Streit über Texte zu Straßennamen

Sebastian FritzDie Kurztexte, die Franz-Konrad-Straße, Richard-Bullinger-Straße, Hindenburgplatz und Petersweg erläutern, wird das Stadtarchiv überarbeiten. Dies ist das Ergebnis einer kontroversen Debatte der Stadträte am Mittwoch. Zudem werden Stadt und Stadträte gemeinsam Standorte für die Stelen mit den Erläuterungen auswählen.

Schwäbisch Gmünd. Der Gemeinderat hatte im Juli 2015 beschlossen, nach belasteten Personen benannte Straßen nicht umzubenennen, sondern die Namen auf Tafeln zu erläutern. Die Verwaltung präsentierte den Räten die Erläuterungen im Ausschuss. Die GT hat am Mittwoch die Kurzfassung der Texte veröffentlicht, die auf Erinnerungsstelen zu lesen sind. Hans-Jürgen Westhauser (SPD) war mit den Texten nicht zufrieden. Er erinnerte an das Ziel der Erläuterung: „Mut beweisen“, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Diesen Mut vermisse er. Er appellierte, „nicht zu versuchen, die gewünschte Auseinandersetzung durch eine äußerst fragwürdige und einseitige Textdarstellung möglichst schnell durch den Gemeinderat zu bringen“. Westhauser machte dies fest an Franz Konrad. Bei dem OB von 1934 bis 1945 vermisste er, dass Konrad „erklärter Antidemokrat“ war, „Militarist“, „SA-Obersturmbandführer“ und dass während seiner Amtszeit die „jüdische Gemeinde von Gmünd ausgelöscht wurde“. Westhauser forderte eine „intensive Auseinandersetzung mit den Texten im Gemeinderat“.
Ganz anders Christian Baron (CDU): Die Texte seien ausgewogen, wissenschaftlich, differenziert und sachlich, sagte er. Sie regten zum Nachdenken an. Für Baron das eigentliche Ziel der Texte. „Wir wollen keine Promotion auf Stelen“, sagte er und machte der Stadt ein „Kompliment“ für die Entwürfe. Bei Konrad wollen die Grünen einen Hinweis auf Zwangsarbeit. Ansonsten „könnten wir uns mit den Texten zufrieden geben“, sagte Brigitte Abele (B 90 / Grüne). Unter keinem OB sei so viel aus der NS-Zeit aufgearbeitet worden, zollte Abele Richard Arnold „großes Lob“.
Werner Nussbaum (Bürgerliste) sind die Texte auf den Stelen „eher noch zu lang“. Dem jetzigen Gemeinderat stehe es nicht zu, die Entscheidung des Gemeinderates von 1963 für eine Franz-Konrad-Straße in Frage zu stellen, sagte Nussbaum. Er reagierte damit, wie zuvor schon Baron, auf Westhauser, der gesagt hatte, dass die „einstimmige Entscheidung des Gemeinderates von 1963“ für die Franz-Konrad-Straße „schwer nachvollziehbar“ sei. Eine „breite Zustimmung“ zu den Texten will Karin Rauscher (FWF). Sie regte eine „erneute Runde zu den Texten“ an. Dass am Josefsbach eine Treppe an die Gräuel der Nazis erinnere und Gmünd gleichzeitig durch Straßennamen Personen ehre, die an diesen Gräueln beteiligt waren, kritisierte Sebastian Fritz (Die Linke). Er war für eine Umbenennung der Straßen.
Die Stelen, sagte Arnold, seien Mittel zum Zweck, die Auseinandersetzung mit dem Thema. Sie seien Teil der Gmünder Erinnerungskultur. Dazu gehörten der 27. Januar, der an die Befreiung von Auschwitz erinnert, der 3. Oktober als Tag der Einheit, die Erinnerung der NS-Opfer bei der Gedenktafel am Prediger, die Erläuterung des Kriegerdenkmals am Marktplatz, die Treppe am Josefsbach, die Stolpersteine, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern. „Erinnerungskultur ist ein Prozess, ist niemals fertig“, sagte Arnold. Stadtarchivarin Dr. Barbara Hammes, die für eine durch QR-Codes und Smartphones abrufbare Langfassung der Texte verantwortlich zeichnet, werde nun die Kurzfassungen für die Stelen prüfen, Anregungen der Stadträte einarbeiten und die Texte den Stadträten dann erneut vorlegen.