Viel Zustimmung und viele Wünsche für die Fehrle-Gärten

Insgesamt unterstützen die Stadtratsfraktionen am Mittwoch das, was die Landes-Bau-Genossenschaft (LBG) auf dem rund 1,5 Hektar großen Areal der früheren Gärtnerei Fehrle in der Weststadt bauen möchte: eine Anlage mit mehrern Häusern mit insgesamt 164 Mietwohnungen, einem Kindergarten und einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Innenhof sowie einer Tiefgarage. In einigen Punkten allerdings forderten die Stadträte Nachbesserungen und unterstützen die Einwände, die viele Anlieger eingereicht haben.

Kritik an Anliegern

Baubürgermeister Julius Mihm dagegen kritisierte die Position dieser Anlieger: Sie wünschten sich eine Bebauung wie in den 50er- oder 60er-Jahren. Dabei sei der Bedarf heutzutage völlig anders und viel größer, auch von Bewohnern der Weststadt. Dafür habe die LBG ein sehr gutes Konzept vorgelegt. Sie sei auch ein Investor, der dauerhaft in diesem Quartier bleiben wolle. Und sie sei den Anliegern bereits sehr weit entgegengekommen: bei Höhe und Dichte der Bebauung, bei der Verkehrsführung, bei der Zahl der Stellplätze. Diese Ansicht vertrat auch Oberbürgermeister Richard Arnold.

Eventuell Arztpraxis

Nicolas Polich vom Esslinger Planungsbüro Project GmbH stellte die neuen Pläne vor. Die Tiefgarage habe nun nur noch eine Ein- und Ausfahrt zur Goethestraße hin; mehr ebenerdige Stellplätze für Besucher seien vorgesehen, unter anderem in einem Weg an der Ostseite des Areals; teilweise seien die Gebäude um ein ganzes Geschoss reduziert worden; lediglich das Kita-Gebäude sei höher als ursprünglich geplant, weil dort eventuell noch eine Arztpraxis eingerichtet wird; die Dichte der Bebauung sei wesentlich geringer als auf dem Brücke-Areal oder dem Römerkastell in unmittelbarer Nähe.

CDU-Stadtrat Christof Preiß stellte für seine Fraktion klar, dass es keinen Suchverkehr nach den ebenerdigen Stellplätzen geben dürfe. Die Grundflächenzahl, die den Anteil der Bebauung auf dem Gesamtareal angibt, solle etwas gesenkt werden. Für Fahrräder seien überdachte Stellplätze wichtig. Radabstellplätze seien im Untergeschoss vorgesehen, sagte die technische LBG-Vorständin Antje Burach, was nach ihrer Erfahrung von den Bewohnern auch geschätzt werde.

Schwerzerallee Fahrradstraße?

Karl Miller (Grüne) zeigte Verständnis für die Einwände der Nachbarn. Andererseits wolle seine Fraktion neuen Wohnraum eher im Innenbereich als auf der grünen Wiese. Die Gebäude könnten seiner Kenntnis nach energetisch besser ausgeführt werden. Zusätzliche Rad-Stellplätze ebenerdig würde er begrüßen, zumal angedacht sei, die Schwerzerallee als Fahrradstraße auszuweisen. Und seine Fraktion wünsche sich auf den Dächern sowohl Photovoltaik als auch Begrünung. Beim Ausmaß der Photovoltaik hakte auch Stadtrat Johannes Zengerle von der SPD nach. Die LBG wolle sowohl Photovoltaik als auch Begrünung auf den Dächern, sagte Antje Burach dazu. Der Bebauungsplan entspreche in vielen Punkten den Forderungen der Linke-Fraktion, meinte Andreas Benk. Gut seien auch die von der LBG beabsichtigten Konzepte für E-Fahrräder und Carsharing.

Insgesamt ein guter Plan, meinte auch FWF-Stadträtin Constance Schwarzkopf-Streit. Ihren Wunsch, dass die Hausmeister-Betreuung der Anlage dauerhaft beibehalten wird, bejahte LBG-Vorständin Antje Durach.

„Nicht mehr erträglich“

„Gelungenes Konzept“, lobte auch BL-Fraktionssprecher Ullrich Dombrowski. Angesichts des weiter zunehmenden Verkehrs sei jedoch zu überlegen, die Tiefgaragen-Zu- und Abfahrt doch in die Schwerzerallee zu verlegen und an der Goethestraße statt Gärten Wintergärten als zusätzlichen Schallschutz anzulegen.

Grundsätzliche Kritik kam von Peter Vatheuer (FDP/FW): Da sei eine hochwertige Bebauung geplant, doch 164 Wohneinheiten seien einfach zu viel. Zusammen mit den Wohnungsbauten auf dem Brücke-Areal und am Römerkastell sei das „für die Weststadt nicht mehr erträglich.“

© Gmünder Tagespost 09.12.2020 21:41