S 21ein „Milliarden-Staubsauger“

09. Oktober 2010  Ortsvorstand, Redaktion

Knapp 100 Gmünder demonstrierten am Samstag gegen den neuen Bahnhof in der Landeshauptstadt

Knapp 100 Gmünder demonstrierten am Samstag auf dem Gmünder Marktplatz gegen Stuttgart 21. Ihr wichtigstes Argument: dass der Nahverkehr durch den Bau des Milliardenprojektes ins Hintertreffen gerät. Die Kundgebung hatte das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 organisiert.

MICHAEL LÄNGE

Schwäbisch Gmünd. Symbolisch griff Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke) zur Motorsäge und fällte einen Baum. „Wir wollen Farbe bekennen zu Stuttgart 21: Wir sind dagegen“ sagte Michael Straub, Moderator des Aktionsbündnisses aus Grünen, Die Linke, MLPD, Bund, Mutlanger Friedens- und Pressehütte und IG Metall. Hauptredner der Kundgebung war Roland Hamm, der als Gewerkschafter sprach. „Wir brauchen keine Kopfpauschale, sondern einen Kopfbahnhof statt Stuttgart 21“, sagte er, auf die Kopfpauschale in der Gesundheitsreform-Debatte anspielend. Er begründete dies damit, dass die Regierenden in Deutschland den Menschen sagen würden, man müsse den Gürtel enger schnallen. „Drei Jahre keine Rentenerhöhung, 5 Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger“ – dann müsse man den Menschen auch erklären, „weshalb nicht eine, nicht fünf, sondern zehn Milliarden in Stuttgart 21 verbraten werden“

In Baden-Württemberg hat sich etwas verändert, sagte Hamm. Denn der heutige phantasievolle Widerstand sei nicht immer so gewesen, erinnerte er an vielleicht 50 Gegner vor 15 Jahren. „Ich habe kein Verständnis, wenn Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold und Heubachs Bürgermeister Klaus Maier nichts Besseres zu tun haben, als für Stuttgart 21 Flagge zu zeigen“, sagte Hamm. Genau das Gegenteil sei der Fall: Sie müssten Flagge zeigen gegen Stuttgart 21. Stuttgart 21 sei ein „Staubsauger, der Milliarden auf das Projekt fokusiert“ und kein Geld für den Nahverkehr lasse. Dies belege, dass auf der Strecke Nürnberg – Stuttgart Züge ausgedünnt, dass Bahnhöfe geschlossen, Strecken stillgelegt und Bahnmitarbeiter arbeitslos geworden seien. Die Menschen hierzulande, war Hamm überzeugt, verstünden diese Art von Politik nicht mehr: Milliarden für die Hypo Real Estate und „gleichzeitig den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen“. Ministerpräsident Stefan Mappus‘ ausgestreckte Hand sei die Zerstörung des Bahnhof-Nordflügels, Wasserwerfer und Pfeffersprays „in einer Brutalität, die man in diesem Land noch nicht erlebt hat“. Mappus‘ Rücktritt sei „die richtige Antwort“. Hamm kritisierte zudem, dass Lehrer, die ihren Schülern „zur Ausübung ihres Demonstrationsrechtes freigegeben“ hätten, nun „Disziplinarverfahren“ bekommen. „Wer ein ehrliches Gespräch will, muss den Abriss stoppen und in sinnvolle Gespräche einsteigen“, schloss Hamm.

Linke-Stadtrat Sebastian Fritz kritisierte den CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Scheffold. Dieser hatte im GT-Gespräch gesagt, dass der neue Stuttgarter Bahnhof von Nürnberg kommend alle 30 Minuten erreichbar sei. Dies werde nicht so sein, „weil Stuttgart 21 zu viel Geld kostet“, sagte Fritz. Er sei außerdem verwundert, dass Oberbürgermeister Richard Arnold die Resolution des Kreises für Stuttgart 21 unterzeichnet habe, denn zu Beginn seiner Amtszeit habe Arnold sich dafür ausgesprochen, eine „Erweiterung der S-Bahn-Verbindung mindestens zu prüfen“. Arnold hatte sich am Mittwoch im Gemeinderat deutlich für Stuttgart 21 ausgesprochen, weil das „wichtige“ Projekt europäische Dimensionen habe.

© Gmünder Tagespost 09.10.2010