Verkehrskonzept sorgt für große Uneinigkeit

SCHWÄBISCH GMÜND (nb). Am 24. Oktober muss der Gmünder Gemeinderat eine Entscheidung darüber fassen, ob für das Verkehrskonzept „Ums Stöckle“ ein Förderantrag
beim Regierungspräsidium eingereicht wird oder nicht. Über Details, wie genau das Verkehrskonzept aussehen wird, kann dann in den kommenden Monaten gesprochen werden. Doch wird es überhaupt soweit kommen? Nach Beratung in den einzelnen Fraktionen äußerten sich einige Stadträte bei der Gemeinderatssitzung gestern Abend skeptisch und kündigten an, der Einreichung des Förderantrags nicht zuzustimmen, sollte sich am Konzept nichts ändern. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse gab zunächst einen Überblick über den aktuellen Sachverhalt und erklärte, dass sich der Gemeinderat beim Thema „GlockeKreisel“ (die RZ berichtete am Mittwoch) noch festlegen muss.
„Wir sind natürlich dafür, ihn so wie in der Vorlage umzubauen“, äußerte sich Stadtrat Thomas Kaiser (CDU) zum geplanten Turbo-Kreisel. Einen zusätzlichen Radweg hält er in diesem Bereich nicht für notwendig und verwies auf den zur Verfügung stehenden Weg in der Gemeindehausstraße und die Unterführung, für die man viel Geld ausgegeben habe.
Kaiser bat: „Das Konzept durchziehen, wie vom Büro Kölz vorgeschlagen mit wenigen
Punkten, die man bei der Entwurfsplanung nächstes Jahr noch ein bringen kann.“ Ganz anders äußerte sich Konrad Sorg (SPD): „Je mehr wir uns mit der Thematik beschäftigen, desto mehr wachsen Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“ Für Radfahrer und Fußgänger werde sich die Situation verschlechtern und den Glocke-Kreisel in einen
Turbokreisel umzubauen werde heftig ins Geld gehen. Und löse, so Sorg, auch die Probleme nicht, „einen Rückstau wird es trotzdem geben“. Die Unterführung beschrieb er als „nicht mehr zeitgemäß“. „Wir werden die Fahrzeuge nicht schneller aus der Stadt
kriegen, wenn wir sie zweimal um den Kreis schicken“ Stadtrat Ullrich Dombrowski
Karl Miller (Grüne) kündigte an, der Einreichung auf einen Förderantrag zustimmen zu wollen, bat die Verwaltung zugleich aber um ein Signal, dass im Bereich des Radverkehrs noch nachgebessert wird. Miller bat, nicht einzelne Stellen noch komplizierter zu machen für den Radverkehr, sondern ein schlüssiges Radverkehrskonzept für die Innenstadt auf
den Weg zu bringen. Bürgermeister Bläse erinnerte sichtlich verärgert an das Radwegekonzept, das man umgesetzt habe und sagte aber auch: „Ich kann nicht alles
aus Radfahrersicht betrachten. Derzeit sind viele Autofahrer unterwegs.“ Er versuche,
einen Mittelweg hinzukriegen. Ullrich Dombrowski (Bürgerliste) sprach von ganz erheblichen Schwachstellen der Konzeption und meinte: „Wir werden die Fahrzeuge nicht schneller aus der Stadt kriegen, wenn wir sie zweimal um den Kreis schicken.“ Auch bat er das Gremium, an jene Menschen zu denken, die dort leben. Der Sebaldplatz werde für die Anwohner an Lebensqualität verlieren. Dombrowski bat um eine Emmissionsmessung
in diesem Bereich und kündigte an: „Wir stimmen mehrheitlich nicht zu.“
Dr. Constance Schwarzkopf-Streit (FWF) nannte als eine Schwachstelle die Gefahr eines Rückstaus im Bereich der Unteren Zeiselbergstraße/Paradiesstraße, sagte aber die Unterstützung ihrer Partei bei der Abstimmung in zwei Wochen zu; „es geht nur um den Förderantrag“. Sebastian Fritz (Linke) erinnerte daran, dass seine Partei eine Zustimmung
zum Konzept an eine Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer geknüpft habe; „man muss endlich Möglichkeiten schaffen, dass die Bürger Alternativen bekommen“. Man dürfe nicht weiter den Fehler machen, die Verkehrsinfrastruktur einseitig zu machen. „Wir möchten, dass sich der Gemeinderat mit dem Konzept des Agendakreises Mobilität und Verkehrs beschäftigt.“ Er kündigte an, nicht zuzustimmen und bat um ein Radwegekonzept für Alltagsradler. Einen ganz anderen Vorschlag brachte Heidi Preibisch (Bürgerliste), die oft zu Fuß in der Stadt unterwegs ist, ein: „Wir sollten lernen, mit 30 durch die Stadt zu fahren.“ So, ist sich die Stadträtin sicher, könne dem Stau, der sich an den Ampeln bildet, entgegengewirkt werden. Sie selbst leistet bereits jetzt einen Beitrag
dazu. „Ich laufe nicht mehr über Ampeln“, erklärte sie gestern und forderte, Fußgängerüberwege so zu gestalten, dass Fußgänger problemlos die Straße queren können – ohne Ampel. Städte mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h hätten weniger
Stau und bessere Luft, so Preibisch. Der Förderantrag sei nur ein Bruchteil dessen, was an Arbeit bevorstehe, so Tiefbauamtsleiter Jupp Jünger.
Während des Prozesses seien noch Änderungen möglich, sagte auch Oberbürgermeister
Richard Arnold. Das Konzept sei jetzt präsentabel. „Schicken Sie uns nach Stuttgart oder nicht?“, machte er klar, worum es beim Beschluss, der in zwei Wochen ansteht, geht. „Wenn Sie uns nicht nach Stuttgart schicken, dann heißt das bis nach 2021: Das war es mit der Förderung.“ Werde dem Förderantrag zugestimmt, dann sei anschließend immer
noch Zeit, „den Beitrag des Stöckle zum Weltklima zu ermessen“.

Copyright Rems Zeitung, 11.10.18