Senioren-Busticket und mehr

Es ist vollbracht. Am Montagnachmittag sind im Landratsamt in Aalen die Verträge zur Gründung der kreisweiten Verbundgesellschaft im Öffentlichen Personennahverkehr unterzeichnet worden. Zum 1. Januar 2020 fahren alle Busse unter dem Dach der neuen OstalbMobil GmbH. Die Busunternehmer und der Landkreis sind darin gleichberechtigte Gesellschafter. Die europaweite Ausschreibung des Ostalb-Busverkehrs ist damit für vier Jahre erst einmal vom Tisch.

Von einem „historischen Ereignis“ für den Landkreis sprach daher Landrat Klaus Pavel. Man sei angetreten, den ÖPNV neu zu denken, alles solle auf den Prüfstand und überall, wo es klemmt, soll optimiert werden, der Fahrgast und dessen Interessen sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Im Vollverbund könnten diese Ziele schneller erreicht werden als mit einer Ausschreibung.

Im Januar 2020 steht die erste Aufsichtsratssitzung der neuen Gesellschaft an. Dabei soll, laut Pavel, definiert werden, was und wann Dinge verändert werden. „Schnelle Busverbindungen im ländlichen Raum“ und ein „Senioren-Jahresticket“ nennt der Landrat im Gespräch mit dieser Zeitung als seine primären Ziele. Im August 2020 soll es hier erste Resultate geben. Die Aufgaben der neuen Gesellschaft sind jedoch vielfältig: Über 230 Tarifzonen gibt es im Ostalbkreis, künftig sollen es deutlich weniger werden. Der Landrat erwartet eine kleine Tarifreform 2020, deutlich weniger Zonen 2021 und ein überarbeitetes Verkehrskonzept 2022.

ÖPNV soll für den Berufsverkehr attraktiver werden. „Wenn Busse durch Siedlungen müssen, bremst dies Berufspendler aus“, fordert Pavel hier kreative Lösungen. Ziel sei es, dass mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen. Und hierbei gehe es weniger um wirtschaftliche Erfolge als um Nachhaltigkeit.

Das ist eine große Chance für Fahrgäste, für die Politik und für die Busunternehmen.

Ulrich Rau
OVA-Geschäftsführer

Der neue Verbund soll attraktive Angebote gestalten. Er soll Lücken im Angebot schließen, die Tarife sollen aber zunächst stabil bleiben.

Der Geschäftsführer der Omnibusverkehr Aalen (OVA) Ulrich Rau ist zufrieden: „Das ist eine große Chance für alle – für Fahrgäste, die Politik und für uns Busunternehmer“. Dass EU-weite Ausschreibungen kein Allheilmittel seien, bewiesen die Probleme auf der Remsbahn. Auch im Landratsamt häuften sich die Beschwerden über Go-ahead, sagte Pavel, der hier dringend Nachbesserungen einfordert.

Aalens OB Thilo Rentschler ist sehr zufrieden mit dem neuen Verbund. Er ist sicher, dass dieser Erfolg haben wird. „Überglücklich“ ist Rentschler gar, dass die Linienbündelung erst einmal vom Tisch ist. „Blinde „Ausschreiberitis hat negative Folgen, wie wir auf der Schiene sehen. Gut, dass uns dies nicht im Busverkehr blüht“, sagt er.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich die Idee eines 365-Euro-Jahrestickets für Busse durchsetze, meint Rentschler. Aalen habe den Preis für das Umwelt-Ticket Jüngst um 25 Prozent gesenkt, eine deutliche Vergünstigung und fast schon dran am Ein-Euro-Jahresticket, erinnert Aalens Oberbürgermeister.

© Gmünder Tagespost 16.12.2019 18:10