Schienenbahn im Taubental drei Stunden im Gemeinderat diskutiert /​Mehrheit tendenziell dagegen

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„Es wird nichts übers Knie gebrochen“ – mit diesem Satz eröffnete OB Richard Arnold gestern im Gemeinderat die Debatte über die geplante Schienenbahn im Taubental. Und in der Tat: Knapp drei Stunden nahm sich das Gremium für diesen Punkt Zeit.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Der OB kündigte einen Bürgerinformationstag zum Thema an. Ihm gehe es um eine sachliche Beratung über Fakten. In seiner Zusammenfassung der Diskussion erkannte Arnold aber sehr wohl: Die Mehrheit des Gemeinderates ist tendenziell gegen das Projekt.

Michael Schlichenmaier hatte die Planung in einer aufwändigen Präsentation (abrufbar im Bürgerinformationssystem auf der städtischen Internet-​Seite) vorgestellt. Die Frage laute, was nach der Landesgartenschau an nachhaltiger Attraktivität bleibe, hatte schon der OB formuliert. Da die Elektrobusse, die Stadt und Landschaftspark Wetzgau während der LGS verbänden, anschließend wegfielen, könne die Schienenbahn ein interessanter Ersatz sein, sagte Schlichenmaier.

Dabei sprach er bewusst von der Zeit nach der Gartenschau, denn vorher würde es diese Möglichkeit nicht geben. Eine Merkwürdigkeit im deutschen Seilbahnrecht sieht nämlich vor, dass eine Bahn mit zwei Einstiegsstellen (Wetzgau UND Gmünd) nur nach einem Planfeststellungsverfahren gebaut werden darf. Das aber ist einschließlich der auf sechs Monate terminierten Bau– und Erprobungszeit bis zur Gartenschau auf keinen Fall mehr zu schaffen. Eine Bahn mit nur einem Eingang (man steigt in Wetzgau ein, fährt den Berg hinunter und wird gleich wieder hinaufgezogen) könnte die Stadt dagegen in eigener Regie genehmigen.

Schlichenmaier machte kein Hehl daraus, dass die Stimmung in Gmünd momentan gegen die Schienenbahn sei. Allerdings lehre die Erfahrung, dass sich in solchen Debatten die Gegner stets stärker zu Wort meldeten, als die Befürworter. In einer Facebook-​Umfrage des Jugendgemeinderates (siehe unten) gebe es dagegen große Zustimmung.

„Gegen die Mehrheit der Bürgerschaft werden wir das nicht beschließen“, machte Celestino Piazza in seiner Stellungnahme für die CDU–Fraktion deutlich. Im aktuellen Stadium könne man aber noch gar nichts entscheiden. Dazu seien zu viele Fragen offen. Piazza forderte die Verwaltung auf, möglichst schnell die Träger öffentlicher Belange anzuhören.

Dem stimmte Sigrid Heusel (SPD) im Grundsatz zu. Allerdings sei die Mehrheit in ihrer Fraktion der Ansicht, dass die Beantwortung dieser Fragen das Grundsatzproblem nicht löse – ob nämlich das Taubental durch eine solche Störung der Anwohner, der Fauna und der Flora überhaupt weiter belastet werden sollte. Die Mehrheit in der SPD beantworte dies mit einem klaren „Nein“.

Einen massiven Eingriff in den naturnahen Wald sah auch Elmar Hägele (Grüne). Eine Schienenbahn sei keine Erholungseinrichtung im Sinne des Landeswaldgesetzes. Und die Verbindung zwischen oben und unten bleibe durch die dafür geschaffenen Wege sehr wohl erhalten. Lediglich die zur LGS beschafften Elektrobusse seien anschließend wieder weg. Hägele bezweifelte angesichts der Geologie im Taubental außerdem, dass eine Montage der Bahn ohne massive Fundamente überhaupt möglich sei. Bislang stünden die Bürger der Gartenschau sehr positiv gegenüber. Dies dürfe man nicht ohne Not aufs Spiel setzen.

Es habe nach kontroverser Diskussion in seiner Fraktion kein Ergebnis gegeben, weil zu viele Fragen offen seien, erklärte Ullrich Dombrowski (FW/​FDP). Er beantragte eine Begehung der vorgesehenen Trasse durch den Gemeinderat. In Bezug auf die Facebook-​Umfrage warnte er vor ähnlichen Ergebnissen, wie man sie beim „Bud-​Spencer-​Tunnel“ gesehen habe.

„Wenn man während der Gartenschau unten nicht einsteigen kann, ist die ganze Sache unattraktiv“, kritisierte Karin Rauscher (FWF). Dass man über Transportmöglichkeiten für Behinderte mit der Schienenbahn schwadroniere, sei ein Witz. In ihrer Fraktion herrsche dem Projekt gegenüber gewaltige Skepsis.

Sebastian Fritz (Linke) ging auf das Parkplatzproblem ein. An ähnlichen Bahnen, die es bereits gebe, brauche man mindestens 200 Parkplätze für Autos und fünf für Busse. Dass mit der Bahn das Naturatum besser erschlossen würde, sei für ihn ebenfalls kein Argument: „Waldpädagogik ist was anderes“. Die Linke könne den Plänen jedenfalls nicht zustimmen.

OB Arnold erinnerte nach der ersten Runde der Stellungnahmen daran, dass es früher im Taubental durchaus Lärmquellen gegeben habe: Den Sportplatz von St. Bernhard oder die Jugendherberge etwa. Die Bahn schon während der Gartenschau als Transportmittel zum Landschaftspark zu nutzen, sei ohnehin problematisch, da dies ein großes Lager für die nötigen Schlitten am unteren Ende voraussetzen würde.

Der Jugendgemeinderat habe sich nicht im jugendlichen Leichtsinn für die Bahn ausgesprochen, erklärte dessen Sprecher Anton Rettenmayr: „Wir sehen uns als Zukunftsträger und befürchten Stillstand nach der Gartenschau“. Man habe sich die Frage gestellt, was nach 2014 in Gmünd geboten sei, und sehe die Bahn als Beitrag dazu.

Der Widerstand der Naturschützer, Degenfeld als besserer Standort, die gute Anbindung Wetzgaus mit Bussen, die befürchtete „Downhill-​Strecke“ für Fahrräder oder der Taubental als einziger gesetzlich ausgewiesener Erholungswald in Ostwürttemberg waren nur einige der Themen, die in der Folge von mehr als einem Dutzend Stadträtinnen und Stadträte angesprochen wurden.

Auch zwei der etwa zwei Dutzend Zuhörer kamen zu Wort. „Wenn der komplette Verkehr zwischen Himmel und Erde durchs Taubental geht, wird unser Leben zur Hölle“, hieß es da. Der Wald sei schon durch den Bau des Tunnelkamins stark geschädigt.

„Ich nehme mit, dass die Mehrheit in der Tendenz dagegen ist“, fasste am Ende der drei Stunden OB Arnold zusammen. Die Fragen nach der Attraktivität Gmünds für Touristen nach der LGS und auch während der „kleinen Gartenschau“ im Remstal 2019 blieben jedoch im Raum. Die endgültige Entscheidung über die Schienenbahn soll der Gemeinderat im Juli treffen – nach Beantwortung der vielen gestern gestellten Fragen.

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