Stellungnahme Schulentwicklungsplanung Schwäbisch Gmünd

05. Dezember 2012  Gemeinderat, Sebastian Fritz

Die Bildungslandschaft befindet sich im Wandel und es ist an der Zeit auch in Schwäbisch Gmünd nicht länger nur zuzuschauen und abzuwarten sondern endlich aktiv in den Prozess der Schulentwicklung einzugreifen. 2010 hat die Verwaltung diesen Prozess durch eine erste Datenerhebung angestoßen, doch leider ist seither nicht sehr viel geschehen. Schulschließungen waren die Folge – begonnen hat es mit Lindach, dann Bargau und nun die Stauferschu-le. Bedingt durch den Wegfall der Grundschulempfehlung sind die Anmelde-zahlen an der Uhlandschule und an der Mozartschule teils drastisch eingebrochen.

Meine Damen und Herren, wir können nicht länger tatenlos zusehen, wir müs-sen endlich handeln!

Der Verweis auf die bildungspolitischen Entscheidungen des Landes ist si-cherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, aber wir würden uns schon wün-schen, dass im Sinne einer kommunalen Bildungslandschaft auch jetzt schon alles unternommen wird was möglich ist. Andere Städte sind da ein erhebli-ches Stück weiter als wir.

Die früheren Hautschulen und jetzige Werkrealschulen haben bewiesen, dass Bildung nicht stillstehen darf, dass ausgerechnet dieser Schultyp nun der Ver-lierer sein wird, ist sehr bedauerlich. Die Werkrealschulen haben mit der Ein-führung der Schulsozialarbeit, der Konzeptionserstellung für Ganztagesschu-len, den vielen Kooperationen und den vielen weiteren Angeboten an den Schulen Orte der Innovationen gebildet. Diese Erfahrung darf nicht einfach aufgegeben werden und daher plädieren wir für mehr Gemeinschaftsschulen in Schwäbisch Gmünd.

Was passiert wenn wir dieses nicht machen?

Wir bekommen große Werkrealschulstandorte – die das Image einer „Rest-schule“ erhalten. Dies ist kontraproduktiv, da die Konzentration von Risiko-gruppen eine zentrale Ursache für Lernrückstände und Bildungsbenachteili-gung darstellt. Diese Einschätzung ist keine Neuheit – sie wird schon seit lan-gem von Experten vertreten.

Besonders ärgerlich ist die Rolle der Landesregierung in diesem Zusammen-hang. In Zeiten der Opposition forderten beide Regierungsparteien noch ein-mütig eine Gemeinschaftsschule unter Einbeziehung aller drei Schularten. Leider wurde auch daraus wieder nur eine hohle Phrase. Wir sind ganz ent-schieden dafür keine Ausnahmen in der Zusammenfassung der drei Schular-ten zu machen. Dies hat auch nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern mit Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit.

Lassen Sie mich aus der Vorlage zur ersten Vorstellung des Gmünder Bil-dungsberichtes zitieren:

Siehe Vorlage.

Dies hat sich seit die neue Landesregierung an der Regierung ist nicht geän-dert, warum dann die Abkehr von der eingliedrigen Gemeinschaftsschule? Der Philologenverband hat kürzlich bei seiner Tagung in Schwäbisch Gmünd die Sorge geäußert, dass durch den Wegfall der Grundschulempfehlung Schüle-rinnen und Schüler an das Gymnasium gelangen, die es nicht packen werden und dann frustriert durchgereicht werden. Genau das ist doch das Hauptargu-ment für eine durchgängige Gemeinschaftsschule – nämlich nicht zu selektie-ren – allerdings auch mit einer entsprechenden Lehrerversorgung um die he-terogene Schülerschaft auch angemessen fördern zu können und nicht wie aktuell angedacht massive Stellenstreichungen vorzunehmen.

Besonders häufig ist in der Vorlage von Kooperation und Bildungszentren die Rede. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmals an unseren Antrag auf Prü-fung nach der Durchführung eines Bildungs- und Familienzentrums erinnern. Wir werden diese Anliegen selbstverständlich unterstützen, da wir ganz ent-schieden davon überzeugt sind, dass dies eine sinnvolle und wünschenswerte Ergänzung unserer Bildungslandschaft darstellt.

Zu den Kooperationen möchte ich noch eines sagen: Bildung ist heute nicht mehr der Primar- und Sekundarbereich, sondern da sind wir uns alle einig auch der Vorschulbereich. Dieser Wandel muss sich aber endlich auch in ei-ner stärkeren Wertschätzung des Berufes der Erzieherin/ des Erziehers nie-derschlagen! Ein Beispiel – die Grundschullehrerin erhält für ihre Kooperation mit der Kita eine Deputatsstunde während die Erzieherin dies neben den vie-len weiteren Dingen nebenher machen soll! Von der unterschiedlichen Entloh-nung will ich noch gar nicht sprechen. Da muss endlich auch mal eine Diskus-sion darüber geführt werden.

Zum Thema G9 möchte ich nur sagen – wir wollen es auch!

Beim Thema des Ausbaus der Ganztagesschulen bleibt mir auch nur der Fin-gerzeig nach Stuttgart – wenn es hier nicht zu Zusagen in der zusätzlichen Lehrerversorgung kommt, dann wird sich dieses Modell nicht bewähren. Die anfängliche Skepsis gegenüber der starken Beteiligung der Vereine und deren Leistbarkeit ist mittlerweile in Begeisterung über das Geleistete umgeschla-gen. Aber dennoch halten wir diese Forderung auch weiterhin für aktuell, denn der Ausbau der Ganztagesschulen ist noch nicht beendet und es gibt auch schon die ersten Vereine die diese Arbeit aufgrund des manchmal auch nicht ganz einfachen Klientels aufgeben.

Das Schulen brauchen dafür Lehrerstunden!

Am Schluss hätte ich noch eine Frage:

Im ersten Bildungsbericht von 2010 wurde das Ziel beschrieben, die Bil-dungswege von Sonderschülern nachzuzeichnen und den Verbleib von Schü-lern zu ermitteln. Außerdem sollten die Aufgaben der Gmünder Sonderschulen beschrieben werden. Könnten Sie mir da den Stand der Umsetzung erläutern?

Vielen Dank.