Sorgen sind groß

Kandidat*innen der offenen Linken Liste waren zu Besuch bei der Firma Stadtbus. Die geplante Linienbündelung bereitet dem familiengeführten Unternehmen Sorgen. Die Linke teilt die Sorgen und sieht ebenfalls große Risiken.

Die Geschäftsführung der Firma Stadtbus, die auf eine lange Geschichte in Schwäbisch Gmünd zurückblickt, legte beim Gespräch mit Kandidaten der offenen Liste der Linken ihre Bedenken gegenüber der angedachten Linienbündelung des Landkreises dar. Auf der einen Seite ist die Befürchtung groß, dass durch das Aufteilen in drei Bündel das in sich abgestimmte Netz zerschlagen werde und damit ein Nachteil für die Kunden entstehe. Außerdem könnte diese Linienbündelung zukünftig, abhängig davon, wer den Zuschlag erhält, auch für die Schülerbeförderung negative Auswirkungen haben.
Bisher habe sich die Firma Stadtbus immer um eine pragmatische Lösung bemüht. Wenn es so wie in vielen Kreisen ausgehe, dass ein Dumpingangebot etwas eines großen Konzerns den Zuschlag erhält, würde zum einen ein gut aufgestelltes Unternehmen dauerhaft und unwiederbringlich vom Markt verschwinden und zum anderen würde sich dieser Betreiber dann jede einzelne zusätzliche Fahrt oder Umstellung teuer bezahlen lassen. Außerdem sei die Firma Stadtbus als sozialer Arbeitgeber bekannt. Es gebe genügend Beispiele, wo die Betreiber mit diversen Regelungen, insbesondere bei den Löhnen einsparen. Die Kandidat*innen der Linken waren sich einig, dass dies alles Entwicklungen wären, die keinesfalls eine gute Lösung darstellen würden. „Für uns kommt noch ein ganz anderes Thema hinzu“, so der PH-Professor und Kandidat für die Gemeinderatswahl Andreas Benk: „Die Linienbündelung wird in einer Zeit diskutiert, in der die Klimadiskussion in vollem Gange ist. Unserer Meinung nach ist dieser Aspekt, wie der ÖPNV seinen Beitrag zur Mobilitätswende und damit zum Klimaschutz beisteuern kann, noch gar nicht diskutiert“, so Benk weiter. Nach Auffassung der Linken sollte dieser wichtige Aspekt, neben den Auswirkungen auf die Beschäftigten, noch viel intensiver diskutiert werden. „Defizite zurückfahren zu wollen ist das eine, aber eigentlich ist es doch zwischenzeitlich Konsens, dass wir den ÖPNV als Beförderungsmittel viel mehr in den Fokus rücken müssen und dann ist das Instrument der Linienbündelung eher ein falsches Signal“, so Alexander Relea-Linder.
Aus Sicht der Linken sollte vielmehr ein stadt- und kreisweites Mobilitätskonzept für den Umweltverbund aus Bus, Bahn, Car Sharing, Fahrrad und Fußgängern auf den Weg gebracht werden, bevor hier unwiderrufliche Fakten geschaffen werden. „Die Zahl der PKWs steigt seit Jahren an und dies nicht zuletzt, weil noch immer sehr viel Geld in die Verkehrsinfrastruktur für den Individualverkehr gesteckt wird. Hier fordern wir, dass endlich eine Prioritätenverschiebung stattfindet und da gehört ein Nahverkehrsplan, der das Ziel hat einen preisgünstigen ÖPNV bereit zu stellen dazu“, so Andrea Pitschmann.
Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Sebastian Fritz, zeigte sich erfreut, dass auf Antrag der Linken ein Vertreter der Linken demnächst die Linienbündelung im Gmünder Gemeinderat vorstellen wird: „Da werden wir diese Themen natürlich nochmals ansprechen und hoffen, dass wir zu einer guten Lösung beitragen können.“ Zum Schluss wurde noch einer der beiden neu angeschafften Elektrobusse besichtigt.