Streit um VGW-Chefsessel eskaliert

Sebastian FritzDie Diskussion um den Chefsessel der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft VGW gewinnt an Schärfe. CDU-Stadtrat Klaus Böhnlein rät dem VGW-Aufsichtsrat, nicht den CDU-Stadtrat und Herliköfer Ortsvorsteher Celestino Piazza zu wählen. Dieser sei das „größere Übel“.

Schwäbisch Gmünd. Der 16-köpfige VGW-Aufsichtsrat wählt den neuen VGW-Chef in der ersten Märzhälfte. Die Wahl ist notwendig, weil der bisherige Geschäftsführer Wolfgang Frei den Job „auf eigenen Wunsch“ aufgegeben hat.So der Wortlaut einer Presseerklärung im Oktober. Freis Ausscheiden hatte unter VGW-Aufsichtsräten Irritationen ausgelöst. Denn Mitte Oktober hatte Aufsichtsratschef, OB Richard Arnold, den Aufsichtsräten einen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Teile des Aufsichtsrates waren davon überrascht – und verärgert.
Die Position wurde ausgeschrieben. 28 Interessenten bewarben sich. Unter ihnen CDU-Stadt- und VGW-Aufsichtsrat Piazza. Gegen ihn fährt nun der wohl am 24. Februar aus dem Gemeinderat ausscheidende CDU-Mann Klaus Böhnlein schwere Geschütze auf: Er rät den Aufsichtsräten in einem Brief, Piazza nicht zu wählen. Denn „einige Gmünder Handwerker und auch Baustoffhändler, die mit Herrn Piazza Geschäfte abgewickelt haben, sind nicht gut auf diesen zu sprechen, so ich auch“. Und weiter: „Ungerechtfertigte und unbegründete Abzüge an Rechnungen haben zu ernsten Verstimmungen geführt.“ Piazza sei „also Gelder schuldig“ geblieben, „und dies nicht nur einmal“. Übertrage man dieses „Gehabe nun auf den Geschäftsführer der VGW, ist der gute Ruf bald nicht mehr gegeben“, schreibt Böhnlein. Er fordert die Aufsichtsräte auf, gut abzuwägen, „wen Sie zum künftigen VGW-Geschäftsführer wählen“. Sie wählten „mit Celestino Piazza das größere Übel!“
„Ich müsste mir Gedanken machen, ob ich Herrn Böhnlein wegen Rufschädigung verklage“, sagte dazu Piazza. Er habe eine „weiße Weste“. Er prüfe als Architekt für Bauherren, seine Auftraggeber, Rechnungen. Und er habe noch nie einen Handwerker über die Klinge springen lassen. Piazza bestätigte, dass es Abzüge gegeben habe, „selbstverständlich“ seien diese begründet worden. „Selbstverständlich“ halte er an seiner Bewerbung fest, sagte Piazza. Denn er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Solche „Schmierereien“ brächten ihn „nicht aus dem Gleichgewicht“.
Piazza hatte vergangene Woche in der GT seine Bewerbung als VGW-Chef bestätigt. Er hatte damit auf Gerüchte reagiert, nach denen es zwischen ihm und OB Arnold Absprachen gegeben haben soll: dass Arnold Piazza den VGW-Chefposten in Aussicht gestellt habe, weil Piazza das Hausprojekt „Gamundia“ für sozialen Wohnungsbau entwickelt hat. Piazza dementierte dies als „Rufschädigung“. „Nein, ganz klar nein“, sagte dazu auch OB Arnold an diesem Donnerstag. Denn nicht er allein, sondern 16 Aufsichtsräte würden über den VGW-Job entscheiden. Arnold war „erschrocken über die Vehemenz“ der Diskussion und sprach von einem „Rosenkrieg“.
Ein weiteres Gerücht, das einen Vorwurf gegen Piazza beinhaltet, ist, dass Piazza das „Gamundia“-Haus nicht selbst entworfen haben soll. „Meine Idee, meine Skizze, meine Grundlage“, widersprach Piazza. Diese habe er an Thomas Riede von der VGW gegeben. Riede habe diese, weil Zeitdruck geherrscht habe, „zum Verfeinern“ an den Architekten Uli Seitler gegeben. Seitler hat „parallel“ im Auftrag der VGW „Varianten entwickelt und zu Papier gebracht“, sagte dazu Riede. Er sei von der VGW Mitte Oktober beauftragt worden, Flüchtlingsunterkünfte zu planen, sagte Seitler. Dazu habe er von der VGW von Baubürgermeister Julius Mihm gezeichnete Skizzen erhalten. Von Piazzas Skizzen habe er nichts gewusst. Und Piazza habe von seinem Auftrag durch die VGW nichts gewusst. „Er mag die Idee auch gehabt haben, doch ich hatte eine ähnliche Idee“, sagte Seitler, dass er „nicht Piazzas Idee gezeichnet“ habe.

Stadträte kritisieren Böhnleins Vorgehen

Schwäbisch Gmünd. Piazza ist Stadtrat, Ortsvorsteher in Herlikofen und Aufsichtsrat in der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft VGW. Nun hat er sich für den VGW-Chefsessel beworben. Wie sehen Ratskollegen dies? „Sein bisheriger Einsatz für die Stadt hat gezeigt, dass er die Qualifikation dafür hätte“, sagt Alfred Baumhauer (CDU). Dass Piazza im Gemeinderat sitze, darüber könne man sich das Maul zerreißen, ein Ausschlusskriterium für eine Bewerbung sei dies jedoch nicht, sagt Daniela Maschka-Dengler (SPD). „Jeder darf sich bewerben“, sagt auch Brigitte Abele (B 90 /Grüne). Letztlich entscheide der Aufsichtsrat. „Jeder kann sich bewerben, das ist ein ganz normaler Vorgang“, sagt Ullrich Dombrowski (Bürgerliste). Ob Piazza Erfolg habe, bleibe abzuwarten, denn es gebe auch andere qualifizierte Bewerber. „Jeder kann sich bewerben“, sagt Sebastian Fritz (Die Linke), hält dies aber für eine „schwierige Thematik“.
Unterschiedlich jedoch die Stellungnahmen der Ratskollegen zu Klaus Böhnlein, für den voraussichtlich Sergio Rota Ende Februar in der CDU-Ratsfraktion nachrücken wird: „Abrechnungsfragen sollen auf sachlicher Ebene allein unter den Beteiligten ausgetragen werden“, kritisiert Baumhauer, dass Böhnlein dies an die Öffentlichkeit getragen hat. „Ich hätte das nicht über die Presse gemacht“, sagt auch Maschka-Dengler. Wenn Böhnleins Vorwürfe Piazza gegenüber stimmen würden, müssten sie aufgeklärt werden. „Das ist rufschädigend und hat nichts in der Politik verloren“, sagt Abele. Für „außerordentlich problematisch“ hält auch Dombrowski Böhnleins Vorgehen. „Er beschädigt Piazza“, sagt Dombrowski. Die Bewertung Piazzas durch Böhnlein als „größeres Übel“ mache ihn fassungslos, kritisiert Dombrowski Böhnleins „Brechstangenstil“. Dr. Constanze Schwarzkopf-Streit (FWF) hingegen findet Böhnleins Vorgehen „mutig“. Sie wünscht sich „deutlich mehr Transparenz“ in Sachen VGW, hätte sich diese schon im Oktober bei Wolfgang Freis Ausscheiden gewünscht. Mehr Öffentlichkeit für den VGW-Aufsichtsrat wünscht sich auch Fritz. Klären müsse man beim „Gamundia“-Haus, „wer wann welche Pläne erstellt hat“.

© Gmünder Tagespost 11.02.2016 20:54:29