Stellungnahme Alleinerziehende Schwäbisch Gmünd

05. Dezember 2012  Gemeinderat, Sebastian Fritz

Die Stadt Schwäbisch Gmünd geht weiter auf dem Weg noch besser zu werden was das Thema Familienfreundlichkeit anbelangt. Dass dabei die Alleinerziehenden in das Blickfeld rücken war nicht immer so und daher freut es uns, da wir schon oft bei verschiedenen Beratungen auf die oftmals nicht ganz einfache Situation dieses Personenkreises hingewiesen haben.

„20 Prozent aller Familien sind heute Einelternfamilien. Sie sind stärker als Paarelternfamilien von Armut bedroht. Nach aktuellen Informationen der Bundesregierung ist das Armutsrisiko von Alleinerziehenden sogar doppelt so hoch. Knapp 40 Prozent aller Alleinerziehenden leben mit ihren Kindern in Armut.“

Dies war eine Aussage der Bundesregierung, aber wie sieht es in Schwäbisch Gmünd aus? In der Vorlage steht, dass 71,1% der befragten Einelternfamilien weniger als 1500 € monatlich haben. Da kann sicher noch nicht von Armut gesprochen werden, aber wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass viele Alleinerziehende aufgrund ihrer Doppelaufgabe Kindererziehung und Beruf nicht die gleichen beruflichen Voraussetzungen mitbringen können wie eine Familie mit zwei Eltern.

Oft ist es auch so, dass die berufliche Laufbahn bzw. die Ausbildung aufgrund der Geburt des Kindes nicht zu Ende gebracht werden konnte. Diesen Personen bietet das Arbeitsamt dann meistens eine geringfügige Beschäftigung oder ein Anstellung an, wo noch aufgestockt werden muss.

Daher ist das Ergebnis der Befragung auch nachvollziehbar, dass viele der Alleinerziehenden die Rückmeldung gegeben haben, dass sie finanzielle Schwierigkeiten bei dem Besuch von Sport- oder Musikvereinen oder Sprachförderangebote haben.

Aber auch die Kinderbetreuung stellt für viele eine immense Schwierigkeit dar. In vielen Berufen wird eine Flexibilität und eine Arbeitszeit fernab der Regelarbeitszeit verlangt. Genau da gibt es aber entweder keine Kitabetreuung oder sie liegt wieder außerhalb der Regelbetreuungszeiten und ist dann eben entsprechend kostenintensiv.

Als letzter Punkt wurde noch der Öffentliche Nahverkehr angesprochen. Mobil zu sein oder gar ein eigenes Kfz ist in vielen Berufen Vorraussetzung und steht auch des Öfteren in der Stellenausschreibung drin. Bei einem Monatsverdienst von weniger als 1500 € ist dies aber nicht zuletzt auch eine Frage des Geldes ob ich mir überhaupt ein Auto leisten kann. Daher ist für diesen Personenkreis der öffentliche Nahverkehr das beste Mittel um von A nach B zu kommen. Beim Fahrpreis wird aber kein Unterschied gemacht, welchen Verdienst und welche Belastungen ich ausgesetzt bin, daher sollte auch die Stadt Schwäbisch Gmünd aus unserer Sicht das Thema eines Sozialtickets im ÖPNV – wie jetzt im Kreistag beantragt – auf ihre Machbarkeit hin überprüfen.

Für uns gilt daher weiterhin, dass es unbedingt angebracht ist, eine nach Einkommen gestaffelte Gebührenordnung für die Kindertagesbetreuung – wie schon mehrfach von uns beantragt und in anderen Städten bereits angewendet, einzuführen.

Außerdem sollte aus unserer Sicht auch nochmals der Familienpass und seine unterstützende Wirkung für die Alleinerziehenden überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Abschließend möchte ich noch zu bedenken geben, dass mir Zahlen vorliegen wonach es in Schwäbisch Gmünd annähernd 700 Alleinerziehende gibt. Wir sprechen aber über 80 ausgefüllte Fragebögen die von den 330 befragten retour gekommen sind. Ich wage die These, dass die Ergebnisse zwar eine grobe Arbeitsgrundlage sein können, dass die tatsächliche Situation bedeutend dramatischer ist. Auch weil sich viele Personen für ihre prekäre Situation schämen.

Daher möchte ich eindringlich dafür werben endlich in der Frage der Kinderbetreuung eine Teilhabe aller zu ermöglichen und nicht weiterhin alle über einen Kamm zu scheren.

Vielen Dank.