Steigende Mieten und der Mangel an bezahlbaren Wohnungen

Werner-Jany-DGB-Sebastian-Fritz-Fraktionsvorsitzender Linke Caren-Lay-MdB-Linke-Celestino-Piazza-VGW-Raynulf-Jehle-Bauverein

Linke Bundestagsabgeordnete Caren Lay im Gespräch mit VGW und Gmünder Bauverein

„Das Problem der Mietexplosion ist in den Kleinstädten angekommen“, sagt die Bundestagsabgeordnete Caren Lay. Die stellvertretende Fraktions- und Parteivorsitzende sowie Sprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik der Fraktion Die Linke war zu Gast in Schwäbisch Gmünd, um sich ein Bild über die Lage vor Ort zu machen und mit Akteuren vor Ort über deren Erfahrungen zu informieren. Am Nachmittag sprach sie mit dem Geschäftsführer der kommunalen Wohnbaugesellschaft VGW, Celestino Piazza, und dem der geschäftsführende Vorstand des Gmünder Bauvereins Raynulf Jehle.
Die beiden Geschäftsführer und die linke Bundestagsabgeordnete waren sich einig, dass Steigende Mieten und der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in erster Linie Haushalte mit
geringen Einkommen treffen. Je weniger Geld ein Haushalt zur Verfügung hat, desto
schwieriger wird es, überhaupt noch eine Wohnung zu finden
Der genossenschaftliche Bauverein und die städtische VGW versuchen sich des Problems anzunehmen und dem Trend nach immer teureren Wohnungen entgegen zusteuern.
Trotzdem stiegen in den vergangenen vier Jahren die Preise auf dem lokalen
Wohnungsmarkt exorbitant an. 17 Preissteigerung bei den Wohnungsmieten belegt der
Gmünder Mietpreisspiegel von 2013 bis 2017.
Mehr als 2000 Wohnungssuchende sind bei der VGW und dem Bauverein registriert. Mit
ihnen warten auch die Familienmitglieder. Das ergibt geschätzt insgesamt fünf- bis
sechstausend Personen.
Die Wohnungsarmut hat, so Caren Lay, zwei Quellen: steigende Mieten und stagnierende
Löhne. Einerseits explodieren die Immobilienmärkte, die Bodenspekulation treibt die Preise bis zu 1.000 Prozent nach oben, die Mieten steigen und die Löhne und Gehälter seit langem.
Als Treibmittel für die Wohnungspreise haben Piazza und Jehle auch die immer
umfangreicheren gessetzlichen Vorgaben und Auflagen angeprangert. Darüber hinaus
hadert Celestino Piazza auch mit dem Subsidiaritätsprinzip, das kommunalen Unternehmen eine Lückenbüßerfunktion zuweist. Dass sich die öffentliche Hand nur dann wirtschaftlich betätigen darf, wenn private Unternehmen nicht im Stande sind, die notwendigen Aufgaben zu erfüllen.
Um für ihre Kunden zu sparen, berichtete Piazza, habe die VGW ein Facility Management
GmbH gegründet, um die Heizkostenabrechnung und die Ausstattung mit der notwendigen Messtechnik im eigenen und verwalteten Immobilienbestand übernehmen. Ebenso setze die VGW verstärkt auf eigene Handwerker. Als Beitrag, um die Mietkosten im erschwinglichen Rahmen zu halten, stellte Piazza auch das Konzept der Gammundiahäuser vor.
Caren Lay zog als Fazit die die Aufgabe an die Politik: Wir brauchen dringend einen Neustart im sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau. Der Bund muss auch nach 2019 dafür in der Verantwortung bleiben.
Diskussion mit Baubürgermeister Mihm und dem Miterverein im Café Exlibris:
Ab Abend diskutierte die linke Bundestagsabgeordnete im Cafe Exlibris mit der Vorsitzenden des Mietervereins Ostalb e.V., Maria Wamsler und dem Baubürgermeister Mihm über den Wohnungsmarkt in Schwäbisch Gmünd.
Die Vorsitzende des Mietervereins fasste die Situation für Gmünd und den Ostalbkreis kurz und knapp zusammen: „Es gibt einfach nicht genug Wohnungen.“ Dieser Bestandsaufnahme widersprach Baubürgermeister Julius Mihm nicht. Er nannte verschiedene „Stellschrauben“, um Wohnraum zuschaffen. Unter anderem die Miet- und Beratungsgarantie der Stadt, die Anreize schaffen soll, damit Vermieter ihre Einlieger- oder Souterrainwohnung vermieten, obwohl sie das Geld nicht unbedingt brauchen. Um neuen Wohnraum schaffen zu können, brauche die Stadt zunächst bezahlbare Grundstücke in zentralen Lagen.
In der Diskussion wurde ein „verdrängungswettbewerb“ beklagt. Wer es sich leisten könne, finde eine Wohnung, Leute mit beschränktem Budget haben das Nachsehen.Es gehöre auch verboten, mit Wohnungen an der Börse spekulieren zu können, sagt Caren Lay: „Wohnen ist ein Grundrecht, keine Ware.“