Themenabend der Linken stellt die Familien– und Bildungspolitik der Landesregierung auf den Prüfstand

12. Dezember 2012  Gemeinderat, Ortsvorstand, Presse, Redaktion

Unter dem Motto „Klasse Kitas für unsere Kinder“ veranstaltete der Ortsverband der Linken Schwäbisch Gmünd einen weiteren Themenabend.

SCHWÄBISCH GMÜND. Der Rektor einer Grund– und Werkrealschule aus Steinheim an der Murr, Erhard Korn, führte in das Thema ein und zitierte eine erst jüngst erschienene Studie des deutschen Jugendinstituts, wonach es Deutschland noch immer nicht schafft, die sozialen Unterschiede von der Kita bis zur Schule zu beheben. Diese Erkenntnis sei nicht neu, getan hat sich aber bis heute noch nicht viel. Die Landesregierung sei im Moment sogar drauf und dran, bestehende Verbesserungen wieder zurückzunehmen, um den Rechtsanspruch auf einen Kita-​Platz auch nur ansatzweise erfüllen zu können.

So wurde jüngst beschlossen, die Zeiten für Sprachförderung in den Kitas drastisch zu kürzen. Aber auch andere dringend benötigte Verbesserungen stehen auf dem Prüfstand und bedrohen damit eine Verbesserung der Qualität in den Kitas. „Die Landesregierung täte gut daran, den Orientierungsplan umzusetzen und ihre Versprechungen in Bezug auf eine Verbesserung in den Kitas umzusetzen“, so Erhard Korn. Es dürfe nicht der Fall, wie in manchen Städten schon angedacht, eintreten, dass sich die Gruppengröße in den Kitas am Mangel von Plätzen orientiert. „Wenn die Standards, wie vom SPD–Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Herrn Schmiedel angedacht, weiter heruntergesetzt werden, dann verschärfen sich die sozialen Unterschiede noch drastischer“, so Korn weiter.

Korn stellte zudem die Forderungen der GEW vor in Bezug auf qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Die Linke stehe voll hinter den Bediensteten und werde auch weiterhin darauf drängen, dass sich neben der Qualität in den Kitas auch Verbesserungen für die Bediensteten einstellen. „Die Bedeutung der Einrichtungen und deren Bildungsarbeit hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Wer mehr leistet, soll dann aber dafür auch besser entlohnt werden. Dies ist mitnichten der Fall“, so Korn.

In der anschließenden Diskussion wurde die Schwäbisch Gmünder Situation betrachtet. Dabei konnten die beiden Linken-​Stadträte Sebastian Fritz und Peter Müller davon berichten, dass hier viel getan werde, auch wenn das Geld knapp sei.

Besonders bedauerlich sei, dass sich in Schwäbisch Gmünd die Inanspruchnahme eines Kita-​Platzes noch immer nach dem Geldbeutel der Eltern richte. „Die unterschiedlichen Einkommen der Eltern werden in Schwäbisch Gmünd überhaupt nicht berücksichtigt und so gibt es viele Eltern, die sich keinen entsprechenden Platz leisten können, den sie möglicherweise so dringend für die Aufnahme einer Arbeitsstelle bräuchten“, so der Stadtrat Peter Müller. Diese soziale Ungerechtigkeit sei beschämend und müsse dringend angegangen werden, so die Anwesenden. Es sei auch nicht so, dass dies in Schwäbisch Gmünd ein Tabu wäre. So wurde von den beiden Stadträten berichtet, dass es diese Staffelung zurecht bereits in der Musikschule, sowie in der Hortbetreuung in den Grundschulen gebe. Allerdings wurde die Sorge geäußert, dass dies in Schwäbisch Gmünd aufgrund der großen Anzahl an nichtstädtischen Trägern scheitere. „Die Stadtverwaltung ist dringend aufgefordert dieses Thema anzugehen. Wenn nötig, muss auch über darüber nachgedacht werden, die Kitas in städtischer Trägerschaft zu führen, immerhin beträgt schon heute der Zuschuss an die freien Träger fast 100 Prozent“, so Stadtrat Sebastian Fritz.

Besonders deutlich wurden zwei anwesende SPD–Mitglieder: „Eine nach Einkommen gestaffelte Gebührenordnung kann nur ein Übergang sein. Herr Schmiedel hat noch 2010 in der Opposition gebührenfreie Kitas gefordert und jetzt will er nichts mehr davon wissen.“