Strom kommt jetzt vom Himmel

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Stadtrat Sebastian Fritz in der Bildmitte hinter Landrat Pavel

Am vergangenen Samstag war die offizielle Eröffnung des Gmünder Solarparks. Auch der Stadtrat Sebastian Fritz war vor Ort: „Die Größe des Parks ist beeindruckend! Aber ich habe mich über die SPD-Stadträte gewundert, die anwesend waren und mit ihrem kürzlich statt gefundenen Vorstoß als Stadt Schwäbisch Gmünd nicht mehr den Gmünder Naturstrom zu 50%, sondern aus Gründen des Sparens wieder 100% Atomstrom zu beziehen das genau Gegenteil dessen, was am Samstag so groß gefeiert wurde, bewirkt haben! Die Energiewende wird nicht nur über Prestigeobjekte gelingen, sondern benötigt auch viele „kleine Schritte“!“

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„Das ist bislang unsere größte Investition im Bereich der erneuerbaren Energien“, informierte der Geschäftsführer der Gmünder Stadtwerke, Rainer Steffens, am Samstag über den Solarpark. Magnetische Wirkung schien die Mutlanger Heide beim Tag der offenen Tür zu haben, große Besucherscharen nutzten die Führungen entlang der Module, um Infos über die Technik der Energiegewinnung aus erster Hand zu erhalten.

ANJA JANTSCHIK

Auf großes Interesse stießen die Führungen durch den Solarpark auf dem Gmünder Teil der Mutlanger Heide , die beim Tag der offenen Tür am Samstag durch Stadtwerkechef Rainer Steffens und Projektleiterin Ana Zait angeboten wurden. Mehr Fotos im Internet unter www.tagespost.de. (Fotos: jan)

Die eineinhalbjährige Lina durfte Oberbürgermeister Richard Arnolds und Landrat Klaus Pavels Schlüssel benutzen, um die Solaranlage symbolisch zu starten.

Schwäbisch Gmünd. Auf dem „geschichtsträchtigsten Flurstück der Stadt“, wie es Steffens beschrieb, wimmelte es am Samstagnachmittag vor Menschen. Bereits beim Festakt zur Eröffnung des Solarparks gab’s im Festzelt nur noch Stehplätze. Wo einst die Friedensbewegung gegen die Stationierung der US-Pershingraketen antrat und so den Namen „Mutlanger Heide“ weltweit bekannt machte, präsentieren sich jetzt 23 630 Solarmodule, die den zweitgrößten Solarpark im Land darstellen.

An die Zeit des Kalten Krieges erinnerte auch Oberbürgermeister Richard Arnold in seiner Ansprache und begrüßte die Gäste zu dieser „kleinen, historischen Stunde“. Er informierte über den Gmünder Zehn-Punkte-Plan und kündigte an, dass durch die Erstellung eines Solardach-Katasters und durch die Inbetriebnahme des Solarparks nun die ersten Punkte abgearbeitet seien. „Und die gesamte Wertschöpfung bleibt im Ostalbkreis“, betonte der OB zufrieden. Die Weichen für ein „gutes und gedeihliches Miteinander“ zwischen der Stadt Gmünd und der Gemeinde Mutlangen seien gestellt. Zumal Mutlangen die Besitzerin der anderen Hälfte der Heide ist. „Landesweit hat die Mutlanger Heide Symbolcharakter“ verwies Landrat Klaus Pavel auf die Demonstrationen gegen die Pershings, die mit Atomsprengköpfen versehen waren. „Und heute wird für die Abkehr von Atomkraft demonstriert“, sah er den Solarpark als „sinnvolle Energieerzeugung in der Zukunft“ an. Tschernobyl, aber vor allem das Horrorszenario im Atommeiler im japanischen Fukushima hätten ein Umdenken erzeugt. Doch wollte Pavel auch nicht die „Kehrseite der Energiewende verhehlen“. Es gebe bislang 23 Biomasseanlagen im Ostalbkreis, deren Betrieb einen monotonen Anbau, etwa von Mais, zur Folge habe. Und gab es vor Jahren nur fünf Vorranggebiete für Windkraft im Kreis, seien jetzt 15 Vorranggebiete in der Prüfung. Dadurch verändere sich das Landschaftsbild „erheblich“ und man habe zwischenzeitlich Themen wie Infraschall oder auch Natur- und Artenschutz. „Aber was ist die Alternative“, fragte der Landrat angesichts der Bedenken, die die Energiewende mit sich bringt. Er appellierte an alle, sich für die Energiewende einzusetzen und gratulierte der Stadt Schwäbisch Gmünd und den Stadtwerken zur Neun-Millionen-Euro-Investition, dem Solarpark: „Das war eine wegweisende Entscheidung.“ Dieser Park sorge für Stromgewinnung für 1800 Vier-Personen-Haushalte. „Das ist ein enormer Beitrag zur Energiewende.“ Diesen Ball griff Stadtwerke-Chef Rainer Steffens auf und machte deutlich: „Wir können noch mehr, wir sind auf der Suche nach Windkraft-Standorten.“

Nachdem Ingenieur Amir Roughani von der Firma Vispiron anhand eines Films den Bau des Solarparks veranschaulicht hatte, gab es Führungen durch die Anlage, die viele interessierte Besucher mitmachten.

© Gmünder Tagespost 12.05.2013