Grüne Oase für Kinder und Flaneure

„Die Bäume sind das große Pfund dieser Anlage“, sagt Baubürgermeister Julius Mihm. Bis auf drei bleiben am Sebaldplatz alle erhalten, vier neue werden gesetzt. Zur Umgestaltung gab der Gemeinderat sein Plazet.
SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Die Verwaltung warb in der Gemeinderatssitzung intensiv um die Zustimmung der Stadträte. Sie hatte einen Grund: die Platzgestatung, wie sie jetzt vorliegt, wird deutlich teurer als zuvor angenommen – 410 000 Euro, 120 000 Euro mehr, als ursprünglich angesetzt. Das lupft den Kostendeckel, und daran erinnerte vor allem Stadträtin Karin Rauscher (Frauen) in ihrer Stellung: „Wir haben eine Kostendeckelung beschlossen für die Remstal Gartenschau, und wir sollten uns daran halten.“ Die Verwaltung argumentierte mit Nachhaltigkeit, Qualität und Zeichenhaftigkeit, die beim neuen Sebaldplatz zu erwarten seien. Man wolle Innen- und Südstadt miteinander verbinden. Das grüne Band sei „nochmals größer gedacht“ als bis zur Landesgartenschau
2014, bis hinüber zum Deyhle-Areal, so der Baubürgermeister. Außerdem gehe auch um Funktionalität und Verkehr, stehe der Platz im Zusammenhang mit den Verkehrsplanungen „Ums Stöckle“. Mihm ging auf den Plan des Büros Stötzer ein, den die RZ am Dienstag, 3. Juli, schon vorgestellt hat. Die Gesamtanlage wird etwas knapper gefasst, die jetzigen Umfassungsmauern entfallen. An ihre Stelle tritt, wie auf Nachfrage aus dem Gremium gesagt wurde, eine etwa hüfthohe Ligusterhecke. Sie soll dem ovalen,
aus dem 19. Jahrhundert stammenden Platz zudem eine transparentere Anmutung verleihen. Eine neue Fußgängerachse entsteht mit zwei Zebrastreifen von der
Sebaldstraße her. In der Anlage befinden sich mehrere Wege, sie führen im Osten zur Unteren Zeiselbergstraße, die mit einer Verkehrsinsel in Richtung Zeiselberg zu überqueren ist. Zwei „ganz schlichte Wassermulden“, kostengünstig, interaktiv und attraktiv für Kinder erstrecken sich über die Länge der Platzmitte. Die Sebald-Figur wird versetzt an eine Längsseite ans Ende der mittigen Querachse.
Nach der Gartenschau könnten die Beetflächen auch einfacher bepflanzt werden, eventuell mit Rasen, um den Pflegeaufwand zu verringern. Die Kübelpflanzen der „Alhambra“ stehen ohnehin nur im Gartenschaujahr – was für Kinder und Flaneure hinterher mehr Auslauf schafft. Mihm: „Wir sollten solche Räume sehr familienfreundlich anlegen, das Potenzial ist riesengroß.“
Für die CDU-Fraktion begrüßte Rolf Crummenauer den Plan: „Gelungen, schön von der Geometrie her. Das gibt Gelegenheit zum Flanieren. Heute ist die Anlage eine Wüste.“
Die Nachhaltigkeit hob Konrad Sorg (SPD) hervor. Ihm schien der Platz „etwas übermöbliert, aber sonst ist es eine gute Konzeption.“ Gabriel Baum (Grüne) erinnerte
daran, dass es darum gehe, den schon für 2014 geplanten „grünen Ring“ zu schließen. Der Sebaldplatz sei eine „grüne Oase“ und auch Entree zur Innenstadt. Lob gab es für die „barocke Symmetrie“ der Neugestaltung, insgesamt sei es eine Aufwertung des Platzes: „ Es wird ein wunderschöner Platz mit Schatten spendenden Bäumen.“ Allerdings sei es
bis zur Gemeinderatssitzung etwas „hopplahopp“ gegangen, „mehr Zeit zur Beratung mit den Anwohnern wäre besser gewesen.“ Auch die Mehrkosten sah Baum kritisch. Nichts am Plan zu ändern, empfahl Stadtrat Ullrich Dombrowski (Bürgerliste). Zu bedauern seien nur die Mehrkosten. Wohlwollen auch bei der Linken, Sebastian Fritz mahnte Aufsicht
und Baumschutz bei den Bauarbeiten an. OB Arnold und Erster Bürgermeister Joachim Bläse erinnerten daran, dass der Sebaldplatz auf Dauer sei, „das ist jetzt nicht mehr nur eine Gartenschau-Maßnahme.“
Bis auf einen stimmten alle Stadträte und -rätinnen zu. Der Bau- und Umweltausschuss berät am 12. September über die Vergabe, der Gemeinderat beschließt darüber am 19.
September.

Rems Zeitung, 5.Juli 2018