Stadträte diskutieren Schönblick-Projekt kontrovers

Schwäbisch Gmünd. In Gmünd gibt es zurzeit 809 Plätze in Pflegeheimen. Der Bedarf liegt bei 910 Plätzen. Diese Zahlen nannte am Mittwoch OB Richard Arnold im Bauausschuss. Das Christliche Gästezentrum Schönblick will in der Willy-Schenk-Straße beim Schönblick-Forum ein Pflegeheim mit weiteren 60 Plätzen bauen. Dazu braucht es ein Waldstück. Arnold und Gerhard Hackner, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, erläuterten den Stadträten den Stand der Planung. Der OB dankte dem Schönblick, dass er trotz Corona an dem Projekt festhält. Er betonte, dass ihm dabei der Erhalt der Eichen auf dem Baugrundstück wichtig sei. Seit 2017 gibt es den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen, sagte Hackner. Seitdem sind Gutachten in Auftrag gegeben worden. Die Forstbehörde hat eine Stellungnahme abgegeben, die eine Waldumwandlung in Aussicht stellt, wenn an dieser Stelle ein Pflegeheim gebaut wird, ein ökologischer Waldtrauf entsteht und eine Ersatzaufforstung erfolgt. Eine solche ist bei Metlangen auf 0,75 Hektar vorgesehen. Nächste Schritte sind die öffentliche Auslegung und Bürgerbeteiligung. Danach bewerten Verwaltung und Gemeinderat die geäußerten Bedenken.

Im Gemeinderat ist das Vorhaben umstritten, weil für den Neubau ein Teil des Waldes umgewandelt werden muss. Die CDU-Fraktion sei froh, dass der „corona-gebeutelte“ Schönblick an dem Projekt festhalte, sagte Christoph Preiß (CDU). Er habe sich den so genannten Wald auf dem Rehnenhof angeschaut. Wenn in Metlangen mehr Bäume als geplant gesetzt würden, ergäbe das einen Mehrwert zur jetzigen Situation, sagte Preiß.

Die Grünen-Fraktion begrüße den Bau eines Pflegeheimes, sagte Karl Miller (Grüne). Allerdings: nicht an diesem Standort. Eine „flächengleiche Aufforstung“ an einem Ort, wo es zurzeit keinen Wald gebe, ergebe nicht die Qualität der vorhandenen Bäume, sagte Miller. Dies sei die dritte oder vierte vom Schönblick beantragte Waldumwandlung. Deshalb wollten die Grünen wissen, wie das weitergehe? Ob der Schönblick nicht besser ein Pflegeheim an einem anderen Standort ansiedle?

Die SPD sage Ja zum Pflegeheim, sagte Johannes Zengerle (SPD). Zum Standort gebe es in der Fraktion unterschiedliche Meinungen. Prof. Dr. Andreas Benk (Die Linke) appellierte an die „christliche Einrichtung“ Schönblick: Das Areal sei ein Paradies, der Schönblick habe dieses wunderbar bebaut und bewahrt. Deshalb solle er nun der Versuchung widerstehen, die Bäume anzufassen. Denn so riskiere er die „Vertreibung aus dem Paradies“, da die Klimakrise eine „Katastrophe biblischen Ausmaßes“ sei. Sanieren sei das Gebot der Stunde, forderte Benk den Schönblick auf, sein bisheriges Pflegeheim umzubauen.

Ullrich Dombrowski (Bürgerliste) sprach sich des Bedarfs wegen dafür aus, das Schönblick-Projekt „zeitnah“ umzusetzen. Dr. Constanze Schwarzkopf-Streit (FWF) fragte, was aus dem Waldkindergarten des Schönblicks an dieser Stelle werde. Wetzgaus Ortsvorsteher Johannes Weiß sprach sich für das Pflegeheim an geplanter Stelle aus. Der Schönblick habe deutlich gemacht: entweder an diesem Standort oder gar nicht.

Ob ihm Bäume wichtiger seien als Menschen, fragte Preiß Benk. Er als Christ könne dies nicht teilen. Benk erwiderte: Preiß habe die Klimathematik nicht verstanden. Es gehe darum, unsere Kinder und Kindeskinder zu schützen. Ein Wortgefecht, das der OB mit der „Erkenntnis“ beschloss: „Christ ist nicht gleich Christ.“

© Gmünder Tagespost 10.03.2021 19:02