Städtische Parkhäuser werden günstiger

Lange hat die Stadtverwaltung an eine gemeinsame Lösung geglaubt. Das ist vorbei: „Jetzt reicht’s, jetzt ist’s genug“, sagt OB Richard Arnold. Die Stadt reagiert auf das Gebühren-Gebaren von Apcoa. Sie macht das Parken in ihren Parkhäusern günstiger und sieht dies alsTeil weiterer MobilitätsMaßnahmen.
SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Zu Apcoa glaubte die Stadtverwaltung einen guten
Draht zu haben. Der jüngste GebührenDreh des Parkhausbetreibers mit auslastungsabhängigen Preisen („flexible pricing“), Erhöhung und Abschaffung des
Flex-Tarifs im August hat sie kalt erwischt, und seitdem lässt Apcoa auch nichts mehr von sich hören. Jetzt reagiert die Stadt darauf, nachdem die Gemeinsamkeit „leider durch Private zunichte“ gemacht worden sei, wie das Stadtoberhaupt am Mittwoch im Verwaltungsausschuss vorausschickte.
Wegen der Auseinanderentwicklung mit Apcoa will die Stadt nun ihrerseits die drei Parkhäuser attraktiver machen, die ihr gehören: Stadtgarten, das sie selbst betreibt (230 Plätze), ParkdeckRems (188 Plätze) und Fehrle-Parkhaus (355), die beiden letztgenannten sind verpachtet. Zu diesen 773 Plätzen kommen 200 oberirdische Plätze in der Stadt hinzu. Unter Apcoa-Regie befinden sich gut 1200 Parkplätze in City-Center, ParlerMarkt und Remsgalerie.
Die Stadt will Autos abfangen und in ihre Parkhäuser ziehen. Dafür setzt sie den Preishebel an: „Wir müssen wesentlich günstiger sein“, so OB Arnold. Das soll so aussehen:
� Die ersten 30 Minuten sind frei
� danach jede angefangene 30 Minuten 50 Cent.
� Tagesmaximum: 7 Euro
� Der Flextarif entfällt.
Am Parkdeck Rems würde dies bedeuten, dass sich die Parkgebühren für zwei Stunden halbieren: von drei Euro auf 1,50. Auf Basis der Belegungszahlen von 2018 geht die Verwaltung zunächst von Mindereinnahmen in Höhe von 150 000 Euro aus, setzt aber auf höhere Auslastung. Unterm Strich koste die Maßnahme wohl 100 000 Euro.
Außerdem will die Stadt klären, wie lange die Verträge zwischen Apcoa und den Eigentümern laufen und prüfen, ob auch die drei Apcoa-Parkhäuser von der Stadt betrieben oder verwaltet werden können.
Dahinter steht jedoch ein größeres Ziel: weniger Autos in der Innenstadt. Arnold:
„Weniger Autos heißt mehr Radfahrer und Fußgänger.“ Vor allem den Radverkehr will die Stadt fördern. Weitere Fahrradspuren wie in der Oberbettringer Straße kommen hinzu, an der Weißensteiner Straße etwa, in der Buchstraße und im Becherlehen. Werden Radler gut geführt, gebe es positive Rückmeldungen, „das haben wir von der Remstal Gartenschau gelernt.“ Mehr Stellplätze für Räder müssen es auch werden.
Weiter verbessert werden müsse der ÖPNV: „Er muss klar, einfach und kostengünstig sein.“ Kreisweiter Vollverbund und Teilintegration in den VVS seien wichtige Bausteine. Durch die Remstal Gartenschau sei Gmünd näher an Stuttgart gerückt, „der VVS bietet Ausflüge nach Gmünd an. Die ersten werden wir empfangen und alle Register ziehen.“
Und zuguterletzt sollen „Mobilitätspunkte“ zum Umsteigen eingerichtet werden, in allen Himmelsrichtungen. Den Anfang machen der kostenlose SchießtalParkplatz und Nepperberg-Parkplatz. Bis Ende Oktober fahren deshalb die Naturstromer weiter. Dies sei der Einstieg in ein größeres Mobilitätsprojekt: „Vielleicht ganz gut, dass wir in so eine Situation geraten sind“, so Arnold.
Aus den Fraktionen kam Zustimmung:
Die CDU trage dies mit, sagte Alfred Baumhauer. Allerdings werde in nächster Zeit noch das Auto dominieren, „die Menschen sind bequem. Wir müssen auch für die Bewohner von Bartholomä attraktiv sein.“ Es sei schon ein Erfolg, wenn der Parksuchverkehr reduziert werden, „die ersten 30 Minuten müssen frei sein.“
Alternative Formen der Mobilität gehörten an die erste Stelle, meinte Gertraude von Streit (Grüne). Es sei an der Zeit, dass die Stadt auf Apcoa reagieren, sagte Sigrid Heusel (SPD), „wir hatten immer wieder Probleme mit dieser Betreibergesellschaft. So geht es nicht weiter.“ Der Vorschlag der Verwaltung zeige „genau den richtigen Weg“.
Bei Privaten solle man vorsichtig sein, so Sebastian Fritz (Linke), „man ist
grundsätzlich auf deren Goodwill angewiesen. Das gilt auch für das Hallenbad.“
Bei den Fußwegen sei noch „Luft nach oben“, erst recht bei den Radwegen. Der
ÖPNV brauche kurze Abstände. Die moderaten Gebühren würden sicher gut angenommen, schätzte Karin Rauscher (Frauen); Brigitte Abele (BL) forderte, das
1-Euro-Ticket-Angebot auszudehnen. Das Stadtoberhaupt versprach, die
neuen Parkgebühren und die anderen Maßnahmen so schnell wie möglich umzusetzen: „Es wäre grandios, wir könnten das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen.“