Stadträte hinterfragen Kosten für Freizeit- und Spaßbad

15. September 2017  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Gmünds Ratsfraktionen hinterfragen die Finanzierbarkeit eines Freizeit- und Spaßbades für etwa 40 Millionen Euro. Dies ist das Ergebnis einer GT-Umfrage unter den Fraktionen. Sie nehmen dabei Stellung zur Pressekonferenz der Stadtspitze vom Mittwoch. Diese hatte sich positioniert: Sie will ein Freizeit- und Spaßbad mit Wellness, 50-Meter-Bahn und Möglichkeiten für Schulsport auf dem Gleispark am Nepperberg. Der Wellnessbereich mit Saunen am Nepperberg nördlich der Straße im Taubentalwald soll „naturnah und sensibel“ gestaltet werden. Für das Projekt braucht die Stadt einen privaten Investor.

„Die CDU-Fraktion drängt bereits seit Jahren auf eine Weiterentwicklung des Hallenbades“, sagt CDU-Sprecher Alfred Baumhauer. „Sollte ein modernes, familiengerechtes Sport- und Freizeitbad möglich sein“, unterstütze die CDU dies mit Nachdruck. Oberbürgermeister Richard Arnold habe die Vision aufgezeigt. Möglich sein aber heißt für die CDU-Fraktion vor allem: „finanzierbar sein“. Der städtische Haushalt sei auf einem guten Weg, vor allem aber wegen optimaler Rahmenbedingungen. Die Zeiten jedoch änderten sich wieder. Auch dann müssten die Kosten für ein Bad tragbar sein, sagt der Fraktionssprecher. Ein großes Bad gehe also nur mit privatem Partner. Und „mit klaren, langfristigen und fairen Konditionen“, die, wie Stadtwerke-Chef Rainer Steffens sagt, „wasserdicht sein müssen“. „Ein Bad für die ganze Region, dessen Kosten aber nur die Gmünder zahlen, oder ein privater Betreiber, der sein wirtschaftliches Risiko auf die Stadt abwälzt, wird es mit der CDU nicht geben“, sagt Baumhauer.

Laut Beschluss der Stadträte vor der Sommerpause sollte die Verwaltung eine „Entscheidungsgrundlage erarbeiten“, sagt Sigrid Heusel (SPD). Da die für September geplante Bürgerinfo abgesagt worden sei, gebe es diese offenbar noch nicht. Deshalb ist es für Heusel „nicht in Ordnung“, dass die Verwaltung mit ihrer Vorstellung nun vorgeprescht sei. Einigkeit bestehe, dass Gmünd ein neues Bad brauche, mit Möglichkeiten zum Schulsport und, wenn möglich, einer 50-Meter-Bahn. Ein finanzielles Abenteuer aber könne sich die Stadt nicht erlauben. Und bei einem privaten Investor müsse genau hingeschaut werden. Der Rat könne „keinen Blankoscheck für ein unbekanntes Abenteuer“ ausstellen.

Die Stadt habe sich im Juli von den Stadträten den Auftrag geben lassen, die vorgestellte Lösung weiterzuverfolgen, sagt Gabriel Baum (B 90 /Die Grünen). Seine Fraktion habe deshalb „substanzielle Fortschritte“ erwartet: Dass der „Bürgerwille“ erhoben werde. Und dass „die vermutlich negativen Auswirkungen auf den Nepperberg und das Stadtklima neutral bewertet werden“. Darauf würden Bürger und Stadträte warten. Die Grünen hätten vor einer Vorfestlegung gewarnt. Stadtspitze und Verwaltung aber hätten sich „offensichtlich schon festgelegt“. Der OB verkaufe dies bei der Eröffnung des Hotels am Remspark schon „als Bürgerwille“. Die Pressekonferenz vom Mittwoch liest Baum deshalb eher als „Signal in die Reihen“ von CDU und JU. Dort gebe es auch Vorbehalte gegen Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) und die Kosten.

Keinen Blankoscheck für ein Abenteuer.
Sigrid Heusel, SPD-Sprecherin
Ein Freizeitbad mit Wellness sei für Gmünd „richtig“, sagt Ullrich Dombrowski (BL). Ausschreiben will Dombrowski dieses mit 50- und mit 25-Meter-Bahn. Nach Jahren des Hinhaltens müsse dem Schwimmverein gesagt werden, was möglich ist. Kommunal sei ein solches Bad nicht zu machen. Dafür brauche es einen Investor, sagt Dombrowski, wissend, dass dies „selbstverständlich Risiken“ berge und man nicht ausschließen könne, dass etwas schief gehe.

„Kein Prestige-Objekt“
„Die Stadt sollte ein Bad in kommunaler Trägerschaft realisieren“, sagt Sebastian Fritz (Die Linke). Es gebe eine Reihe von Beispielen, wo ÖPP gescheitert sei und am Ende die Kosten höher gewesen seien als bei einem städtischen Bad. Zudem sei die Fraktion nicht der Auffassung, „dass wir ein 40-Millionen-Prestigeobjekt benötigen“. Vielmehr brauche es „aus unserer Sicht ein Bad, das die Grundversorgung gewährleistet und darüber hinaus Elemente für Familien und Entspannung bietet“. Das Oskar-Frech-Hallenbad in Schorndorf sei hier ein gutes Beispiel.

Eine Stellungnahme der Fraktion FWF war am Donnerstag nicht zu bekommen.

Auch Aalen diskutiert über ein Bad
Aalen. Die Stadt Aalen diskutiert, wie die Stadt Schwäbisch Gmünd, über ihre Bäder. Ein Familien- und Freizeitbad mit Wellness, 50-Meter-Bahn und Schulsport, wie es die Gmünder Stadtspitze will, ist in Aalen nicht in der Diskussion. Aalens Ratsfraktionen haben sich so positioniert: Die große Mehrheit will den Hirschbach als Bäderstandort für die Kernstadt erhalten. Dort könnte ein kombiniertes Hallen- und Freibad mit einer 50-Meter-Bahn im Freien und einer 25-Meter-Bahn im Inneren entstehen. Wellness soll es dort nicht geben, um den Limesthermen keine Konkurrenz zu machen. Einige Stadträte favorisieren einen Hallenbadneubau bei den Limesthermen. Für eine Fraktion hat das Thermalbad erste Priorität. Die Stadträte wollen das Thema nun in einer Klausur diskutieren – mit weiteren Fakten und Zahlen zu Betriebswirtschaft und Technik.

Aalen hat insgesamt sechs Bäder: am Hirschbach in der Kernstadt, das Spieselbad in Wasseralfingen, ein kleines Bad in Unterrombach, ein Hallenbad, ein Lehrschwimmbecken in Ebnat und die Limesthermen. Ein Bädergutachter hat schon von 60 Millionen Euro für die Sanierung gesprochen – und dabei klar gemacht, dass diese Investitionen das jährliche Defizit im Betrieb von 3,5 bis 4 Millionen nicht drücken werden. Aus diesem Bädergutachten leitet die Verwaltung drei Hauptvarianten ab:

Variante 1 ist die Modernisierung des Bäderbestands. Geschätzte Nettoinvestition: rund 33 Millionen Euro. Das Defizit würde sich wie seither auf etwa vier Millionen belaufen.
Variante 2 beinhaltet den Bau des besagten Kombibads im Hirschbach, die Sanierung des Spieselfreibads in Wasseralfingen und die Ertüchtigung der Limesthermen. Geschätzte Nettoinvestition: 49 Millionen. Das jährliche Defizit würde auf 4,9 Millionen steigen.
Variante 3 ist ein neues Hallenbad auf dem Gaskesselgelände am Aalener Bahnhof. Im Hirschbach soll dann ein zweites „Bädle“ nach Unterrombacher Vorbild entstehen. Spiesel und Thermalbad würden saniert. Geschätzte Nettoinvestition: 43 Millionen. Das Defizit steigt dann auf 4,5 Millionen.
Nach der Klausur wird die Debatte im Gemeinderat öffentlich fortgesetzt. Die Stadtverwaltung will bis Jahresende eine Richtungs- und Grundsatzentscheidung haben, spätestens bis Anfang 2018.
© Gmünder Tagespost 14.09.2017 18:46