter bei Weleda. Andreas Benk fragt auch nach der zu erwartenden Verkehrsbelastung durch das Logistikzentrum. Vorgesehen seien zehn bis 20 Lastwagen zwischen 7 und 18 Uhr, nachts gebe es dort keine Fahrten, sagt Daniela Trah.

FWF-Stadträtin Dr. Constance Schwarzkopf-Streit nennt die Pläne „ökologisch hervorragend“. „Diese innovative Bebauung überzeugt von Anfang bis Ende“, meint Bürgerliste-Sprecher Ullrich Dombrowski. Das Vorhaben sei ein „Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft weit über Gmünd hinaus“, sagt FDP/FW-Stadtrat Dr. Peter Vatheuer.

Die Ortsvorsteher Karl-Andreas Tickert aus Bettringen und Josef Heissenberger aus Hussenhofen schließen sich dem Lob an.

Copyright Gmünder Tagespost, 20.05.2021