„Stadt informiert zu schlecht“

24. November 2016  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Die Diskussion über die Mehrkosten und knapp 9000 von städtischen Mitarbeitern geleistete Überstunden fürs Stauferfestival wurde am Mittwoch im Verwaltungsausschuss zur Generaldebatte. Mehrere Stadträte forderten konkretere Informationen. SPD-Fraktionssprecherin Sigrid Heusel beklagte momentan „sehr spontane Entscheidungen“ der Rathausspitze, zum Beispiel zur Absage der Eisbahn. Momentan sei in der Stadtspitze keine fundierte Planung mehr zu erkennen, sagte Heusel.

Jetzt sei der ganze Aufwand für das Festival auf dem Tisch, sagte Oberbürgermeister Richard Arnold, nachdem die Verwaltung auf Druck von außen auch die für die Großveranstaltung geleisteten Überstunden genannt hatte. Er wies darauf hin, dass der Gemeinderat das Festival beschlossen hat. Das Wichtigste an solchen Veranstaltungen seien ohnehin Werte wie Zusammenhalt und Heimat in einem offenen Sinne.

Sigrid Heusel dagegen zeigte sich erstaunt, dass sich die Verwaltung mit einer ordentlichen Kalkulation für eine Großveranstaltung im Vorfeld so schwertut. Es sei eine tolle Veranstaltung gewesen – künftig sei aber zu überlegen, ob man Teile davon von einer Event-Agentur durchführen lässt.

BL-Stadtrat Werner Nußbaum kündigte an, dass seine Fraktion den Mehrkosten zustimmen werde – auch wenn er noch immer Angaben zu Aufwendungen vermisse. Der Gemeinderat brauche transparente Informationen für seine Entscheidungen.

Künftig vielleicht eine Nummer kleiner.

Elmar Hägele
Grünen-Stadtrat

Albert Scherrenbacher (CDU) hingegen kritisierte die Diskussion, die nach Ansicht seines Fraktionskollegen Christian Baron bereits Teil des OB-Wahlkampfs sei. Eine Stadt brauche solche Großveranstaltungen, so Scherrenbacher. Dass das Budget für eine Großveranstaltung um 60 Prozent überschritten wird, „kann eigentlich nicht sein“, sagte Grünen-Stadtrat Elmar Hägele. Künftig solle die Stadt verlässlichere Zahlen auf den Tisch legen. Und sie solle „künftig vielleicht eine Nummer kleiner planen“.

Auch Karin Rauscher (FWF) regte an, über einen kleineren Umfang nachzudenken. Dass die Stadt nun den Gmünder Sommer zwei Jahre aussetze, sei richtig, vielleicht auch wohltuend. Und die Verwaltung solle den Aufwand für solche Großveranstaltungen künftig konkreter benennen.

Richtig fand die Aussetzung des Gmünder Sommers auch Linke-Sprecher Sebastian Fritz. Aber sie sei schon sehr kurzfristig gekommen. Nach seiner Kenntnis sei zumindest einem Teil der städtischen Mitarbeiter im Vorfeld des Stauferfestivals angeboten worden, für jede geleistete Stunde zwei Überstunden anzurechnen.

OB Arnold meinte, es sei auch die Aufgabe des Gemeinderats, die Realitätsnähe solcher Budgets einzuschätzen. Grundsätzlich aber seien solche Events für Städte ganz wichtig. Nicht umsonst habe die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung Gmünd jüngst zu den attraktivsten Mittelstädten Deutschlands gezählt.

© Gmünder Tagespost 23.11.2016 22:00