„Stadt informiert nicht ausgewogen“

25. Juni 2013  Gemeinderat, Presse, Redaktion
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(Foto: Laible)

„Wir glauben nicht, dass die Stadtverwaltung ausgewogen informiert.“ So begründete Nabu-Vorsitzender Walter Beck, weshalb die Gmünder Naturschutzorganisationen am Sonntag einen eigenen Informationstag zur geplanten Rodelbahn ausgerichtet haben. Trotz drohenden Regens kamen rund 80 Interessierte.

WOLFGANG FISCHER

Vertreter der Naturschutzorganisationen informierten Interessierte über die Rodelbahn-Pläne im Taubental.

 

Schwäbisch Gmünd. Die Sprecher mehrerer Naturschutzorganisationen führten die Beteiligten entlang der geplanten Trasse, zeigten mit Holzgerüsten das Ausmaß der vorgesehenen Schneisen. Sie erinnerten daran, dass das ruhige Waldgebiet nur wenige Gehminuten vom Zentrum Gmünds entfernt liegt. „Das wird nicht mehr so sein, wenn die Rodelbahn hier ist“, kündigte Beck das Ende dieser Idylle an. BUND-Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner sprach aber auch von dem wachsenden Widerstand gegen das Projekt: „Wenn der Gemeinderat das am 3. Juli nicht verhindert, werden wir das verhindern.“ Dann müssten die Naturschützer in kurzer Zeit genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln.

Immer wieder widersprachen die Naturschutz-Vertreter den bisherigen Darlegungen der Stadtverwaltung. Die Zahl der nötigen Parkplätze werde völlig falsch angegeben. Auch müsse die Schneise sicher breiter werden als die angegebenen vier Meter und dafür müssten sicher deutlich mehr Bäume gefällt werden als bisher gesagt. Zudem sei nicht vorstellbar, dass die Bahn in diesem Hang völlig ohne Betonfundamente angelegt werde. Mooslehner verwies auf Besonderheiten bestehender Rodelbahnen wie Kehren oder Jumps, die zusätzlich Platz bräuchten. Die Teilnehmer der Information besichtigten auch eine Stelle, an der die Bahn den Spazierweg unterqueren soll. Naturschutzrechtlich, so Walter Beck, sei das Projekt „auf Kante genäht“.

Ein Diskussionthema war die Geräuschkulisse. Für die Fahrgeräsuche sei ein Wert von 60 bis 70 Dezibel im Gespräch, so Beck, doch der hauptsächliche Lärm komme zwangsläufig von den Besuchern: „Man muss sich das vorstellen wie in einem Freizeitpark.“

An mehreren Stellen gingen die Teilnehmer an den Wetzgauer Bach, der durch die Bahn stark beeinträchtigt werde. Auch der Erholungswert des Taubentals leide erheblich. Andreas Mooslehner kritisierte, dass die Naturschützer sehr spät in die Planung einbezogen worden seien. Aber eine vernünftige Planung an diesem Standort wäre seiner Überzeugung nach ohnehin nicht möglich: „Das Taubental ist zu klein für eine solche Planung.“ Die Bahn würde zu der nach seiner Ansicht absurden Situation führen, dass Reiten im Erholungswald verboten bleibt, Rodeln aber erlaubt würde.

Nach Angaben der Stadt gebe es bisher zwei Investoren, sagte Mooslehner, im Spiel sei offenbar auch der Rodelbahn-Hersteller Wiegand. Die bisherigen Aufwendungen für die Planung allerdings habe die Landesgartenschau GmbH getragen, daneben stelle die Stadt Personal zur Verfügung. Die Rodelbahn wäre nach Ansicht der Naturschutz-Vertreter eine klare Abkehr von der bisher ökologischen Ausrichtung der Landesgartenschauen. Und das Walderlebnis für die Rodelbahnfahrer, das die Befürworter ins Feld führen, daure ganze fünf Minuten.

© Gmünder Tagespost 24.06.2013