Stadt zahlt 2,2 Millionen Euro fürs Reinigen

Schwäbisch Gmünd. 7200 Räume und 194000 Quadratmeter in Schulen, Kindergärten, Hallen und Ämtern muss die Stadtverwaltung reinigen – oder reinigen lassen. Im Jahr 2015 kostete dies gut 2,2 Millionen Euro, sagte Reinhard Langer, bei der Stadtverwaltung zuständig für Reinigungs- und Hausmeisterdienste, im Verwaltungsausschuss. Die Fraktion Die Linke im Gemeinderat hatte um einen ausführlichen Bericht gebeten – und bekam ihn am Mittwochabend.52 Prozent der städtischen Flächen werden von eigenen Mitarbeitern gereinigt, 48 Prozent von externen, berichtete Langer. Die Vergabe an Reinigungsunternehmen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das brachte der Stadt eine Kostenersparnis seit dem Jahr 2000 von knapp 500 000 Euro. Denn eine Stunde Fremdreinigung koste 22 Euro, eine Stunde Eigenreinigung 32,50 Euro. Das liegt unter anderem daran, dass die Stadt bei der Reinigung in Eigenregie die Reinigungsmittel und -geräte selbst kaufen und Ausfälle wegen Krankheit kompensieren muss. Aber auch an der Bezahlung: Eigene Mitarbeiter erhielten einen Stundenlohn von um die 14,50 Euro, während Mitarbeiter in Reinigungsunternehmen etwa 10 Euro Stundenlohn bekämen, erklärte Langer. Dafür müssten die Externen aber deutlich mehr leisten: Mindestens neun Prozent, im Durchschnitt jedoch 45 Prozent mehr als die städtischen Mitarbeiter. Diese Leistungen seien kaum ein Arbeitsleben lang zu schaffen, sagte Langer.

CDU-Stadtrat Dr. Kurt Weigand fragte nach, weshalb acht von 13 Schulen von eigenen Kräften gereinigt würden. Bei jeder Stelle, die frei wird, werde geprüft, ob es sinnvoll sei, die Arbeit an Externe zu vergeben, antwortete Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Doch die Stadtverwaltung könne nicht alle Arbeiten an Externe vergeben, auch um flexibel zu sein. Vielmehr sehe er einen „gesunden Mix zwischen Fremdvergabe und Eigenregie“ als den richtigen Weg.

Stadtrat Werner Nußbaum (Bürgerliste) merkte an, dass jemand mit einem Stundenlohn von 10 Euro Zusatzleistungen vom Staat benötige. Genauso, wenn er seine Arbeit nicht bis zur Rente ausführen könne. Daher sollte die Stadt die „Privatisierung nicht um jeden Preis vorantreiben“. Zumal sie auch einen sozialen Auftrag habe, fügte Grünen-Rat Elmar Hägele an.

Unsensibel und arrogant

Sorgen bereite ihm, dass die Sensibilität für das Thema in der Gesellschaft zum Teil fehle, sagte Bürgermeister Bläse. Als Beispiel nannte er Schüler, die achtlos Dreck hinterlassen. Wenn er sie darauf anspreche, bekomme er als Antwort: „Egal, da kommt doch eine, die putzt das weg.“ Und das „mit einer Arroganz“, ärgerte sich Joachim Bläse. Er dankte der Fraktion Die Linken, dass sie dieses Thema angesprochen hat. Denn es verdiene Aufmerksamkeit.

© Gmünder Tagespost 18.01.2017 22:15