Sondersitzung des Verwaltungsausschusses: Mozartschule oder Rauchbeinschule zur Gemeinschaftsschule machen?

Sebastian-FritzDass die Stadt aus eigener Kraft einen zweiten Gemeinschaftsschulstandort realisieren kann, daran gab und gibt es keinen Zweifel. Nur wo? In Hussenhofen oder in der Kernstadt? Das war am Mittwoch Thema im Verwaltungsausschuss.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Die RZ hat am Samstag die Argumente vorgestellt, mit denen sich die Stadtverwaltung für die Hussenhofer Mozartschule ausspricht. Gestern nun fand auch die Rauchbeinschule engagierte Verfechterinnen.

Bürgermeister Dr. Joachim Bläse nannte die Rauchbeinschule ein Herzstück der Innenstadt. Mit der Schiller-​Realschule gäbe es dann aber zwei Schulen mit ähnlichen Abschlüssen; das sah er kritisch. Er vertrat das Konzept eines weiteren Bildungscampus bei Hussenhofen. Für diesen spreche in erster Linie die Akzeptanz der Eltern: Insbesondere Eltern aus dem Umland zögerten, ihre Kinder in die Rauchbeinschule zu schicken, wenn dort auch eine Realschule angeboten werde.

Celestino Piazza (CDU) nannte die Turbulenzen in der Bildungslandschaft der vergangenen Jahre nicht eben vertrauensbildend. Jetzt gelte es, „Ruhe reinzubringen und den Kindern die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen“. Wie die Sprecherinnen und Sprecher aller Fraktionen würdigte er gestern Kollegium, Leitung und Elternschaft der betroffenen Schulen; beide brächten beste Voraussetzungen mit, eine Gemeinschaftsschule umzusetzen. Dass eine Gemeinschaftsschule auf keinen Fall eine „umetikettierte Werkrealschule“ sein darf, darin waren sich gestern ebenfalls einig. Das Hauptargument für die Mozartschule ist Piazza zufolge die Konkurrenzsituation in der Innenstadt. Die Uhlandschule habe sich mit dem Verweis auf das benachbarte Schulzentrum Strümpfelbach mit gutem Grund selbst aus dem Rennen genommen. Beim Ausbau der Rauchbeinschule werde der Gmünder Osten „ausbluten“, sprich Schüler an Privatschulen und die Schulen umliegender Städte und Gemeinden verlieren. In der Innenstadt hingegen „graben sich die Schulen dann gegenseitig das Wasser ab“. Weiteres Argument für Piazza: Die freiwerdenden Schulgebäude der Mozartschule eigneten sich nur für eine nachschulische Nutzung; in der Rauchbeinschule gebe es hingegen Potenzial für städtebauliche Entwicklung. Vor allem aber, so Piazza, sei eines wichtig: „Hier steht nicht die Kernstadt gegen die Stadtteile; das ist ein Abwägungsprozess.“

Heusel: Argumente

für die Rauchbeinschule

Sigrid Heusel (SPD) ging auf die Notwendigkeit und die Herausforderung ein, Kinder nach ihren individuellen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern. Bislang seien es vor allem Werkrealschulen, die sich zu Gemeinschaftsschulen entwickelten und die dafür eine Heterogenität benötigten — Miteinander von sehr unterschiedlichen Schülern – wie sie in den Realschulen jetzt schon zu finden sei. Heusel: „Wünschenswert wäre eine weitere Entwicklung der Gemeinschaftsschulen aus den Realschulen heraus.“ Dafür reiche aber die Zeit nicht, schließlich planten auch die Umlandgemeinden, und gerade 60 Schülerinnen und Schüler in den Eingangsklassen aller Gmünder Werkrealschulen zeige den Handlungsbedarf.

Drei Kriterien gaben für Heusel den Ausschlag, für die Rauchbeinschule zu plädieren. Zunächst die baulichen Voraussetzungen und der Raumbedarf an beiden Schulen: An der Mozartschule entstünden Kosten von 4,2 Millionen Euro plus 1,5 Millionen für die Sporthalle, an der Rauchbeinschule 3,3 Millionen Euro sowie 0,3 Millionen für die Sporthalle. An der Rauchbeinschule gebe es 230 Schüler, an der Mozartschule 104. Die von ihr genannten Zahlen für die fünften und zehnten Klassen unterstrichen dieses Ungleichgwicht. Die dauerhafte Sicherung der Zweigliedrigkeit sah Heusel in Hussenhofen ebenfalls kritisch: „Die Bewertung der Schülerströme an der Mozartschule ist nicht eindeutig vorzunehmen.“ So könne sie sich vorstellen, dass Böbinger Kinder eher nach Heubach gehen. Kooperation mit benachbarten Schulen und zu erwartende Synergieeffekte in der Innenstadt sah sie als weitere Vorteile, außerdem insbesondere die Bewertung des Schulamtes, das sich in einer ersten Stellungnahme ausdrücklich für die Rauchbeinschule mit ihrem „bereits vorhandenen stimmigen pädagogischen Konzept“ ausgesprochen hatte. Ähnlich sah dies Susanne Lutz (Die Grünen). Die Innenstadt habe kein Gremium wie die Ortschaftsräte, das für sie spreche. Dabei habe doch die Innenstadt eine Zentralitätsfunktion. Sie warnte davor, neben der Friedensschule auf dem Rehnenhof auch die zweite Gemeinschaftsschule an die Peripherie zu legen, und auch sie befürchtete keine Konkurrenz zwischen Rauchbein– und Schillerschule, die ohnehin keinen Raum für Weiterentwicklung habe

„Schiller-​Realschule muss

sich konzeptionell verändern“

Konrad Widmann sah die Fraktion FW/​FDP „mehrheitlich bei der Mozartschule“, ebenso Karin Rauscher (FFW), für die die engagierten Eltern der Mozartschule ein wichtiges Kriterium waren. Sebastian Fritz (Die Linke) sah ebenfalls eine Tendenz für die Mozartschule, eben wegen der benötigten Heterogenität. Wichtig war ihm bei diesem Thema dass sich die Realschulen noch nicht veränderten. Die Verbundschule sei durchaus eine Option in der Innenstadt, in jedem Fall aber sehe er den dringenden Bedarf für die Schiller-​Realschule, „sich konzeptionell zu verändern.“ Bis zur Entscheidung am kommenden Mittwoch im Gemeinderat sind noch einige Fragen zu beantworten. Hans-​Jörg Polzer, Leiter des Staatlichen Schulamts, stellte gestern weitere Daten zu den Schülerströmen in Aussicht.