Stadträte werden wohl Dialog zu Investorenbad fortsetzen

Im Gemeinderat zeichnet sich eine Mehrheit ab, den Dialog über ein durch einen Investor finanziertes Hallenbad fortzuführen. Dies ist das Ergebnis einer etwa dreistündigen Diskussion im Bau- und Verwaltungsausschuss am Mittwochabend. Dabei hatte auch die Bürgerinitiative (BI) Taubental das Wort. Ihre Vertreter zeigten eine aus ihrer Sicht günstigere Finanzierung eines städtischen Bades auf. Dem hatte zuvor Oberbürgermeister Richard Arnold eine Absage erteilt: Ein städtisches Bad ginge nur durch neue Schulden.

Arnold hatte eingangs erläutert, dass auch er zunächst mit der Idee eines „hübschen, kleinen Familienbades“ geliebäugelt hatte. Gelandet sei er nun bei zwei Investoren. Um keine neuen Schulden zu machen, und um nicht nur einen kleinen Saunabereich zu haben. Der Oberbürgermeister ist überzeugt, dass ein Familien- und Wellnessbad den Wirtschaftsstandort Gmünd stärkt. Untersuchungen besagten, die Zeit sei reif für ein solches Bad in der Region. Gmünd habe mit der halbstündigen Zugverbindung nach Stuttgart ab Mitte 2019 neue Chancen.

Stadtkämmerer René Bantel sagte, dass bei den verbliebenen Investoren die Finanzierungsmodelle „verbesserungsbedürftig“ seien. Beide wollen ein Bad mit Sportbecken und Lehrschwimmbecken als Grundversorgung auf dem Gleispark bauen und am Nepperberg eine Saunalandschaft ansiedeln. Ein Investor bietet eine zweite Variante ohne Nepperberg an. Die Stadt würde sich bei einem Investorenbad verpflichten, für die Grundversorgung jährlich 1,7 Millionen Euro zu bezahlen. Will die Stadt dabei ein 50-Meter-Becken, steigt dieser Betrag auf 1,95 Millionen Euro im Jahr.

Bei dieser Finanzierung hakte Jo Frühwirt von der BI Taubental ein. Komme der Betreiber des Bades mit dem Geld nicht klar, fordere er mehr von der Stadt. Weigere sich diese, gehe der Betreiber in Konkurs. Er fragte, „wie die Stadt das vermeidet“ und sprach sich gegen einen solchen „Knebelvertrag“ aus. Walter Beck von der BI sprach sich gegen eine weitere Bebauung des Nepperbergs aus, weil dieser dann kein Wasser mehr speichern könne. BI-Mitglied Hans-Peter Trah legte eine Berechnung für ein Bad mit acht 50-Meter-Bahnen vor, das günstiger sein soll als das von der Stadt berechnete. BI-Vertreterin Andrea Pitschmann forderte ein Bad „ohne unkalkulierbare Risiken“.

Die Berechnung der BI wollte Christof Preiß (CDU) nicht kommentieren, da er die Zahlen erst in der Sitzung gehört habe. Ein Risiko jedoch sah Preiß, anders als die BI, eher bei einem kommunalen Bad. Seine Fraktion sei „ganz klar“ für die Fortsetzung des Dialogs. Allerdings betonte er, dass die CDU gegen weitere 250 000 Euro zu den jährlichen 1,7 Millionen Euro sei. Und er wollte „mit der Mär aufräumen, dass der Taubentalwald abgeholzt werde“. Das Bad werde etwas Tolles, sagte Preiß.

Die Finanzierung steht auf tönernen Füßen.

Hans-Jürgen Westhauser, SPD

Er würde gerne des Oberbürgermeisters Begeisterung teilen, sagte Hans-Jürgen Westhauser (SPD). Und wer könne schon gegen Dialog sein. Aber: Bei allen drei Varianten stehe „die Finanzierung auf tönernen, vielleicht auf gar keinen Füßen“. Deshalb solle sich der Gemeinderat der Finanzierung ernsthaft stellen. Die SPD-Fraktion wolle im Gespräch bleiben, „realistisch wie die schwäbische Hausfrau, die fragt, kann ich mir’s leisten?“

Die Vorlage, den Dialog fortzuführen, sei eine weitere Festlegung auf ein Investorenbad, sagte Karl Miller (Grüne). Seine Fraktion lehnt dies ab, weil man kein Bad bauen könne, das 30 Jahre lang dem Wettbewerb standhalten müsse. Tut es dies nicht, kämen Nachforderungen. „Je schneller der Ausstieg, desto besser“, sagte Miller, der „keine Vorteile, nur Risiken“ sah.

Es sei nicht richtig, jetzt den Weg nicht weiterzugehen, sagte Ullrich Dombrowski (BL). Allerdings hielt auch er die Finanzierung für „nicht plausibel“. Dombrowski forderte von der Stadt eine Berechnung für ein Bad mit sechs 25-Meter-Bahnen. Und er lehnte es ab, über einen Bürgerentscheid ohne dessen genaue Formulierung abzustimmen.

In weiteren Gesprächen erfahren, was geschieht, wenn der Betreiber Konkurs geht, will Dr. Constanze Schwarzkopf-Streit (FWF). „Jetzt aussteigen, bevor es zu spät ist“, forderte Sebastian Fritz (Linke). Eine kommunale Lösung ohne Investor sei günstiger und risikoärmer.

Der Rechtsberater der Stadt bei der Ausschreibung, Arndt Bühner, gab den Stadträten Recht. Was jetzt auf dem Tisch liege, das sei noch nicht zuschlagsreif. Er versprach beim weiteren Dialog eine Risikoanalyse, fügte aber hinzu: Dass das Vorhaben nicht ganz risikofrei sei, sei nicht wegzureden. Die Entscheidung fällt am Mittwoch.

© Gmünder Tagespost 18.07.2018 22:27