Verwirrende Vielfalt an Hilfen

Wenn jeder Schüler den für ihn passenden Übergang in den Beruf findet, so definierte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse am Mittwoch im Verwaltungsausschuss den Erfolg des Bildungssystems. In Gmünd funktioniere dies dank vielfältiger Orientierungshilfen ziemlich gut, könne aber noch verbessert werden.

Schwäbisch Gmünd. Der Bedarf an Berufsorientierung wird auch in Gymnasien wachsen, prophezeite Bläse. Die Stadt gibt jährlich 120 000 bis 150 000 Euro dafür aus, hinzu kommen Fördergelder von Europa-, Bundes- oder Landesebene. Bläse würde sich aber wünschen, dass diese Mittel kontinuierlich fließen und an einer Stelle zusammenkommen, die dann zentral die Orientierungsmaßnahmen nach Bedarf organisiert.

Christof Scherberg, Leiter des Berufsausbildungswerks Schwäbisch Gmünd, gab den Stadträten einen Überblick über die vielfältigen Angebote der Berufsorientierung: Berufseinstiegsbegleiter, Projekt Zukunft, Azubi in spe, Chefsache Ausbildung und wie sie alle heißen. Es habe sich gezeigt, dass außerschulische Experten die Wirksamkeit der Berufsorientierung in den Schulen spürbar verbessern. Viele der Maßnahmen würden aber von Jahr zu Jahr verlängert, oft wechselten die Geldgeber. Das bedeute eine große Unsicherheit für die Anbieter der Orientierungsmaßnahmen. Auch Scherberger sprach sich als „Vision“ für eine zentrale Stelle aus, an deren Finanzierung sich die Wirtschaft beteiligen könnte.

Diesen Wunsch unterstützten die Stadträte. Eine bessere Verbindlichkeit der Maßnahmen wäre gut, meinte CDU-Stadträtin Christa Rösch. Daniela Maschka-Dengler (SPD) beklagte die verwirrende Vielfalt der Maßnahmen. Aber auch die Berufsbilder würden sich ständig ändern. Grünen-Stadtrat Karl-Andreas Tickert gab zu bedenken, dass auch für die Kinder, die den Anforderungen der Berufswelt nicht gewachsen sind, eine Lösung gefunden werden müsse. „Wir brauchen auch einfache Arbeitsplätze“, meinte ebenso Konrad Widmann (FW/FDP). Karin Rauscher (FWF) forderte: „Keiner darf durchs Raster fallen.“ Sebastian Fritz (Linke) unterstützte die Idee einer Zentralstelle.

Als Handwerker unterstrich Albert Scherrenbacher (CDU), dass die Eignung der Bewerber große Sorgen bereite. Wenn die nicht gewährleistet sei, könnten aufwändige Ausbildungseinrichtungen am Berufsschulzentrum in ihrer Existenz gefährdet sein. Bürgermeister Bläse bestätigte, dass das Handwerk ein wichtiger Ausbildungsträger ist. Allerdings riet er auch, die Abschlüsse, die das Handwerk von seinen künftigen Azubis erwarte, zu überdenken. Dann wäre es manchmal einfacher, geeignete Bewerber zu bekommen. wof

© Gmünder Tagespost 16.01.2013