Umweltverbund stärken

27. Januar 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Der Ortsverband der Linken freute sich über einen gut besuchten Themenabend in der Neuen Welt. Christoph Ozasek referierte über die dringend erforderliche Mobilitätswende und stellte Möglichkeiten vor, diese zu erreichen.

Christoph Ozasek, langjähriger Stadt- und Regionalrat aus Stuttgart und Aufsichtsratsmitglied der Stuttgarter Straßenbahnen AG, machte gleich zu Beginn seines Vortrags deutlich, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist. Anhand von Statistiken zeigte er auf, dass uns das Wasser bereits bis zum Hals steht und dringendes Handeln erforderlich ist. In seiner Heimatstadt Stuttgart sagen wissenschaftliche Studien voraus, dass bereits Mitte des Jahrhunderts ein Klima wie in Süditalien herrschen werde. Daher sei es unverantwortlich, dass Klimaleugner wie Trump in den USA und die AfD in Deutschland diese Tatsachen weiterhin leugnen und damit auch aktiv den Klimaschutz behindern.

Ozasek ging im weiteren Verlauf darauf ein, dass insbesondere im Bereich des Verkehrssektors dringender Handlungsbedarf bestehe. Allein in Baden Württemberg betrage der Anteil des Verkehrssektors an CO2-Emissionen 28 Prozent und damit wird deutlich, dass die CO2-Emissionen im Verkehrssektor weiter ansteigen. Die Abhängigkeit vom Automobil ist ungebrochen und steigt im ländlichen Raum weiter an. Die Folge davon sind milliardenschwere Investitionen in den Straßenaus- und Neubau. Dieses Geld fehle dann für die dringend erforderlichen Investitionen in z.B. den Öffentlichen Personennahverkehr.

„Das Auto ist hochgradig ineffizient“, so Christoph Ozasek.

Im Schnitt werden im Auto 1,1 Personen befördert, was bedeutet, dass 1,6 Tonnen PKW 90 Kilogramm Mensch befördern. Daher ergebe sich beim Transportfahrzeug PKW ein Wirkungsgrad von 6 Prozent, was ein sehr schlechter Wert im Vergleich zum öffentlichen Personennahverkehr oder anderen alternativen Verkehrsmitteln sei.
Aus Sicht von Ozasek sei es daher unerlässlich, dass alternative Strukturen geschaffen werden müssten, um ein Umsteigen zu ermöglichen. Außerdem müsse in der künftigen Städteplanung ebenfalls darauf Rücksicht genommen werden. So sei aus seiner Sicht darauf zu achten, dass bereits in den Bebauungsplänen ein grundsätzliches Umdenken erfolge. Es gelte, die immer weiter wachsende räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten aufzuheben und stattdessen die Digitalisierung und die Bereitschaft von vielen Bürgerinnen und Bürger, nicht täglich pendeln zu wollen zu nutzen. Kleinräumige Siedlungsstrukturen, Arbeiten von zu Hause aus bieten die Chance, Verkehr zu vermeiden.
Ferner plädierte er dafür, öffentliche Mittel zu Gunsten des Umweltverbunds umzuverteilen, um diesem zukünftig den Vorrang zu geben. Dafür gebe es in vielen europäischen Städten bereits gelungene Beispiele. So sei der Anteil von PKW`s in Kopenhagen auf 9 Prozent gesunken und der von Fahrrädern auf 62 Prozent gestiegen. Aber auch in Deutschland machten sich immer mehr Städte auf, den Umweltverbund aus ÖPNV, Fahrrad, Car Sharing, Bike Sharing und Förderung von Fußwegen aufeinander abzustimmen und auszubauen. Dafür müssten dann aber auch vor Ort die notwendigen Vorraussetzungen wie ein durchgängiges Radwegenetz, aufeinander abgestimmte Fahrpläne, Leihstationen für Fahrräder und Autos und so weiter geschaffen werden. Für Ozasek steht fest: Nur so kann es gelingen, die Herausforderungen des Klimawandels zu stemmen.
Der Fraktionsvorsitzende Sebastian Fritz dankte dem Referenten für seinen engagierten Vortrag und stellte fest, dass wir in Schwäbisch Gmünd am Anfang der Diskussion stünden und noch eine Menge an Arbeit vor uns liegen. Aktuell diskutiere man das Radwegenetz durch die Stadt und er erhoffe sich eine Bereitschaft bei der Verwaltung und im Gemeinderat, dieses Radwegenetz von einem Fachplaner, auf Basis aktueller Erkenntnisse, planen zu lassen. Darüber hinaus gehe es aber auch in einem Gesamtkonzept darum, Anreize für den Umstieg für diejenigen zu bieten, welchen es möglich ist, auf das Verkehrsmittel Rad umzusteigen. Es ist statistisch erfasst worden, dass im innerstädtischen Bereich, die durchschnittliche Wegstrecke 5 Kilometer beträgt. Hier gebe es mit einer sinnvollen, durchgängigen Radinfrastruktur die Möglichkeit, dass sich wie in anderen Städten auch, die Menschen auf das meist zeitsparendere, umweltfreundlichere, gesunde und günstigere Verkehrsmittel umsteigen.