Stellungnahme des Fraktionsvorsitzenden zu Bosch

05. Dezember 2019  Gemeinderat, Redaktion, Sebastian Fritz
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren,
liebe Bosch Beschäftigte!
zunächst einmal möchte ich mich bei den Beschäftigten von Bosch für die äußerst freundliche Begrüßung hier draußen bedanken! Mit diesem Dank ist aber zugleich unsere Sorge über die Entwicklung beim größten Arbeitgeber in Schwäbisch Gmünd und der Region verbunden. Die Beschäftigten von Bosch haben zu Recht die große Befürchtung, dass nach dem bereits erfolgten Arbeitsplatzabbau auch sie von dem von der Geschäftsführung geforderten weiteren Abbau von 1000 Arbeitsplätzen betroffen sein könnten. Sie, Herr Grosch, sprechen davon, dass die weltweite Produktion eingebrochen sei. Das ist aus unserer Sicht nur die halbe Wahrheit. Wir alle wissen, dass es insbesondere durch die massiven Schummeleien bei den Abgaswerten zu erheblichen Einbrüchen bei der Nachfrage nach Neuwagen gekommen ist! Die Kunden sind extrem verunsichert und wissen nicht mehr, auf welche Technologie sie noch setzen können. Alternativen sind für den Massenabsatz noch nicht reif bzw. befinden noch im Anfangsstadium. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sowohl die Konzerne als auch die Bundespolitik zu lange auf ein „weiter so“ für die Verbrennungstechnologie gesetzt haben. Dafür kann kein Beschäftigter etwas, das ist ganz klares Management- und Politikversagen. Nur stellen wir fest, dass die Schuldigen mal wieder bei den Falschen gesucht werden. Das ist insbesondere ärgerlich, als dass unter anderem Bosch hohe Summen an öffentlichen Geldern erhält.Dieser Vertrauensverlust wird aktuell aber noch untermauert durch Bekanntwerden von Planungen, wonach die Produktion langfristig nach Ungarn verlagert werden könnte. Was meinen Sie jetzt heute mit der Perspektive 2026? Was verbirgt sich dahinter? Bei den Verhandlungen des Zukunftspaketes hat der Betriebsrat nach unserer Auffassung gezeigt, dass er nicht nur verweigert, sondern auch zu Kompromissen bereit ist. Der letzte Kompromiss liegt noch nicht lange zurück und sie kündigen diesen einseitig auf. Also, ich muss schon sagen, das lässt mich als überzeugten Demokraten und jemand, der sich noch auf das Wort von anderen verlässt, fassungslos zurück. Ich persönlich bin nun seit gut 10 Jahren in diesem Gremium. Wir haben in den vergangenen Jahren vielen Verbesserungen und zum Teil auch, wegen vergleichsweise hoher Kosten zähneknirschend, Infrastrukturprojekten, die dem Standort der Firma Bosch und seinen Mitarbeitern zugutekommen, zugestimmt. Wenn es nun bei dem von Ihnen vorgetragenen Vorgehen bleibt,muss ich schon sagen, dass die Unternehmenskultur der Weltfirma Bosch gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht die Menschen in den Mittelpunkt stellt, sondern das Bestreben die Profite zu bewahren. Ich lasse an dieser Stelle lieber die Zitate des Firmengründers Robert Bosch zu diesem Thema weg, denn diese stehen im krassen Widerspruch zu dem aktuellen Vorgehen!Besonders entsetzt sind wir von der Erwartungshaltung, dass es bis Ende des Jahres zu einer Einigung mit dem Betriebsrat kommen müsse. Andernfalls wurde mit der Aufkündigung des Standortpakts gedroht! Das ist eine gnadenlose Erpressung, die wir missbilligen und verurteilen. Dagegen werden wir uns als Linksfraktion solidarisch mit der Belegschaft, dem Betriebsrat und der IG Metall wehren und unseren Teil dazu beitragen, dass dies so nicht durchgeht.Unsere Fraktion erwartet konkrete Lösungen, statt fantasielosen Stellenabbau. Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht, der Betriebsrat hat einen schmerzlichen Kompromiss bereits mitgetragen und dennoch gehen die Lösungskonzepte lediglich um Arbeitsplatzabbau!?!? Wir erwarten, dass Sie zusammen mit der motivierten und gut ausgebildeten Belegschaft daran arbeiten, wie die sicherlich schwierigen Herausforderungen der Zukunft angegangen werden können. Dazu braucht es Vertrauen und Transparenz und beides muss unter allen Umständen zusammen wieder hergestellt werden! Vielen Dank!