Stadträte diskutieren spontan und ausführlich über das Thema Rodelbahn im Taubental

Sebastian-FritzKurzfristig und auch unter Hinweis auf die aktuelle Berichterstattung und Kommentierung in der Rems-​Zeitung ist es gestern in der Sitzung des Bau– und Umweltausschusses des Gemeinderats zu einer ausführlichen Info– und Diskussionsrunde zum Thema geplante Rodelbahn im Taubental gekommen.

Das Thema stand gar nicht auf der Tagesordnung. Unter der wiederkehrenden Rubrik „Ausblick auf künftige Vorhaben“ überraschten jedoch Oberbürgermeister Richard Arnold und Vertreter der Landesgartenschau GmbH mit einer ausführlichen Offenlegung der bislang vorhandenen Überlegungen, Gespräche und auch Trassenplänen für das umstrittene Projekt. Wäre dies schon vorher bekannt gewesen, dann wäre der Rathaussaal gewiss reichlich von Zuhörern frequentiert gewesen. OB Richard Arnold wurde von einigen Stadträten auch der Vorwurf vorgehalten, dass eine bereits schon absolvierte Begehung der ins Auge gefassten Trassenführung mit Experten von Naturschutz und einem Fachingenieur (die RZ berichtete) ohne die Einladung an die Fraktionen des Gemeinderats erfolgt sei. Die beiden aus Wetzgau stammenden Stadträte Sebastian Fritz (Die Linke) und Konrad von Streit (SPD) forderten das Stadtoberhaupt auch dringend dazu auf, bei seinen Vorhaben und Bauprojekten, die Bevölkerung besser mitzunehmen, mithin auch umgehend den unmittelbar betroffenen Betzirksbeirat im Stadtteil Wetzgau-​Rehnenhof einzubeziehen. Beide Stadträte bestätigten: Wegen der Sommerrodelbahn und auch angesichts von massiven „autobahnähnlichen“ Wegebauarbeiten im oberen Taubentalbereich, über die man vorher nicht informiert gewesen sei, kippe die bislang gute Gartenschau-​Stimmung in Wetzgau. Es gebe sogar schon erste Protestflugblätter.

Was die beklagten Straßenbaumaßnahmen im Wald anbelange, verwies OB Arnold auf die Zuständigkeit des Forstes. Auch er gestand ein, dass die doch „sehr stattlich“ ausgefallen seien. Selbstverständlich komme er mit allen Informationen auch in die nächste Sitzungen der örtlichen Gremien.

Eingangs meinte Arnold, dass „nun die Zeit reif ist“, um mit einer ersten Zusammenfassung von Informationen im für solche Fragen zuständigen Bau– und Umweltausschuss den Abwägungsprozess zu eröffnen. Dieser sei ergebnisoffen. Es werde eine sachlich abgewogene und politische Entscheidung geben, wie „es unseren demokratischen Gepflogenheiten entspricht“. OB Arnold betonte in Bezug auf kritische Stimmen in Verlautbarungen der Grünen und teils in Leserbriefen: „Wir haben da keine vorgefertigte Meinung.“

Dem Oberbürgermeister war der Hinweis sehr wichtig, dass die Idee mit der Sommerrodelbahn ja nicht im Rathaus geboren worden sei, sondern er habe diesen Vorschlag mehrfach aus den Reihen der Bürgerschaft aufgegriffen. Nachdem andere Mobilitäts-​Ideen fürs Taubental und Verknüpfung der beiden Gartenschauteile „Himmel“ und „Erde“ mit Seilbahn, Sessellift oder Zahnrad verworfen worden seien, habe man sich nun wieder an diese Rodelbahn erinnert. Er legte dazu aber im Laufe der Diskussion die Betonung auf den Begriff „Schienenbahn“. Denn er sehe die Chance, dass während und nach der Gartenschau dort sogar eine innovative Anlage entstehe, mit der eventuell sogar Fahrräder oder der Rollator von Gehbehinderten auf völlig neu entwickelten Rodelschlitten nach oben in Richtung Landschaftspark Wetzgau gezogen werden könnten.

Vor allem aber, so Richard Arnold weiter, sehe er das Projekt Schienenbahn im engen Kontext mit dem Entstehen der Schüler– und Wissenswerkstatt EULE sowie mit der zukünftigen Sport– und Jugendmeile am alten Güterbahnhof, also wenige Gehminuten von der Talstation der Schienenbahn entfernt.

Erstmals wurden nähere Details erläutert. Auf dem Stand bisheriger Studien soll der im Wald in einer etwa vier Meter breiten Schneise aufgeständerte Trassenverlauf 1350 Meter weit in Kurven und über Bacheinschnitte bergabwärts gehen. Von dort sollen dann die Bobs oder Rodel mitsamt der Passagiere auf geradlinigen 970 Metern mit Hilfe eines Schleppseils wieder nach oben zur Bergstation im Landschaftspark Wetzgau gezogen werden. Gedacht wird an den Einsatz von 54 doppelsitzigen Schlitten bzw. Wagen. Schon bei 300 bis 350 Fahrten pro Tag, so die Berechnung, sei der wirtschaftliche Betrieb für den Investor gewährleistet. Bis zu 2000 Fahrten pro Tag seien machbar. Die Bauzeit würde nur sechs Monate betragen, so dass sich der Zeitdruck bis zur Eröffnung der Landesgartenschau noch in Grenzen halte. Der Investor, der auffallend hartnäckig immer noch nicht genannt wurde, würde das volle Risiko für Bau (1,9 Millionen Euro Kosten) und Betrieb übernehmen. Dieser Investor habe auch schon das Ansinnen vorgetragen, an der Bergstation bei Wetzgau im Anschluss an die Gartenschau einen gastronomischen Betrieb anzusiedeln. Betont wurde auch, dass Jugendgemeinderat der Stadt Schwäbisch Gmünd schon mit begeisterung dem Projekt zugestimmt habe und dessen Vertreter dies dann in den kommenden Gemeinderatssitzung vortragen werden.

Für unbekannten Unternehmer sei es natürlich wichtig, das publikumsintensive Gartenschaujahr 2014 mitzunehmen. Und weil die Landesgartenschau halt nicht in Degenfeld stattfinde, fand die Idee unserer Zeitung Ablehnung. Wir hatten die Idee ins Spiel gebracht, die Sommerrodelbahn vielleicht auf der Trasse des ehemaligen Degenfelder Sessellifts statt im Taubental zu realisieren.

Fragen über Fragen türmten sich danach in der Debatte auf. Alle Fraktionen forderten einen Ortstermin entlang der Trasse im Taubental, vor allem gemeinsam mit Vertretern der Naturschutzverbände. Landesgartenschau-​Geschäftsführer Karl-​Eugen Ebertshäuser gab zu verstehen, dass im Taubental kein einziges Biotop offiziell kartiert sei und auch der Baumbestand keine besondere Schutzwürdigkeit erkennen lasse.

Klipp und klar hat sich bereits die Fraktion Bündnis90/ ​Die Grünen gegen die Schienenbahn im Erholungswald festgelegt. Leidenschaftlich trug Stadtrat Elmar Hägele die Argumente vor. Die nun endlich vorliegenden Informationen hätten diese sogar noch untermauert. Es sei eine einfache Rechnung: Für die Trasse müsste umgerechnet ein Hektar Wald weichen. „Sie wollen da in ein Gebiet hineinbauen, das bislang völlig der Pflanzen– und Tierwelt überlassen gewesen sei.

Dem widersprach CDU–Sprecher Celestino Piazza: Das Taubental sei doch schon jetzt durch Sportler, Spaziergänger und Besucherscharen auf dem Walderlebnispfad Naturatum reichlich bevölkert. Für ihn und die CDU sei es jedoch noch viel zu früh, um sich für oder gegen die Schienenbahn auszusprechen. „Wir brauchen mehr Informationen und sollten uns so eine Anlage vorher anschauen.“

Das hat Stadtrat Konrad von Streit (SPD) kürzlich nach eigenem Bekunden schon getan. Es sei, so beschrieb er, ein plötzliches und furchterregendes Geräusch, wenn da so ein Schienenwagen plötzlich mit bis zu 40 Stundenkilometern durch den Wald rausch. Auch bedingt durch die Lustschreie der Passagiere habe da ein Lauschen auf Vogelstimmen und andere stille Laute der Natur keine Chance mehr. Das Taubental, so meinte auch Stadträtin Susanne Lutz (Bündnis90/ ​Die Grünen), habe nach wie vor den Charakter einer Oase der Ruhe. Stadtrat Piazza dürfe den Waldlehrpfad Naturatum keinesfalls mit den Auswirkungen einer Rodel– und Schienenbahn vergleichen. Die sei auch kein umweltfreundliches Verkehrsmittel, sondern eine Spaßeinrichtung. Celestino Piazza bat, vor den Realitäten nicht die Augen zu verschließen. Das Taubental habe seit seiner offiziellen Deklaration als Erholungswald vor 30 Jahren seinen Charakter völlig verändert. Vielleicht müsse halt einfach akzeptiert werden, dass die Menschen dort nun eher einen „Natur– und Freizeitpark Schwäbisch Gmünd“ erwarten. Für die FDPZ/​FW forderte Fraktionschef Ullrich Lothar Dombrowski, die gestern nur mündlich und mit einigen Bildern und Plänen vorgetragenen Informationen doch bitte rasch in einer ordentlichen schriftlichen Vorlage für alle Ratsmitglieder zusammenzufassen.

Dies wurde zugesagt, ebenso die Ausarbeitung eines Parkplatzkonzepts, das ganz besonders im Bereich der Bergstation im Landschaftspark Wetzgau für die Zeit nach der Gartenschau notwendig würde. Abschließend betonte OB Richard Arnold nochmals: Da werde nichts unter den Teppich gekehrt, sondern offen und mit der Bürgerschaft entschieden.