Ulla Jelpke (Die Linke) zu Gast bei den Asylbewerbern

Bild 1Mitten im Wahlkampf kam Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke, die mit ihrer Kritik an Gmünder „Kolonialherrlichkeit“ bundesweit Nachrichtenthema war, in die Gemeinschaftsunterkunft auf dem Hardt. Bestimmendes Thema gestern war freilich ein Konzept zur Ausbildung und Weiterbildung der Asylbewerber.
SCHWÄBISCH GMÜND (bt/​bf).
Mit dabei waren Bernd Sattler, Sprecher des AK Asyl der Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit, der Jelpes Kritik verletzend, unsachlich und unrealistisch nennt, und Hans-​Michael Betz, Leiter des Geschäftsbereich Integration und Versorgung im Ostalbkreis. Die „Kofferträger“, die am Bahnhof für 1,05 Euro gearbeitet hatten, sehr gern sogar – bis eben diese Kritik solche Wellen schlug, dass sich die Bahn von dem Projekt distanzierte –, waren bei diesem Besuch nicht zugegen. Statt dessen gab es mit einer Bewohnergruppe um Charles Enoruwa Gespräche über die Situation auf dem Hardt und die aktuelle und die zukünftige, noch sehr problematische Flüchtlingsunterbringung. Zunächst erklärte Jelpke, die in Begleitung des Kandidaten der Linken Jörg Drechsel gekommen war, bei der Besichtigung des ersten Stockes, sie sei angetan; auch würdigte sie, dass der Ostalbkreis als einer der ersten Geld statt der verhassten Sachleistungen ausgibt. Vor allem aber machte sie sich für einen Mindestlohn von zehn Euro stark: Der Einsatz am Bahnhof sei grundsätzlich zu verurteilen – dabei bleibt sie. Charles Enoruwa ist Asylbewerber aus Nigeria; er hatte mit einigen anderen im Herbst letzten Jahres auf dem Rathausplatz campiert, um Forderungen öffentlich zu machen, die den Flüchtlingen wichtig sind: Nach wie vor, meint er, seien ihre Fragen zu Arbeitsgenehmigung und Aufhebung der Residenzpflicht etc. unbeantwortet.
Bestimmendes Thema waren dann Ideen Cynthia Schneiders, Vorsitzende des Ortsverbands der Linken, sowie der beiden Stadträte Peter Yay-​Müller und Sebastian Fritz zu den drängendsten Problemen der Flüchtlinge. Es sei gut, dass das Thema endlich diskutiert werde. „Jetzt gilt es, den Blick nach vorne zu richten“, erklärte Sebastian Fritz. Er sieht Möglichkeiten, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF im Programm „Xenos — Leben und Arbeiten in Vielfalt“ den Flüchtlingen der Stadt – wenn möglich aufbauend auf bereits absolvierten Berufsausbildungen und Dank mehrerer Sprach– und Qualifizierungsmodule – Aus– und Weiterbildungen zu ermöglichen. Diese sollen möglichst noch vor der erhofften Gesetzesänderung von der IHK anerkannt werden, aber auch in den Herkunftsländern Perspektive schenken. Mögliche Partner-​Institution ist die a.l.s.o.; bereits am heutigen Donnerstag gibt es ein entsprechendes Gespräch.

Rems Zeitung, 08.08.2013