Sechs Fraktionen stärken das Fahrrad

 Alle Gmünder Ratsfraktionen halten das Fahrrad für wichtig, wenn es darum geht, Staus und Autos in der Gmünder Innenstadt zu verringern. Wie wichtig, darin unterscheiden sie sich.

Radfahren könne „nur ein Baustein in Mobilitätskonzepten“ sein, sagt CDU-Fraktionschef Alfred Baumhauer. Die CDU-Fraktion unterstütze Maßnahmen, „die den Radverkehr attraktiver machen“. Weniger in Frage komme das Rad jedoch für Transporte. Bei Nacht, bei schlechtem Wetter und in den Wintermonaten sei Radfahren mitunter sehr riskant. Der großen Distanzen zu den Stadtteilen und der bergigen Topografie wegen sei der motorisierte Verkehr für viele Bürger sinnvoller. „Für Radfahrer gibt es noch viel zu tun“, sagt Baumhauer. Sicherheit sei ein entscheidendes Thema, gerade für Kinder und Jugendliche. Die Attraktivität des Radfahrens will Baumhauer deshalb bei allen Entscheidungen mit berücksichtigen. Parolen allerdings, zum Beispiel, dass man überall Radspuren brauche, hülfen nicht weiter. An viel befahrenen Straßen sei dies naheliegend, an anderen Verbindungen unnötig. Das Fahrrad, sagt Baumhauer, dürfe nicht gegen andere Verkehrsmittel ausgespielt werden. Er befürwortet mehr Radständer, kurze Verbindungen ohne Steigungen und mehr Möglichkeiten zur Radmitnahme in Bussen.

Einen „hohen Stellenwert“ räumt dem Fahrrad die SPD-Fraktion ein, sagt Konrad Sorg. Um Klimaziele zu erreichen, müsse ein großer Teil des Individualverkehrs durch ÖPNV und Fahrräder ersetzt werden. Durch verbesserte Räder und E-Räder sei das Fahrrad in Gmünd und seinen Vororten eine echte Alternative. Sorg fordert: Infrastruktur und Sicherheit für Radfahrer müssten verbessert werden. Dazu gehören bessere Beläge der Fahrradwege, Fahrradstraßen mit Vorrechten für Radfahrer, Sicherheitsstreifen an weiteren Straßen, Aufstellflächen an Ampelkreuzungen und eine augenfälligere Beschilderung von Straßen, auf denen Radfahren erlaubt ist.

Das Fahrrad werde in Gmünd eine „immer größere Rolle einnehmen“, sagt Grünen-Sprecher Gabriel Baum. Denn der zunehmende Autoverkehr werde das Fahren und Parken immer weniger attraktiv machen. Der Trend gehe zum e-Bike. Damit verlören Hänge ihren Schrecken. Baum nimmt mehr Radler in Gmünd wahr. Verschnörkelte Radwegeplanungen, Turbokreisel und „halbgare Lösungen“ wie in der Goethestraße, der Buchstraße und der Weißensteiner Straße seien „nicht hilfreich“. Baum wünscht sich „klare Verkehrsführungen, zum Beispiel über Kreuzungen hinweg, wo Radwege heute teilweise einfach enden, ohne dass die Weiterführung klar wird“. Seine Fraktion fordert: keine Umwege, Radaufstellflächen an Ampeln und Stoppstellen, mehr sichere Radständer in der Innenstadt und an Orten wie Sportplätzen, mehr Radschutzstreifen, wo Radwege kurzfristig nicht möglich sind und neue attraktive Radwege an Hangstrecken wie dem Mutlanger Berg, Herlikofer Berg oder nach Großdeinbach.

Fahrradfahren ist gesund, schont die Umwelt und spart Platz.

Alfred Baumhauer, CDU-Fraktion

„Der Stellenwert der Fahrradnutzung in Gmünd als Mobilitätsalternative ist sehr hoch anzusiedeln“, sagt Ullrich Dombrowski, Sprecher der Fraktion Bürgerliste. Die Infrastruktur müsse noch entwickelt werden, besonders unter Sicherheitsaspekten. So seien Fahrbahnverengungen bei Fahrradspuren, wie bei der Fußgängerquerung am Hallenbad in der Goethestraße, ein „erhebliches Gefahrenpotenzial für Radfahrer“. Die Bürgerliste fordert eine „klare strategische Ausrichtung, ob künftig Radspuren auf Gehwegen oder als Fahrradspur im Fahrbahnbereich geführt werden“.

Es habe lang gedauert, bis das Rad als „ernsthafte Mobilitätsalternative in unserer Stadt wahrgenommen wird“, sagt Karin Rauscher (Freie Wähler Frauen). „Es wird mehr Fläche benötigt, und die Sichtbeziehungen müssen bei einer Geschwindigkeit von etwa 25 bis 30 Stundenkilometern übersichtlich sein, verwinkelte Streckenführungen sind problematisch“, nennt die FWF-Sprecherin Ansatzpunkte. Dann müssten verschiedene Anordnungen geprüft werden. Solche wie Vorfahrtsregelungen für Radfahrer oder die Abschaffung der verbindlichen Benutzung von Rad- und Gehwegen in der Weißensteiner Straße. Der schnelle Radfahrer sei auf der Straße besser aufgehoben und bietet weniger Konfliktpotenzial mit Fußgängern.

Auch für die Fraktion Die Linke hat das Fahrrad einen „sehr hohen Stellenwert“. Der Lage wegen müsse Schwäbisch Gmünd jedoch einen „Mix aus mehreren Angeboten“ schaffen. Und es brauche ein „gutes ÖPNV-Angebot“ mit „verlässlicher Radmitnahme“. Die Zahl der Radfahrer nehme bereits stark zu, sagt Fraktionssprecher Sebastian Fritz. Auch derer, die das Rad im Alltag nutzen. Ihnen fehle eine gute Infrastruktur, sagt Fritz. Einige stark befahrene Straßen sei noch nicht „tauglich“ für den Radfahrer. Fritz nennt den gemeinsamen Geh- und Radweg in der Goethestraße oder die Weißensteiner- und Buchstraße, die „für den schnelleren Radfahrer“ noch sehr gefährlich seien.

© Gmünder Tagespost 15.08.2018 18:35