Überstunden fehlen in der Rechnung

team.cynthia.schneiderSchwäbisch Gmünd. Für das Stauferfestival sind nicht nur 125000 Euro mehr Kosten angefallen als kalkuliert, sondern auch 3459 Überstunden der Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Diese fehlen bei der Endabrechnung als Kostenpunkt. Das kritisiert SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel, als die Stadtverwaltung den Gemeinderat nach einer Bilanz zum Stauferfestival bittet, die 125000 Euro Mehrkosten abzusegnen.Zudem sei die reguläre Arbeitszeit nicht erfasst, die Stadtmitarbeiter fürs Festival aufgewandt haben. Auf dieser Basis könne die SPD dem nicht zustimmen, erklärt Heusel und ist damit nicht allein: Auch Ullrich Dombrowski verweigert für die Bürgerliste die Zustimmung: „Wir haben den Eindruck, es ist nicht der Gesamtaufwand der Kosten aufgezeigt worden.“ Zumal seine Fraktion infrage stelle, ob Alexander Groll, der als Wirtschaftsbeauftragter der Stadt ein wichtiges Amt habe, für eine solch große Aufgabe wie die Festivalleitung abgezogen werden sollte. „Ohne eine klare Kalkulation können wir dem Beschlussantrag nicht folgen“, sagt auch Stadträtin Cynthia Schneider von den Linken. Sie unterstreicht die Forderung, die Verwaltung möge als Grundlade für einen Beschluss eine Auflistung aller Kosten vorlegen. „Die Frage der Überstunden kann vertieft werden“, sagt Oberbürgermeister Richard Arnold zu und vertagt die Abstimmung über die Mehrkosten. Am 23. November werde das Thema in den Verwaltungsausschuss kommen, am 30.November erneut in den Gemeinderat.

Dieser Entscheidung gingen die Bilanz des Festivalleiters und eine lange Diskussion voraus: Alexander Groll und die Stadträte aller Fraktionen zollten den über 2500 Ehrenamtlichen und den beteiligten Blaulichtorganisation großen Respekt für ihre Leistung. Karin Rauscher von den Freie Wähler Frauen sagte, 125 000 Euro Mehrkosten seien „kein Klacks bei unserer Haushaltssituation“. CDU-Stadtrat Dr. Dieter Maas nannte es „keine Kleinigkeit“. Doch die Wirkung des Festivals sei von größerer Bedeutung als nur die Aufrechnung der einzelnen Euro, meinte Maas. „Wenn beim Fasching jeder Euro verrechnet würde, könnten wir den Umzug abblasen“, sagte CDU-Stadtrat Albert Scherrenbacher von der AG Gmender Fasnet. „Dann sitzen wir nur noch hinter dem Ofen rum und lassen alles, wie es ist, dann stirbt die Stadt.“ Doch gerade, weil ihnen das Stauferfestival viel bedeute, sei es wichtig, auch die Schwachstellen zu bennen, betonte SPD-Stadträtin Daniela Maschka-Dengler auch als Darstellerin der Staufersaga. So könne man fürs nächste Mal daraus lernen.

Auch der Festivalleiter selbst hatte einiges kritisch angemerkt: „Die Schwörspiele passen nicht zum Mittelalter.“ Zudem seien Schiedsrichter-Entscheidungen bei den Schwörspielen „unglücklich“ gewesen. Dass der Staufermarkt weit auseinander gezogen war, lag daran, dass die Organisatoren mit mehr Besuchern gerechnet hatten. Ausgehend vom Stauferjubiläum 2012. Doch das sei „ein Denkfehler“ gewesen, sagte Groll.

Grünen-Stadtrat Alexander Schenk mahnte an, der Gemeinderat müsse sich grundsätzlich fragen, welche Events die Stadt in welcher Größe und in welchem Abstand selbst organisieren könne. Denn diese kosteten das Geld der Steuerzahler. Unterm Strich gelte es nicht nur, die 125 000 Euro Mehrkosten zu betrachten, sondern die 325 000 Euro Kosten insgesamt. Denn 200 000 Euro hatte der Gemeinderat schon vor dem Festival genehmigt.

© Gmünder Tagespost 26.10.2016 20:15