Tunnel heißt nicht „Bud Spencer“

28. Juli 2011  Presse, Redaktion

Gemeinderat bevorzugt regionalen Namen / Schießtal-Freibad wird nach dem Filmstar benannt

Der Gmünder Tunnel wird nicht Bud-Spencer-Tunnel heißen, sondern einen Namen mit regionalem Bezug bekommen. Dafür wird das Freibad im Schießtal nach dem früheren Wettkampfschwimmer und bekannten Filmstar benannt. Diese Entscheidung traf die Mehrheit des Gemeinderats am Mittwoch in einer Sitzung im Stadtgarten, die von mehreren Fernsehteams, Pressevertretern und mehreren hundert Zuschauern verfolgt wurde.

Schwäbisch Gmünd. Exakt 114 542 Menschen haben für den Namen Bud-Spencer-Tunnel gestimmt, nachdem eine Gruppe in der Internetplattform Facebook dazu aufgerufen hatte. Damit, freute sich Oberbürgermeister Richard Arnold, war Schwäbisch Gmünd in 40 Ländern in den Medien präsent, hatte eine Popularität historischer Dimension. Bei aller Freude über diese breite Beteiligung und Popularität solle der Gemeinderat trotzdem „die Kirche wieder ins Dorf zurückholen“: Die Stadtverwaltung legte den Beschlussantrag vor, dass der Tunnel einen regionalen Namen bekommen soll, über den nach der Sommerpause entschieden wird. Nach Bud Spencer, mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli, solle das Schießtal-Freibad benannt werden, in dem der Italiener 1951 seine Erfolge feierte.

Auch die Sprecher der Fraktionen nahmen die Vielzahl der Stimmen für einen Bud-Spencer-Tunnel ernst. Aber das Internet-Voting sei keine faire demokratische Abstimmung gewesen, meinte Christian Baron (CDU). „Da haben viele abgestimmt, denen Gmünd völlig egal ist.“ Der Gemeinderat habe aber die Pflicht, die Gmünder Belange zu vertreten. Die Mehrheit der CDU-Fraktion stimmte deshalb für die Vorschläge der Verwaltung – auch für das Bud-Spencer-Bad.

In der SPD war die Meinung auch geteilt, doch die Mehrheit unterstützte ebenfalls die Verwaltungsvorschläge. Zwar habe die Internet-Aktion für den Bud-Spencer-Tunnel Kultstatus gewonnen, sagte Fraktionssprecher Max Fuchs, Gegner würden als „Spaß-Bremser“ abqualifiziert. Doch die Meinung der Gmünder gehe in diesem Flashmob unter.

Eigendynamik entwickelt

Facebook und Twitter eröffneten neue Formen der Bürgerdemokratie, bewertete Grünen-Sprecherin Brigitte Abele den Vorgang. Sie würde sich wünschen, dass die Facebook-Nutzer, die für den Tunnelnamen gestimmt haben, sich nun ebenso dafür einsetzen, dass in den Tunnelkamin ein Abgasfilter eingebaut wird. Die Grünen unterstützten die Verwaltungslinie ebenfalls.

Auch die Mehrheit der FW/FDP stimmte für den Vorschlag der Verwaltung. Der Tunnel habe vor allem für Gmünd und die Region eine Bedeutung, deshalb solle er auch einen regionalen Namen bekommen, argumentierte Fraktionsvorsitzender Ullrich Dombrowski. Zudem würde die Benennung nach Bud Spencer der historischen Bedeutung des Tunnels nicht gerecht.

Der Vorschlag Bud Spencer sei sicher als Gag gedacht gewesen und habe eine ungeheure Eigendynamik gewonnen, stellte FWF-Sprecherin Karin Rauscher fest. Das sei ein Lehrstück für den Umgang mit dem Internet. Doch auch ihre Fraktion meinte, dass Bud Spencer zwar der geeignete Namenspatron fürs Freibad, nicht aber für den Tunnel wäre.

Die Linken lehnten den Verwaltungsvorschlag ab. Die Stadt vergebe damit die Chance, als Bürgerkommune zu punkten, sagte Sebastian Fritz. Viel Applaus bekam er für seine Meinung, dass der Tunnel im Volksmund sicher Bud-Spencer-Tunnel heißen werde.

Unmittelbar nach der Abstimmung traf die Nachricht ein, dass Bud Spencer die Entscheidung des Gemeinderats begrüße. Der Star hatte die Diskussion im Internet verfolgt und ließ in einer von seinem Verlag verbreiteten Presseinformation mitteilen: „Es wäre mir sogar lieber, wenn das Schwimmbad nach mir benannt wird als der Tunnel.“ Zu dem Freibad habe er einen Bezug, „aber der Tunnel wäre übertrieben.“

Wesentlich kritischer fiel die Reaktion in der Facebook-Gruppe, die für den Namen Bud Spencer geworben hatte, aus: „Bodenlose Frechheit – wir zahlen den Tunnel“, meinte ein Mitglied, ein anderes: „Hätten wir ein Bud-Spencer-Freibad gewollt, hätten wir das schon gesagt.“ Von einem „schwachen Kompromiss“ ist in den ersten Reaktionen die Rede, aber auch diese Meinung taucht auf: „Freibad statt Tunnel kann man akzeptieren.“

Stimmen zur Entscheidung

Oliver Hein (41) aus Schwäbisch Gmünd:

„Ich finde, dass dieser Beschluss ein salomonisches Urteil ist. Wenn es wirklich so kommt, dass das Freibad nach Bud Spencer benannt wird, können, so glaube ich, alle mit diesem Kompromiss leben. Ich persönlich glaube nicht, dass der Name ‘Bud-Spencer-Tunnel’ unter den Gmündern beliebt gewesen wäre.“

Sebastian Hudelmaier (27) aus Mögglingen:

„Es ist schade, dass der Gemeinderat die Chancen, die mit dem ‘Bud-Spencer-Tunnel’ einher gegangen wären, für die Stadt nicht erkannt hat. Der Gemeinderat hätte die Chance gehabt, ein Zeichen zu setzen. Insofern denke ich, dass die Entscheidung eine schlechte Alternativlösung ist.“

Erich Münnich (63) aus Schwäbisch Gmünd:

„Ich bin froh, dass der Name ‘Bud-Spencer-Tunnel’ nicht kommt. Mit der Entscheidung, dass das Freibad nach ihm benannt werden soll, kann ich gut leben. Die Abstimmung im Internet hat nicht das Meinungsbild der Gmünder gezeigt, sondern von Menschen von überall. Ich persönlich bevorzuge den Namen ‘Einhorntunnel’.“

Eleonore Mangold (55) aus Ruppertshofen:

„Ich finde es schade, dass der Gemeinderat diese enorme Resonanz nicht beachtet und die Befürworter nun mit einem ‘Bud-Spencer-Freibad’ abspeist. Die Argumente in der Sitzung gegen den Namen fand ich nicht ausreichend.“ jas

Die Chronologie der Namenssuche

4. Juni:Ab heute können bei der Stadtverwaltung Vorschläge für den Tunnelnamen gemacht werden.

6. Juni: Der Namensvorschlag „Bud-Spencer“ wird auf der Homepage der Stadtverwaltung eingereicht.

6. Juli: Die Frist für Namensvorschläge endet. Die Stadtverwaltung meldet rund 40 „ernsthafte“ Vorschläge.

13. Juli: Die Liste der Vorschläge wird im Gemeinderat vorgestellt, gestrichen wurden pornografische oder „offenkundig absurde“ Vorschläge. 99 Mal wurde Salvator genannt. Die Zeit der Abstimmung beginnt.

20. Juli: Die GT berichtet, dass sich auf der Internet-Plattform Facebook eine Gruppe gegründet hat mit dem Ziel, den B-29-Tunnel nach Bud Spencer zu benennen. Schon über 35 000 Stimmen wurden dafür abgegeben.

22. Juli: Der Schauspieler Carlo Pedersoli äußert, er fühle sich geehrt, dass sein Künstlername Bud Spencer als Vorschlag für den Tunnel im Gespräch ist. Sollte es Realität werden, werde er zur Einweihung kommen.

25. Juli: Rund 400 Menschen demonstrieren vor dem Bahnhof für den Namen „Bud-Spencer-Tunnel“.

27. Juli: Der Gemeinderat entscheidet, dem Tunnel einen regionalen Namen zu geben. Stattdessen wird das Freibad nach Bud Spencer benannt.

Aus der Krise gestolpert

114 542 Stimmen für den Bud-Spencer-Tunnel haben Gemeinderat und Verwaltung in eine schwierige Situation gebracht. Dennoch: Die Bürgermeinung mehr als bisher einzuholen und das Internet als Instrument dafür zu nutzen, wird sicher ein Weg der Zukunft. Die Verantwortlichen im Rathaus haben aber auch einige der Stolpersteine auf diesem Weg erkannt. Immerhin hat die Verwaltung mit dem nun vom Gemeinderat akzeptierten Vorschlag einen guten Kompromiss gefunden: Der Name Bud Spencer gehört, wenn schon, zum Gmünder Schießtal-Freibad – was übrigens bereits am Samstag die GT in ihrem Kommentar vorgeschlagen hatte. Der Tunnel bekommt einen Namen, der ihn mit Gmünd und der Region verbindet. Damit ist die „Bud-Spencer-Krise“ gut aufgefangen.

Aber auch die vielen vor allem jungen Menschen, die diesen Weg der Online-Beteiligung an Kommunalpolitik freudig nutzten, müssen dazulernen – dass nämlich Politik das manchmal zähe Finden von Kompromissen ist und ein Mausklick noch lange nicht nicht reicht, um die eigene Meinung durchzusetzen. Das scheinen einige von ihnen sehr erstaunt zur Kenntnis zu nehmen. Wolfgang Fischer