Stadt stellt Zusage an den TSB Gmünd in Frage

Schwäbisch Gmünd. Von „völlig veränderten Vorzeichen“ sprach Sport-Bürgermeister Christian Baron, als Linke-Stadtrat Sebastian Fritz im Verwaltungsausschuss am Mittwoch nach dem Bau der Allwetterplätze im geplanten Sportpark des TSB Gmünd gefragt hatte. Die Vorzeichen haben sich allerdings nicht beim Verein verändert, sondern bei der Stadt. Die hatte dem TSB zugesagt, die Allwetterplätze zu bauen. Doch nun fehlt das Geld.

Barons Vorgänger im Amt, Dr. Joachim Bläse, hatte mit dem TSB ausgehandelt, dass die Stadt den Bau der Sportplätze übernimmt, dafür dann auch Vereine und Schulen aus dem Norden Gmünds sie zu Zeiten nutzen dürfen, in denen der Verein keinen Bedarf hat. Kosten von 800 000 Euro waren 2018 für den Bau kalkuliert.

„Wir wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen“, stellt Baron klar. Völlig verändert habe sich jedoch die Haushaltslage, sie sei deutlich schlechter, die Liste der Aufgaben deutlich länger geworden. Sein Fazit: „Wir können nicht alles stemmen“.

Deshalb verhandelt der Sport-Bürgermeister, der auch für die Finanzen zuständig ist, derzeit immer wieder mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des TSB, Christian Kemmer. Das Anliegen der Stadt: Der Verein soll den Bau der Allwetterplätze bezahlen; die Stadt würde sich in anderen Bereichen des Projekts einbringen. Als zusätzliches Argument nennt Christian Baron, dass ein Verein den Bau der Sportplätze eventuell günstiger realisieren kann als eine Kommune. Ausdrücklich bekennt sich Baron dazu, dass die Stadt in der Pflicht steht. Er suche nun, sicher auch im Gespräch mit der neuen Vereinsspitze, die bei einer Mitgliederversammlung am Dienstag gewählt werden soll, einen Kompromiss, der allen Beteiligten Vorteile bringe: der Stadt, dem TSB, den anderen Sportvereinen und den Schulen im nördlichen Stadtgebiet.

Christian Kemmer, der als stellvertretender Vorsitzender die Gespräche mit der Stadt führt, lehnt den Vorschlag nicht grundsätzlich ab. Aber dazu seien noch Fragen zu klären, und er hofft, einige der Antworten vor der Mitgliederversammlung zu bekommen. Denn auch für ihn ist unstrittig, dass die Stadt in der Pflicht ist. Dass der TSB sein Gelände mit dem Sportplatz an der Buchstraße verkauft hat, habe dem Verein die finanzielle Grundlage für den neuen Sportpark im Laichle gebracht. Die Stadt profitiere jedoch auch davon, weil so auf dem alten Sportplatz neuer Wohnraum entstehen kann. Deshalb habe sie zugesagt, die Allwetterplätze zu bauen. Und unter dieser Bedingung hätten die Fußballer des Vereins dem Verkauf zugestimmt. Entstehen die Allwetterplätze nicht, könne das die Existenz der Fußball-Abteilung gefährden.

Für den Verkauf des Areals an der Buchstraße hat der Verein gut acht Millionen Euro eingenommen – deutlich mehr als geplant, sagt Kemmer. Das gute Ergebnis sei auch durch den Einsatz von Mitgliedern möglich geworden. Durch diesen Erlös wäre der TSB in der Lage, sowohl den Sportpark insgesamt als auch den Bau der Allwetterplätze zu stemmen, so Kemmer, müsste dafür allerdings auch einen höheren Kredit aufnehmen. Deshalb seien noch Fragen zu klären; beispielsweise die nach einem Ausgleich, wenn Schulen und andere Vereine den dann TSB-eigenen Platz nutzen. Kemmer sieht die momentane Lage genauso wie Baron: „Keine einfache Situation.“

Copyright Gmünder Tagespost, 16.10.2021