Stadträte wollen neue Straßennamen

26. Februar 2015  Gemeinderat, Presse, Redaktion

SPD, Grüne und Linke im Rat machen Druck bei Straßennamen. Sprecher dieser Fraktionen kritisieren, dass Anträge auf Umbenennungen von Franz-Konrad-Straße, Richard-Bullinger-Straße und Hindenburgplatz nicht entschieden sind. Die CDU-Fraktion fordert, nicht nur Negatives zu nennen, sondern auch „freudige Beispiele“.

michael länge

Schwäbisch Gmünd. Es sei gut, dass sich die Stadtverwaltung des Themas „Erinnerungskultur“ annehme, sagte CDU-Sprecher Alfred Baumhauer am Mittwoch in der Haushaltsdebatte. Dabei aber falle auf, dass das Unheil des vergangenen Jahrhunderts besonders diskutiert werde. Unbestritten sei, dass Vieles im letzten Jahrhundert so schrecklich, grausam, verbrecherisch und geschichtlich einmalig gewesen sei, dass es angesprochen werden müsse. Baumhauer fügte hinzu: „Wenn wir die Zukunft gewinnen wollen, dann können wir doch mit auf die freudigen Beispiele bauen, als Beweis, dass es auch anders geht.“ Denn „keine Gemeinschaft ist so stark, dass sie ihre künftige Lebensgrundlage nur aus der Umkehr ihrer Sünden ziehen kann“.
Die Fraktionen SPD, Grüne und Linke hingegen stellen konkrete Forderungen. „Für die SPD-Fraktion ist es weiterhin unerträglich, dass in der Stadt Personen mit Straßennamen geehrt werden, die sich in der Hitlerdiktatur recht gut eingerichtet hatten“, sagte Sigrid Heusel. Andere hingegen seien für ihren Widerstand in Konzentrationslagern drangsaliert, gefoltert oder erschossen worden. Menschen hätten vielfältige Gründe für andere Bewertungen, sagte Heusel. Dies sei der SPD bekannt, und sie akzeptiere diese Gefühle. „Wir wollen aber nicht, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema unter den Teppich gekehrt wird“, sagte Heusel. Die SPD-Fraktion fordert neben einer Entscheidung über Straßenumbenennungen, die Gedenktafel am Prediger, die an von den Nazis ermordete Menschen erinnert, „sichtbarer an der Südseite des Predigers anzubringen“. Da dies dort aufgrund der Stauferstele und verschiedenen Märkten nicht möglich sei, greift die SPD eine Idee von Baubürgermeister Julius Mihm auf. Er hatte vorgeschlagen, um die Gedenktafel einen Gedenkplatz mit einer kleinen Installation zu schaffen. Dies könnten zum Beispiel Koffer sein, die an den Abtransport in die Konzentrationslager erinnern. So könne die Gedenktafel mehr Aufmerksamkeit erhalten. Die SPD-Fraktion will, dass dieser Vorschlag vor der Sommerpause im Gemeinderat diskutiert wird.
„Wie stehen wir zu Personen, die im letzten Jahrhundert die Demokratie gezielt demontierten oder einem verbrecherischen Regime als Rädchen im Getriebe dienten und gleichzeitig heute noch Straßennamen in Gmünd zieren?“, fragte Alexander Schenk (B 90 / Grüne). Der Arbeitskreis Erinnerungskultur tage und tage und tage, kritisierte er. Es werde Zeit, „dass wir bei einigen Punkten endlich einen Knopf daran machen“, forderte Schenk. Eine Umbenennung bedeute nicht, geschichtsvergessen zu sein. Sie bedeute ein klares Bekenntnis für Freiheit und Demokratie und „zu den vielen Opfern auch hier in Gmünd“. Ergänzen will er die neuen Straßenschilder mit Hinweistafeln auf die alten Straßennamen. So werde Geschichte nicht getilgt, sondern aus ihr gelernt.
„Wir sind mit dem Ergebnis der Diskussion über den Umgang mit den Straßennamen nicht zufrieden“, sagte Sebastian Fritz (Die Linke). Aus Sicht der Linken sei es nicht vermittelbar, dass „in unserer Stadt weiterhin Persönlichkeiten Namensgeber für Plätze und Straßen sind, die eine unbestrittene Verstrickung mit dem Nationalsozialismus haben“. Die Fraktion habe den Eindruck, dass die Verwaltung die anfängliche Initiative, in dieser Sache etwas zu unternehmen, aufgegeben habe und Bewahrern das Wort rede. Deshalb fordert die Linke eine Diskussion bis zur Sommerpause.

Stadt will keine Hopplahopp-Diskussion über Straßennamen

Gmünds Stadtverwaltung hat die Diskussion über Straßennamen bislang bewusst ohne Zeitdruck geführt, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann zu den Aussagen der Fraktionen in der Haushaltsdebatte. Die Stadt wolle „keine Hopplahopp-Diskussion“. Allerdings werde sich die Stadtverwaltung die Hinweise der Fraktionen zu Herzen nehmen. Dabei sei es den Stadträten unbenommen, eine Entscheidung zu beschleunigen. Die Stadt selbst will sich um eine wissenschaftliche Aufarbeitung zu Franz Konrad, Gmünds Oberbürgermeister zwischen 1934 und 1945, bemühen. Zudem will die Verwaltung das Thema Straßenumbenennung noch vor der Sommerpause im Rat aufgreifen. Außerdem werde Baubürgermeister Julius Mihm den Stadträten seine Idee einer Installation vor der Gedenktafel am Prediger vor der Sommerpause präzisieren. mil

© Gmünder Tagespost 26.02.2015 19:36:28