Stadt richtet Hilfsfonds ein

„Gmünd hilft seiner Wirtschaft“: Schwäbisch Gmünd will finanzielle Soforthilfe leisten und Kleinbetriebeunterstützen. Dem haben die Mitglieder des Haushaltsausschusses zuge-stimmt. Es war die erste telefonische Haushaltsberatung in der Geschichte Schwäbisch Gmünds. Um den Haushalt an sich ging es dabei aber weniger.

SCHWÄBISCH GMÜND. Normalerweisekönne man auch mal mit Multitasking arbeiten, sagt OB Richard Arnold zu Beginnder ersten Haushaltsberatung via Telefonkonferenz. Heute sei aber Disziplin gefragt, damit es nicht ins Chaos ausarte.Und diszipliniert zeigten sich die anwesenden Räte, innerhalb von zwei Stunden waren die Themen besprochen, um kurznach 18 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Allerdings waren weniger die gängi-gen Haushaltsposten als vielmehr Coronadas Thema der Sitzung. Dabei hat der Ausschuss einen Hilfsfonds der Stadt beschlossen: „Gmünd hilft seiner Wirtschaft“ ist seit Mittwoch online. Gerade bei kleineren Betrieben seidie Liquidität oft sehr begrenzt, sodass in einer Notlage, wie sie momentan die Corona-Krise darstellt, schnell eine Zah-lungsunfähigkeit auftrete, sagt Arnold. „Wir müssen Betrieben jetzt unter die Arme greifen und mit einer unkomplizierten und ganz schnellen Lösung Liquiditätsengpässe beseitigen“, so Arnold weiter. Die Fraktionen des Gmünder Gemeinderates haben in der Telefonkonferenz am Mittwochnachmittag der Soforthilfe zugestimmt. Antragsberechtigt sind Kleinbetriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern, vor allem auch Händler und Gastronomen, Selbstständige und Start-Ups, die aufgrund der Corona-Krise in akute Zahlungsschwie-rigkeiten kommen.„Was die Betroffenen nicht haben, ist Zeit. “Eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene wird bei der städtischen Wirtschaftsförderung eingerichtet. Deren Leiter, Wirtschaftsförderer Alexander Groll, beschreibt: „Unsere Hotline ist mehrfachbesetzt, sodass wir so viele Beratungen wie möglich durchführen können.“ Genau dazu rät die Stadtverwaltung in einem ersten Schritt. Die betroffenen Betriebe, Selbstständigen und Start-Ups sollen sich bei der Hotline melden und beraten lassen. „Es gibt mittlerweile sehr viele Finanzhilfen seitens der Bundes-und Landesregierung“, erklärt Alexander Groll. Allerdings wird deren Bearbeitung lange dauern. Daher hat die Stadt entschieden, selbst tätig zu werden. „Eine Brücke zur Brücke“, nennt der OB es. „Was die Betroffenen nicht haben, ist Zeit. Wir brauchendie Sofort-Hilfe sofort. Ohne bürokratische Hürden“.Vor einer Antragstellung für den Hilfsfonds wird eine telefonische Beratungüber die Hotline dringend empfohlen. Sollten Betriebe trotz finanziellen Hilfsmöglichkeiten durch die Bundes- und Landesregierung in Liquiditätsschwierigkeiten stecken, kann auf den Hilfsfonds der Stadt Schwäbisch Gmünd zurückgegriffen werden. Aus diesem werden zinslose Darlehen oder in begründeten Einzelfällen Zuschüsse für die Begleichung der Rückstände oder Übernahmevon Mieten, Mietnebenkosten, Personalkosten, Strom-/Wasser-/Gasabschlägen, Sondernutzungsgebühren, kommunalen Steuern, Gestattungen oder Ähnlichem bis zu einer Höhe von 2500 Euro gewährt. Insgesamt umfasst der Hilfsfonds ein Volumen von 25 000 Euro.„Wir garantieren eine sehr schnelle Bearbeitungszeit der Anträge und der folgenden Auszahlung der finanziellen Hilfen. Dadurch können wir als Kommune einen Beitrag leisten, dass die Antragsteller zumindest mal ihre Fixkosten in dennächsten Wochen decken können“, bekräftigt Arnold. Die Vertreter der Fraktionen stimmten dem ausnahmslos zu. Der OB liefert auch einen aktuellen Bericht. „Wir haben eine Ausnahmesituation in der Stadt.“ Daher müsse sich die Stadtspitze in allem Handeln von drei Zielen leiten lassen. Erstens: Die Ausbreitung der Viren stoppen oder zumindest verlangsamen. Zweitens: Die Wirtschaft am Laufen halten. Drittens: Verwaltung und Politik entscheidungsfähig halten. Aktuell seien 250 Menschen im Ostalbkreis infiziert, aber auch die Anzahl der Genesenen nehme jeden Tag zu, wobei erhier keine genaue Zahl liefern könne.„Die Südtirol-Urlauber kommen jetzt nach und nach aus Quarantäne.“„Halten wir in dieser Zeit zusammen. Gott schütze unsere Stadt.“Die Vertreter der Fraktionen äußerten sich zu der Krise. Christian Baron (CDU):„Die Lage ist ohne Beispiel und in wenigen Tagen über die Stadt herein gebrochen. All das, was uns normalerweise auszeichnet, ist jetzt ein Risiko.“ Die Betriebe habe es eiskalt erwischt. Wer im Januar noch händeringend Mitarbeiter gesucht habe, weil es gut lief, müsse jetzt überlegen, wie es weiter gehe. „Aber gerade in Krisenzeiten halten wir zusammen.“ Jetzt gehe es darum, denen zu helfen, die leiden. Den Infizierten, Angehörigen, aber auch der Risikogruppe. „Nachder Krise werden wir mit Lebensfreude und Tatkraft weiter machen. Halten wir in dieser Zeit zusammen. Gott schütze unsere Stadt. “Gabriel Baum (Grüne) lobte das neue Format der Telefonkonferenz. „Die Lösung ist neu, wichtig und notwendig fürden Gemeinderat.“ Das halte jetzt arbeitsfähig. „Das Virus hat uns in unvergleichliche Situation gebracht. Die Herausforderungen für für die einzelnen sehr unterschiedlich.“

Sigrid Heusel (SPD) lobte die arbeitenden Menschen: „In der Krise zeigt sich, wer wirklich wichtig ist. Nur solidarisch können wir uns in dieser Krise behaupten.“ Die Lage sei dramatisch und ermutigend zu gleich, sagte Sebastian Fritz(Linke). „Dramatisch, weil es zeigt, welche Folgen die Krise hat, aber auch ermutigend, weil sich die Bürger solidarisch zeigen.“ Er plädierte dafür, dass die Stadtwerke bei Abschaltungen von Strom und Wasser nachsichtig sein sollten. Und: „Die Berufe, die systemrelevant sind, sollten aufgewertet werden: Pflegeberufe, Verkäufer, Handwerker.“ Auch Karin Rauscher (Freie WählerFrauen) betonte den Ernst der Lage: „Seit der Coronakrise wird viel verlangt, für manche geht es bis an die Grenze der Belastbarkeit.“ Ullrich Lothar Dombrowski (Bürgerliste) hielt die Generalprobe der Telefonkonferenz für gelungen. Alle Ge-meinderäte dankten denen, die in dieserZeit arbeiten. Pflegekräfte, Rettungsleute, Lehrern Verkäufern. Jeder der Redner unterstrich aber auch das Engagement der ehrenamtlichen Helfer. Die Hotline „Gmünd hilft seiner Wirtschaft“ bei der städtischen Wirtschaftsförderung ist unter der Rufnummer 0 71 71/6 03-10 20 zu erreichen von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 15.30 Uhr. Alle Informationen zu Hilfspaketen, dem Hilfsfonds sowie das hierfür notwendige Antragsformular finden sich auf der städtischen Homepage unter dem Reiter „Wirtschaft“: https://www.schwaebisch-gmuend.de/wirtschaft.html

Copyright Rems Zeitung, 26.03.2020